SINNSÄTZE

des großen Themenbereichs

AUSDRUCK - SPRACHE - LITERATUR.



...Das meiste Wesentliche meiner Anschauung und Bildung verdanke ich der Literatur.
...Fehler in der Sprache führen zu Fehlern im Denken, Denkfehler bedingen Lebensfehler, verfehltes Leben macht unglücklich, unglückliche Menschen führen Krieg oder erkranken…
...jeder ist des anderen Reflektor und Klanggeber – so erzeugen wir gegenseitig die Formen zwischen uns…
...Oft fehlt es denen, die vorgeblich über Sprache verfügen, an emotionalen Dimensionen/Tiefgängen. Wer alles benennen/erklären zu können vermeint, weiß nicht wirklich zu erkennen/zu verstehen…
...Schweigen - vor der Macht.
...Sprache ist Stimme der Seele.
Ali, Muhammad (Cassius Marcellus Clay jr., 1942-2016), US-amerikanische Boxlegende, verweigerte den Wehrdienst und unterstützte die afroamerikanische Emanzipationsbewegung: „Die Leute können ein Großmaul nicht ausstehen, aber zuhören werden sie immer.“
Altenberg, Peter (1859-1919), österreichischer Schriftsteller und Kulturkritiker, in: Prodomos: „Ein Dichter ist ein Mensch, der in der Selbst-Hypnose seiner Seele dahinlebt. Falls man ihn rüttelt, auferweckt, sieht er die Dinge wie die anderen, die Vorgänge des Tages und der Stunde. Aber lasst ihn! Dass er im lichten Traume verkünde, was da kommen wird!“
Altenberg, Peter (1859-1919), österreichischer Schriftsteller und Kulturkritiker, in: Prodomos: „Gott denkt in den Genies, träumt in den Dichtern und schläft in den übrigen Menschen.“
Altenberg, Peter (1859-1919), österreichischer Schriftsteller und Kulturkritiker, in: Prodomos: „Im Menschenleben selbst liegt, erblüht alle Poesie, wenn er danach lebt! Jeder wird zum Dichter, wenn er seine überschüssigen Kräfte in sich anhäuft, die zu ‚Symphonien des eigenen Lebens‘ werden! [...] Seine Melancholien drängender Kräfte ertragen können, heißt Mensch sein! Trauern-können um seine Gott-Unähnlichkeiten! Sich davon jederzeit erlösen können im ‚geschlechtlichen Rausche‘ ist Feigheit! Es ist: ‚Sich betrügen um Ideale‘, aus einem tragischen Ideal-Dasein ein bequemes Hausierer-Leben konstruieren. [...] Wehe denen, die ‚gesund‘ bleiben und ‚friedevoll‘ auf Kosten ihrer Ideale! Satan in uns ist nichts als der verleugnete Gott.“
Arnim, Bettina von (Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, auch: Bettine Brentano, 1785-1859), deutsche Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik, Schwester von Clemens Brentano, in: Frühlingskranz: „Auf meiner Seele klarem Grund die Fischchen herumspielen sehen, das freut dich? - Nun so guck! Wie sie da fahren wie der Blitz hin und her, sie prallen ans Ufer der allbekannten todbringenden Langeweile, sie stoßen sich den Kopf ein; und soll ich keine Leuchte anzünden, zwischen diesem klippigten Grund einen Ausweg zu finden aus der Pfütze - ins Weltenmeer? - Wohin sonst?“
Arnim, Bettina von (Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, auch: Bettine Brentano, 1785-1859), deutsche Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik, Schwester von Clemens Brentano, in: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde: „Was soll ich Dir denn schreiben, da ich traurig bin und nichts neues Freundliches zu sagen weiß? Lieber möcht’ ich Dir gleich das weiße Blatt schicken, statt dass ich’s erst mit Buchstaben beschreibe, die doch immer nicht sagen, was ich will.“
AT, Sprüche Salomos, 15, 1 bzw. 15, 4: „Eine gelinde Antwort stillet den Zorn; ein hartes Wort erregt Grimm. - Eine linde Zunge ist ein Baum des Lebens; eine lügenhafte bringt Herzeleid.“
Atwood, Margaret Eleanor (*1939), kanadische Dichterin, Schriftstellerin Essayisten: „Die Antworten, die wir von Literatur erhalten, hängen von den Fragen ab, die wir stellen.“
Aus Albanien: „Wer lesen und schreiben kann, hat vier Augen.“
Aus Arabien: „Der gute Redner bewirkt, dass die Menschen mit den Ohren sehen.“
Aus China: „In einem guten Buch ist jeder Buchstabe aus Gold.“
Aus der Mongolei: „In einem guten Wort steckt Wärme für drei Winter.“
Aus Israel: „Worte, die von Herzen kommen, gehen zu Herzen.“
Ausonius, Decimius Magnus (um 310-393/394), spätantiker gallorömischer Staatsbeamter, Prinzenerzieher und Dichter: „Niemand gefiel durch Schweigen, viele aber durch die Kürze ihres Ausdrucks.“
Aus Russland: „Auch wenn du nur scherzt, musst du bedenken, was du sagst.“
Aus Russland: „Ich preise laut, ich tadle leise.“
Aus Spanien: „Die Zunge ist ein Dolch aus Fleisch.“
AutorIn unbekannt: „Möge deine Zunge nur Worte formen, die du nicht zu bereuen brauchst.“
AutorIn unbekannt: „Nimm dir Zeit zu lesen, das ist die Grundlage der Weisheit.“
Baba, Sathya Sai (Sathya Narayana Raju Ratnakaram, 1926-2011), indischer Guru: „Der Mensch kann nur aus menschlicher Form Freude gewinnen; er kann Belehrung, Inspiration, Erleuchtung nur durch menschliche Sprache und menschliche Kommunikation erhalten!“
Baba, Sathya Sai (Sathya Narayana Raju Ratnakaram, 1926-2011), indischer Guru: „Stille ist die einzige Sprache der Verwirklichten. Stille wird in euch Gottes- und Menschenliebe entwickeln. Die meisten Missverständnisse entstehen aus sorglos dahin gesprochenen Worten. Ist einmal ein falsches Wort herausgerutscht, schmerzt die Wunde, die es im Herzen eines anderen hinterließ, ein Leben lang. Die Zunge ist für vier große Verwirrungen verantwortlich: Falschheit, Skandalieren, Auffinden der Fehler anderer und zuviel Reden. Vermeidet all dies, damit Frieden in euch und in der Gemeinschaft der Menschen sei.“
Bachmann, Ingeborg (gelegentliches Pseudonym: Ruth Keller, 1926-1973), gilt als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts in Österreich: „Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.“
Baggesen, Jens Emmanuel (1764-1826), dänischer Dichter, Schriftsteller, Übersetzer, 1811-1813 Professor für dänische Sprache und Literatur in Kiel, Anhänger der Aufklärung: „Die Alten sind uns Neuen überlegen/ im Büchermachen. Wisst ihr auch warum?/ Die Alten schrieben nicht des Geldes wegen/ und druckten nicht fürs Publikum.“
Baudelaire, Charles-Pierre (1821-1867), einer der größten französischen Lyriker und Schriftsteller des 19. Jahrhunderts: „Wenn ein schönes Gedicht Tränen in die Augen drängt, so sind diese Tränen nicht ein Beweis eines freudigen Überschwanges, sondern sie zeugen von einer Natur, die, in diese Unvollkommenheit verbannt, sich gleich auf der Erde schon eines geoffenbarten Paradieses bemächtigen möchte.“
Bengis, Ingrid: „Worte sind eine Form des Handelns, fähig, Änderungen herbeizuführen.“
Benn, Gottfried (1886-1956), deutscher Arzt, Dichter, Essayist, Eure Etüden: „Eure Etüden, / Arpeggios, Dankchoral / sind zum Ermüden / und bleiben rein lokal. // Das Krächzen der Raben / ist auch ein Stück − / dumm sein und Arbeit haben: / das ist das Glück. // Das Sakramentale − / schön, wer es hört und sieht, / doch Hunde, Schakale / die haben auch ihr Lied. // Ach, eine Fanfare, / doch nicht an Fleisches Mund, / daß ich erfahre, / wo aller Töne Grund.“
Benn, Gottfried (1886-1956), deutscher Arzt, Dichter, Essayist, in: Doppelleben, 1950, München, dtv 1967, S. 103: „Es ist heute tatsächlich so, es gibt nur zwei verbale Transzendenzen: die mathematischen Lehrsätze und das Wort als Kunst. Alles andere ist Geschäftssprache, Bierbestellung.“
Benn, Gottfried (1886-1956), deutscher Arzt, Dichter, Essayist: „Ein Gedicht entsteht nicht, ein Gedicht wird gemacht.“
Bonald, Louis-Gabriel-Ambroise de (Vicomte de Ambroise de Bonald, 1754-1840), französischer Staatsmann, Philosoph, Schriftsteller: „Die Literatur ist der Ausdruck der Gesellschaft, wie das Wort der Ausdruck des Menschen ist.“
Bonsels, Jakob Ernst Waldemar (1880-1952), in den 20er Jahren des 20. Jh. einer der bekanntesten und meistgelesenen deutschen Schriftsteller; sein in 40 Sprachen übersetztes Buch „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ machte ihn weltberühmt: „Das eine Buch lehrt uns das Leben, das andere schönt es.“
Borges, Jorge Luis (1899-1986), argentinischer Schriftsteller und Bibliothekar: „Die klangvollste Sprache der Welt ist mir die deutsche Sprache.“
Bruno, Giordano (Filippo Bruno, 1548-1600), italienischer Priester, Dichter, Philosoph und Astronom, der von der Inquisition zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde, in: „Il candelajo“: „Der Tropfen höhlt den Stein nicht durch zweimaligen, sondern durch öfteren Fall: So wird auch der Mensch weise, nicht durch zweimaliges sondern durch öfteres Lesen.“
Butler, Samuel (1835-1902), englischer Schriftsteller, in: The Note-Books: „Worte behindern oder töten sogar den vollkommenen Gedanken, oder sie werden von ihm getötet; aber sie sind, wie ein Gerüst, nützlich, wenn nicht gar unverzichtbar, um ein vollkommenes Gedankengebäude zu errichten und zu seiner Vervollkommnung beizutragen.“
Böll, Heinrich Theodor (1917-1985), einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, Literaturnobelpreis 1972: „Ich glaube, daß der Schriftsteller, der sogenannte freie Schriftsteller, eine der letzten Bastionen der Freiheit ist.“
Carlyle, Thomas (1795-1881), schottischer Essayist und Historiker: „Ein Bücherschatz ist wie ein geistiger Baum, der Bestand hat und seine Früchte spendet von Jahr zu Jahr, von Geschlecht zu Geschlecht.“
Chinesische Weisheit: „Worte schneiden manchmal tiefer als Messer.“
Cicero, Marcus Tullius (106-43 v. Chr.), römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, dessen Werk bedeutendsten Einfluss auf das Denken der christlichen Spätantike hatte: „Ein Raum ohne Bücher ist ein Körper ohne Seele.“
Cicero, Marcus Tullius (106-43 v. Chr.), römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, dessen Werk bedeutendsten Einfluß auf das Denken der christlichen Spätantike hatte: „Der Vortrag ist gewissermaßen die Beredsamkeit des Körpers.“
Claudius, Matthias (Pseudonym: Asmus, 1740-1815), deutscher Dichter, Lyriker und Journalist, in: An meinen Sohn Johannes: „Wo die Worte gar leicht und behende dahinfahren, da sei auf deiner Hut; denn die Pferde, die den Wagen mit Gütern hinter sich haben, gehen langsameren Schrittes.“
Delacroix, Eugène (Ferdinand Viktor Eugène Delacroix, 1798-1863), einer der bedeutendsten französischen Maler, gilt als Wegbereiter des Impressionismus, in seinem Tagebuch 1857: „Man hat gesagt, die Flüsse seien Wege, die gehen. Man könnte von den Büchern sagen, sie seien in Bewegung befindliche Teile von Bildern, von denen einer auf den anderen folgt, ohne dass es möglich wäre, sie auf einmal zu übersehen. Um das Band zu erfassen, das sie zusammenhält, ist bei dem Leser fast ebenso viel Intelligenz erforderlich wie beim Autor.“
Demosthenes (384-322 v. Chr.), einer der bedeutendsten griechischen Redner und Staatsmänner Athens, starb nach Gefängnisflucht und drohender Verhaftung durch Freitod: „Jede Rede erscheint eitel und nichtig, wenn die Tat ihr nicht Nachdruck gibt.“
Diderot, Denis (1713-1784), französischer Schriftsteller, Philosoph und Aufklärer, einer der wichtigsten Autoren der Encyclopédie, in einem Brief an Sophie Volland am 10. Juli 1759: „Es ist das erste Mal, dass ich im Dunkeln schreibe. [...] und ich spreche weiter zu Ihnen, ohne zu wissen, ob ich Buchstaben bilde. Überall, wo nichts auf dem Blatt steht, sollten sie lesen, dass ich Sie liebe.“
Dostojewski, Fjodor Michailowitsch (1821-1881), einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller: „Einen neuen Schritt zu machen, ein neues Wort zu äußern, das ist es, was die Menschen am meisten fürchten.“
Droste-Hülshoff, Annette von (1797-1848), deutsche Dichterin: „Nichts ist kläglicher als Humor in zu engen Schuhen.“
D’Alembert (Jean Baptiste le Rond D’Alembert, 1717-1783), einer der bedeutendsten Mathematiker und Physiker des 18. Jahrhunderts und Philosoph der Aufklärung, zusammen mit Diderot der Herausgeber der Encyclopédie: „Es haben so viele mittelmäßige Leute und auch so viele Toren geschrieben, dass man im Allgemeinen eine große Büchersammlung, von welcher Art sie auch immer sein mag, als eine Sammlung von Denkschriften über die Geschichte der Verblendung und Torheit der Menschen betrachten kann, und so könnte man über den Eingang aller großen Bibliotheken die folgende philosophische Inschrift anbringen: Narrenhäuser des menschlichen Geschlechts.“
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin, Aphoristikerin, aus ihren Aphorismen: „Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren unübersetzbaren Worten.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von ihr.)
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin, Aphoristikerin, aus ihren Aphorismen: „Ein Aphorismus ist der letzte Ring einer langen Gedankenkette.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von ihr.)
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin, Aphoristikerin, aus ihren Aphorismen: „Manuskripte vermodern im Schranke oder reifen darin.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von ihr.)
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin, Aphoristikerin, in: Aphorismen: „Jeder Dichter und alle ehrlichen Dilettanten schreiben mit ihrem Herzblute, aber wie diese Flüssigkeit beschaffen ist, darauf kommt es an.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von ihr.)
Eilers, Alexander, in Aber-Witz: „Lyrik ist Logopädie im Zeitalter der Sprachlosigkeit.“
Es war die evolutionäre Idee des Humanum, zu :normal">fühlen - und über dieses Fühlen Bewusstheit zu erlangen. Doch die Tragik des Empfindsamen ist seine Empfindlichkeit: je mehr es wahrnimmt, desto unsagbarer wird es ihm. Diese Unaussprechlichkeit - „ein Stammeln, das mehr mitzuteilen weiß, als jedes Reden“, wie der österreichische Religionsphilosoph Martin Buber (1878-1965) sagte.
Euripides (480 v. Chr. - 406 v. Chr.), klassischer griechischer Tragödiendichter; von seinen 90 Dramen sind lediglich 18 erhalten, in: Hekabe, 1238, Chor: „Die gute Sache gibt auch Stoff und Kraft/ zu guten Reden allezeit den Sterblichen.“
Feuchtersleben, Ernst von (Ernst Maria Johann Karl Freiherr von Feuchtersleben, 1806-1849), österreichischer Popularphilosoph, Arzt, Lyriker und Essayist, in: Blätter aus dem Tagebuch eines Einsamen: „Je tiefer man in ein lebendig Ganzes, sei es nun ein Mensch, Kunstwerk oder Buch, einzugehen das Glück hat, desto tiefer fühlt man die Unzulänglichkeit des Redens. Die Worte geben nicht den Sinn, sie umgeben ihn nur.“
Feuchtersleben, Ernst von (Ernst Maria Johann Karl Freiherr von Feuchtersleben, 1806-1849), österreichischer Popularphilosoph, Arzt, Lyriker und Essayist, in: Sämtliche Werke, Bd. 3: „Bücher sind Brillen, durch welche die Welt betrachtet wird; schwachen Augen freilich nötig, zur Stütze, zur Erhaltung. Aber der freie Blick ins Leben erhält das Auge gesünder.“
Feuchtersleben, Ernst von (Ernst Maria Johann Karl Freiherr von Feuchtersleben, 1806-1849), österreichischer Popularphilosoph, Arzt, Lyriker und Essayist, in: Sämtliche Werke, Bd. 5: „Jeder lernt nur, was er im Tiefsten schon weiß; sodass man, im unmutigen Momente, alles Schreiben für eitel erklären möchte: Denn wer Dich versteht, braucht dich nicht, und wer dich brauchte, versteht dich nicht.“
Feuerbach, Ludwig (1804-1872), deutscher Philosoph, Schüler Georg Friedrich Wilhelm Hegels, in: Grundsätze der Philosophie: „Das Sein, gegründet auf lauter Unsagbarkeiten, ist darum selbst etwas Unsagbares. Jawohl, das Unsagbare. Wo die Worte aufhören, da fängt erst das Leben an, erschließt sich erst das Geheimnis des Seins.“
Feuerbach, Ludwig (1804-1872), deutscher Philosoph, Schüler Georg Friedrich Wilhelm Hegels, in Abälard und Heloise 2: „Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern vergrößert, desto geringer wird der Kreis von Menschen, an deren Umgang wir Geschmack finden.“
Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814), deutscher Philosoph, in: Reden an die deutsche Nation, 12: „Das heiligste Amt eines Schriftstellers ist dies, seine Nation zu versammeln und mit ihr über ihre wichtigsten Angelegenheiten zu beratschlagen.“ (Unter Beiwerke/Schriften-Archiv/Philosophie – Fichtes „Reden an die deutsche Nation“ in Vollständigkeit.)
Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814), deutscher Philosoph, in: Von der Sprachfähigkeit und dem Ursprunge der Sprache: „Bei allem, was Sprache heißen soll, wird schlechterdings nichts weiter beabsichtigt, als die Bezeichnung des Gedankens, und die Sprache hat außer dieser Bezeichnung ganz und gar keinen Zweck.“
Filmzitat, aus dem Film von 1985 „Wetherby - Die Gewalt vergessener Träume“, Buch und Regie: Sir David Hare, ‚John Morgan‘ alias Tim McInnerny: „… naja, ich weiß auch nicht … Ich kenne nur Goethe - und Zorn - und auch Rache - und das Böse - und Begierde. Für mich sind das viel bessere Wörter als Neurose und Psychologie und Paranoia. Diese alten Wörter - diese guten alten Wörter haben noch so etwas wie Überzeugungskraft - woran es dem modernen Sprachsystem heute völlig mangelt. Wir vergraben diese Wörter, diese einfachen Gefühle, wir vergaben sie immer tiefer und dieser ganze Überbau, aus dem unser Jahrhundert besteht, wird diese Gefühle nicht ausmerzen können.“
Flaubert, Gustave (1821-1880), französischer Schriftsteller und Romancier, an Louise Colet am 09.12.1852: „Der Verfasser soll in seinem Werke sein wie Gott im Weltall: Überall gegenwärtig und nirgends sichtbar.“
Flaubert, Gustave (1821-1880), französischer Schriftsteller und Romancier, in: Madame Bovary: „Aber ist es nicht oft so, dass ein übervolles Herz mit den banalsten Worten nach Ausdruck sucht? Und vermag denn jemand genau zu sagen, wie groß sein Wünschen und Wollen, seine Innenwelt, seine Schmerzen sind? Des Menschen Wort ist wie eine gesprungene Pauke, auf der wir eine Melodie heraustrommeln, nach der kaum ein Bär tanzt, während wir die Sterne bewegen möchten.“
Forrester, Viviane (1925-2013), französische Schriftstellerin, Essayistin, Literaturkritikerin, in: Der Terror der Ökonomie, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1989, S. 206: „Das Risiko der Klarheit einzugehen, das Risiko einzugehen, die Dinge zunächst einmal nur festzustellen, ist … das einzige Verhalten, das unsere Zukunft schützt, indem es sich der Gegenwart stellt.“
France, Anatole (1844-1924), französischer Schriftsteller, Literaturnobelpreis 1921, in: Die rote Lilie: „Bücher sind immer langweilig. Aber die Menschen sind noch langweiliger - und dabei viel anspruchsvoller.“
Friedell, Egon (eigentlich: Egon Friedmann, 1878-1938), österreichisches Universalgenie: Journalist, Schriftsteller, Dramatiker, Kulturphilosoph, Theaterkritiker, Schauspieler, Kabarettist, Conférencier; sein bedeutendstes Werk: „Kulturgeschichte der Neuzeit“: „Die Aufgabe des großen Philosophen besteht nicht darin, korrekt zu schließen, sondern die Stimme seiner Zeit zu sein, das Weltgefühl seiner Epoche in ein System zu bringen.“
Friedell, Egon (eigentlich: Egon Friedmann, 1878-1938), österreichisches Universalgenie: Journalist, Schriftsteller, Dramatiker, Kulturphilosoph, Theaterkritiker, Schauspieler, Kabarettist, Conférencier; sein bedeutendstes Werk: „Kulturgeschichte der Neuzeit“: „Eine Dichtung ist nichts anderes als eine Aufforderung an das Publikum, zu dichten. Je mehr Spielraum sie gewährt, je mehr Stellen sie offen läßt, desto bedeutender ist sie. In jedem Verstehen erwächst ihr ein neuer Dichter. Tausend Auffassungen sind möglich, und alle sind sie richtig.“
Friedell, Egon (eigentlich: Egon Friedmann, 1878-1938), österreichisches Universalgenie: Journalist, Schriftsteller, Dramatiker, Kulturphilosoph, Theaterkritiker, Schauspieler, Kabarettist, Conférencier; sein bedeutendstes Werk: „Kulturgeschichte der Neuzeit“: „Wir sind schließlich alle nur Plagiatoren des Weltgeistes, Sekretäre, die sein Diktat niederschreiben; die einen passen besser auf, die anderen schlechter: Das ist vielleicht der ganze Unterschied.“
Geißler, Horst Wolfram (1893-1983), deutscher Schriftsteller, in: Ein schwarzes und ein weißes: „Sie werden stets bemerken, daß auch das Leben für seine Geschichten nur selten einen ordentlichen Schluß zustande bringt. Mir scheint, es ist sich dieses Mangels an Talent bewußt und hat deshalb die Dichter erfunden, damit sie es besser machen und einen Sinn hineinbringen.“
Gibran, Khalil (1883-1931), libanesisch-amerikanischer Maler, Dichter und Philosoph, in: Sand und Schaum: „Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt. Wir fällen sie und verwandeln sie in Papier, um unsere Leere darauf auszudrücken.“
Gibran, Khalil (1883-1931), libanesisch-amerikanischer Maler, Dichter und Philosoph, in: Sand und Schaum: „Dichtung ist Anteil an Freude und Schmerz und Wunder, mit ein paar Zutaten aus dem Wörterbuch.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, an Friedrich Heinrich Jacobi, am 5.5.1786: „Ich habe eine solche Abneigung von allen literarischen Händeln, dass Raphael mir einen malen und Shakespeare ihn dramatisieren könnte, und ich würde mich kaum dran ergötzen.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, an Wilhelm Freiherr von Humboldt, 29.11.1801: „Nur leidet er gar zu sehr an den affectionibus juventutis, indem er sich ein äußerst heftig absprechendes Urteil erlaubt, das denn doch oft eine große Beschränktheit andeutet. Dieses schadet ihm nicht allein innerlich, indem es ihn für guten, fördernden Rat unempfänglich macht, wie ich bei verschiedenen Gelegenheiten bemerken können, teils äußerlich, in bezug auf die Gesellschaft, indem er sich, ganz ohne Not und Zweck, Widersacher, Feinde und strenge Richter aufregt.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Faust, Nacht, Faust zu Wagner, 1808: „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen, / Wenn es nicht aus der Seele dringt / Und mit urkräftigem Behagen / Die Herzen aller Hörer zwingt.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Faust, Vorspiel, Dichter: „Wenn die Natur des Fadens ewge Länge, / gleichgültig drehend, auf die Spindel zwingt, / wenn aller Wesen unharmonsche Menge / verdrießlich durcheinanderklingt: / Wer teilt die fließend immer gleiche Reihe / belebend ab, daß sie sich rhythmisch regt? / Wer ruft das Einzelne zur allgemeinen Weihe, / wo es in herrlichen Akkorden schlägt? / Wer läßt den Sturm zu Leidenschaften wüten? / Das Abendrot in ernstem Sinne glühn? / Wer schüttet alle schönen Frühlingsblüten / auf der Geliebten Pfade hin? / Wer flicht die unbedeutend-grünen Blätter / zum Ehrenkranz Verdiensten jeder Art? / Wer sichert den Olymp? Vereinet die Götter? / Des Menschen Kraft, im Dichter offenbart!“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Faust I, Nacht, Wagner: „Allein der Vortrag macht des Redners Glück.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Maximen und Reflexionen, Aus Kunst und Altertum, 1821: „Geschichte schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Maximen und Reflexionen, Nachlass, Über Literatur und Leben: „Was man mündlich ausspricht, muss der Gegenwart, dem Augenblick gewidmet sein; was man schreibt, widme man der Ferne, der Folge.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Maximen und Reflexionen: „Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Vermächtnis: „Edlen Seelen vorzufühlen ist wünschenswertester Beruf.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Zahme Xenien: „Die alten Sprachen sind die Scheiden, / darin das Messer des Geistes steckt.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, zu Eckermann 13.02.1831: „Wenn man eine Weile in der Welt gesehen hat, wie die gescheitesten Dinge mißlingen und das Absurdeste oft zu einem glücklichen Ziele führt, so kommt man wohl davon zurück, jemandem einen Rat erteilen zu wollen. Im Grunde ist es auch von dem, der einen Rat verlangt, eine Beschränktheit und von dem, der ihn gibt, eine Anmaßung. Man sollte nur Rat geben in Dingen, in denen man selber mitwirken will.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, zu Eckermann am 01.04.1827: „Ein Schauspieler sollte eigentlich auch bei einem Bildhauer in die Lehre gehen. So ist ihm, um einen griechischen Helden darzustellen, durchaus nötig, dass er die auf uns gekommenen antiken Bildwerke wohl studiert und sich die ungesuchte Grazie ihres Sitzens, Stehens und Gehens wohl eingeprägt habe.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, zu Eckermann am 29.01.1826: „Wenn einer singen lernen will, sind ihm alle diejenigen Töne, die in seiner Kehle liegen, natürlich und leicht. Die anderen aber, die nicht in seiner Kehle liegen, sind ihm anfänglich äußerst schwer. Um aber ein Sänger zu werden, muß er sie überwinden; denn sie müssen ihm alle zu Gebote stehen. Ebenso ist es mit einem Dichter. Solange er bloß seine wenigen subjektiven Empfindungen ausspricht, ist er noch keiner zu nennen; aber sobald er die Welt sich anzueignen und auszusprechen weiß, ist er ein Poet. Und dann ist er unerschöpflich und kann immer neu sein.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, zu Johann Daniel Falk am 14.06.1809: „Es ist etwas so Unnützes, so Müßiges, ich möchte fast sagen Geckenhaftes im Reden, dass man vor dem stillen Ernste der Natur und ihrem Schweigen erschrickt, sobald man sich ihr vor einer einsamen Felsenwand oder in der Einöde eines alten Berges gesammelt entgegenstellt.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, zu Riemer, 27.08.1808: „Nimmt man das Willkürliche aus dem Leben und Handlen und Verfahren hinweg, so hat man das Beste hinweggenommen.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „>Du hast nicht recht!< Das mag wohl sein;/ Doch das zu sagen ist klein;/ Habe mehr recht als ich! das wird was sein.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Hab nur den Mut, die Meinung frei zu sagen und ungestört!/ Es wird den Zweifel in die Seele tragen, dem, der es hört./ Und vor der Luft des Zweifels flieht der Wahn./ Du glaubst nicht, was ein Wort oft wirken kann.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Leider lässt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Wäre die Sprache nicht unstreitig das Höchste was wir haben, so würde ich Musik noch höher als Sprache und ganz zuoberst setzen.“
Graff, Sigmund (1898-1979), deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Aphoristiker: „Eine der schönsten Wendungen unserer Sprache lautet: >Werde mir nicht krank ...< Egoismus und rührendste Fürsorge ist untrennbar darin verschmolzen.“
Grillparzer, Franz (1791-1872), österreichischer Nationaldichter, in: Ein treuer Diener seines Herrn IV, Königin: „Ein lebend Wort gilt hundert tote Zeilen.“
Grillparzer, Franz (1791-1872), österreichischer Nationaldichter, in: Ästhetische Studien, 1838: „Der Geist der Poesie ist zusammengesetzt aus dem Tiefsinn des Philosophen und der Freude des Kindes an bunten Bildern.“
Grillparzer, Franz (1791-1872), österreichischer Nationaldichter: „Das ist das Unglück der Deutschen als Schriftsteller, dass keiner sich mit seiner eigenen Natur hervorwagt. Jeder glaubt, er müsse mehr sein, als er ist.“
Grillparzer, Franz (1791-1872), österreichischer Nationaldichter: „Die Kraft des Stils liegt in der Überzeugung, und oft werden Unbehilflichkeiten des Ausdrucks zu Schönheiten, weil man merkt, dass der Verfasser den Inhalt lebhaft gefühlt.“
Günderode, Karoline von (Karoline Friederike Louise Maximiliane von Günderode, 1780-1806), deutsche Dichterin der Romantik, in: Briefe zweier Freunde: „Denn abgeschlossen sind wir durch enge Verhältnisse von der Natur, durch engere Begriffe vom wahren Lebensgenuss, durch unsere Staatsformen von aller Tätigkeit im Großen. So fest umschlossen ringsum bleibt uns nur übrig, den Blick hinauf zu richten zum Himmel oder brütend in uns selbst zu wenden. Sind nicht beinahe alle Arten der neuern Poesie durch diese unsere Stellung bestimmt? Liniengestalten entweder, die körperlos hinaufstreben, im unendlichen Raum zu zerfließen, oder bleiche, lichtscheue Erdgeister, die wir grübelnd aus der Tiefe unsers Wesens heraufbeschwören; aber nirgends kräftige, markige Gestalten.“
Hablé, Elfriede (*1934), österreichische Aphoristikerin und Instrumentalsolistin: „Fehlender Humor ist oft der einzige Witz.“
Haug, Johann Christoph Friedrich (1761-1829), deutscher Beamter, Lyriker und Epigrammist, in: Epigrammatische Spiele 4, 11: „Ein gutes Buch ist mir ein wahrer Schatz. / In Nöten dient es als Versatz.“
Hayes, Helen (Helen Hayes Brown, 1900-1993), US-amerikanische Film- und Bühnenschauspielerin: „Von seinen Eltern lernt man laufen. Doch erst beim Lesen entdeckt man, dass man Flügel hat.“
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern, 1843-1847, Nr. 3306: „Alles Sprechen und Schreiben heißt würfeln um den Gedanken. Wie oft fällt nur ein Auge, wenn alle sechs fallen sollten.“
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern 1835-1843, Nr. 1459: „Die Poesie soll alle Strahlen des Menschen, dieser Nebelsonne, auffangen, sie verdichtet auf ihn zurückleiten und ihn so durch sich selbst erwärmen.“
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern 1843-1847, Nr. 3140: „Ahnung und alles, was damit zusammenhängt, existiert nur in der Poesie, deren eigentliche Aufgabe darin besteht, das verknöcherte All wieder flüssigzumachen, und die vereinzelten Wesen, die in sich selbst erfrieren, durch geheime Fäden wieder zusammenzuknüpfen, um so die Wärme von dem einen zum anderen hinüberzuleiten.“
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in seinen Tagebüchern: „Das Drama schildert den Gedanken, der Tat werden will durch Handeln und Dulden.“
Hebbel, Christian Friedrich (1848-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern 1835-1843, Nr. 111: „Gefühl ist das unmittelbar von innen herauswirkende Leben. Die Kraft, es zu begrenzen und darzustellen, macht den lyrischen Dichter.“
Hebbel, Christian Friedrich (1848-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern 1843-1847, Nr. 5432: „Man kann sich aufs Dichten so wenig vorbereiten, wie aufs Träumen.“
Hebbel, Christian Friedrich (1848-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern 1843-1847, Nr. 5494: „Schreiben heißt Bleigießen.“
Heidegger, Martin (1889-1976), deutscher Philosoph, Begründer der Fundamentalontologie, hat in seiner Philosophie z. B. auch auf den Sprachverlust in der technisch-wissenschaftlichen Welt von heute verwiesen...
Heine, Heinrich (1797-1856), deutscher Nationaldichter, Schriftsteller und Journalist, in seinen Memoiren: „Die Neger am Senegal versichern steif und fest, die Affen seien Menschen ganz wie wir, jedoch klüger, indem sie sich des Sprechens enthalten, um nicht als Menschen erkannt und zum Arbeiten gezwungen zu werden.“
Helvétius, Claude Adrien (nicht latinisiert: Claude Adrien Schweitzer, 1715-1771), französischer Philosoph des Sensualismus und des Materialismus in der Entwicklungsepoche der Aufklärung, in: Vom Menschen: „Die originellen Bücher sind in der Nacht der Zeiten verstreut wie die Sonnen in den Einöden des Weltenraums, um ihre Dunkelheit zu erhellen.“
Herder, Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter, Theologe, Kultur- und Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung, in: Abhandlung über den Ursprung der Sprache: „Ein stummer Mensch, in dem Verstande, wie es die Tiere sind, der auch nicht in seiner Seele Worte denken könnte, wäre das traurigste, sinnloseste, verlassenste Geschöpf der Schöpfung und der größeste Widerspruch mit sich selbst! Im ganzen Universum gleichsam allein, an nichts geheftet und für alles da, durch nichts gesichert, und durch sich selbst noch minder, muss der Mensch entweder unterliegen oder über alles herrschen, mit Plan einer Weisheit, deren kein Tier fähig ist, von allem deutlichen Besitz nehmen oder umkommen! Sei nichts oder Monarch der Schöpfung durch Verstand! Zertrümmere oder schaffe dir Sprache! Und wenn sich nun in diesem andringenden Kreise von Bedürfnissen alle Seelenkräfte sammeln, wenn die ganze Menschheit, Mensch zu sein, kämpfet - wie viel kann erfunden, getan, geordnet werden!“
Herder, Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter, Theologe, Kultur- und Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung, in: Abhandlung über den Ursprung der Sprache: „Was sich bloß durchs dunkle Gefühl empfinden lässt, ist keines Worts für uns fähig, weil es keines deutlichen Merkmals fähig ist. Die Basis der Menschheit ist also, wenn wir von willkürlicher Sprache reden, unaussprechlich. Aber ist denn Basis die ganze Figur? Fußgestelle die ganze Bildsäule? Ist der Mensch seiner ganzen Natur nach denn eine bloß dunkel fühlende Auster? Lasset uns also den ganzen Faden seiner Gedanken nehmen: Da er von Besonnenheit gewebt ist, da sich in ihm kein Zustand findet, der im ganzen genommen nicht selbst Besinnung sei oder doch in Besinnung aufgeklärt werden könne, da bei ihm das Gefühl nicht herrschet, sondern die ganze Mitte seiner Natur auf feinere Sinne, Gesicht und Gehör fällt und diese ihm immerfort Sprache geben: so folgt, dass im ganzen genommen auch kein Zustand in der menschlichen Seele sei, der nicht wortfähig oder wirklich durch Worte der Seele bestimmt werde. Es müsste der dunkelste Schwärmer oder ein Vieh, der abstrakteste Götterseher oder eine träumende Monade sein, der ganz ohne Worte dächte. Und in der menschlichen Seele ist, wie wir selbst in Träumen und bei Verrückten sehen, kein solcher Zustand möglich. So kühn es klinge, so ist’s wahr: Der Mensch empfindet mit dem Verstande und spricht, indem er denket.“
Herder, Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter, Theologe, Kultur- und Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung: „Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheit ihres Geistes und ihrer Sprache raubt.“
Herrigel, Eugen Victor (1884-1955), deutscher Philosoph, Theologe, Autor, Anhänger des japanischen Bogenschießens, Praktizierender des Zen, in Vorrede der Sammlung seiner Schriften: Der Zen-Weg: „An und für sich ist das Wort weniger als der Gedanke, der Gedanke weniger als die Erfahrung. Das Wort ist Filtrat, und was sich darin niederschlägt, ist des Besten beraubt. Platon im 7. Brief: Ein ernsthafter Mann, der sich mit ernsthaften Dingen beschäftigt, sollte nicht schreiben.“
Hesse, Hermann Karl (1877-1962), deutschsprachiger Schriftsteller, Dichter, Maler, Literaturnobelpreis 1946: „Erinnerung ist eine Form der Begegnung.“
Heyking, Elisabeth von (1861-1925), deutsche Schriftstellerin und Diplomatenfrau, in ihrem anonym erschienenen Bestseller: Briefe, die ihn nicht erreichten: „Warum habe ich Ihnen so lange nicht geschrieben? Ich könnte sagen, dass es mir an Zeit gefehlt. Das wäre aber nicht wahr. Ein dunkles Gefühl hat mich davon zurückgehalten, das ich mir selbst kaum zu erklären vermag. Eine Scheu. Eine letzte Loyalität, die Schweigen heißt. [...] Denn es gibt Anlässe, wo man sich unwillkürlich ins Banale rettet, weil es eine Hülle ist, eine breite wohl ausgetretene Straße, an deren Richtigkeit von anderen nie gezweifelt wird. Man bleibt damit dicht an der gehärteten Oberfläche des eigenen Wesens, enthüllt nichts, was zum inneren Ich gehört. Um aber zu den eigentlichen wahren Empfindungen zu gelangen, muss man in die Tiefen des Herzens greifen, und davor graut uns, wissen wir doch nie, was wir in ihnen finden werden.“
Hilty, Carl (1833-1909), Schweizer Staatsrechtler, Mitglied des Schweizer Nationalrates, Laientheologe: „Namentlich die ganz guten Bücher, die unbestritten zum unsterblichen Geisteserbe der Menschheit gehören, wo immer möglich, selbst zu besitzen, sollte man sich zur Pflicht und Ehre rechnen, wie man es sich zur Ehre rechnen würde, die besten Menschen seiner Zeit persönlich gekannt zu haben.“
Hobbes, Thomas (1588-1679), englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph, neben John Locke und Jean-Jacques Rousseau einer der bedeutendsten Theoretiker des Gesellschaftsvertrages und Begründer des ‚aufgeklärten Absolutismus‘, in: Grundzüge der Philosophie, Teil II, Lehre vom Menschen: „Eine dritte, und zwar die größte Wohltat der Sprache ist, dass wir befehlen und Befehle verstehen können. Denn ohne diese gäbe es keine Gemeinschaft zwischen den Menschen, keinen Frieden und folglich auch keine Zucht, sondern Wildheit; ohne Sprache würden die Menschen einsam leben und in Schlupfwinkeln jeder für sich hausen, nicht aber gesellig wohnen.“
Hobbes, Thomas (1588-1679), englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph, neben John Locke und Jean-Jacques Rousseau einer der bedeutendsten Theoretiker des Gesellschaftsvertrages und Begründer des ‚aufgeklärten Absolutismus‘, in: Grundzüge der Philosophie, Teil II, Lehre vom Menschen: „Endlich verführt die Fähigkeit zu sprechen den Menschen auch dazu, zu reden, wenn er überhaupt nichts denkt, und indem er, was er redet, für wahr hält, sich selbst zu täuschen. Das Tier kann sich nicht selbst täuschen. So wird der Mensch durch die Sprache nicht an sich besser, sondern nur mächtiger.“
Hofmannsthal, Hugo von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929), österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Fin de Siècle und der Wiener Moderne, im Brief an Josephine von Wertheimstein am 6. Juli 1893: „[...] ein ordentlicher Dichter ist doch nur der, der das Leben in seinen Büchern neu erschafft und besser als es ist, nicht moralisch besser, aber leuchtender, wärmer, lebendiger. An solchen Büchern kann man sich wärmen, wenn einen friert, die erfüllen den einen einzigen wirklichen Zweck der Kunst.“
Hofmannsthal, Hugo von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929), österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Fin de Siècle und der Wiener Moderne, in: Brief des Lords Chandos an Francis Bacon: „Die einzelnen Worte schwammen um mich; sie gerannen zu Augen, die mich anstarrten und in die ich wieder hineinstarren muss: Wirbel sind sie, in die hinabzusehen mich schwindelt, die sich unaufhaltsam drehen und durch die hindurch man ins Leere kommt.“
Hofmannsthal, Hugo von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929), österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Fin de Siècle und der Wiener Moderne, in: Das Gespräch über Gedichte: „Wenn die Poesie etwas tut, so ist es das: dass sie aus jedem Gebilde der Welt und des Traumes mit durstiger Gier sein Eigenstes, sein Wesenhaftestes herausschlürft, so wie jene Irrlichter in dem Märchen, die überall das Gold herauslecken. Und sie tut es aus dem gleichen Grunde: weil sie sich von dem Mark der Dinge nährt, weil sie elend verlöschen würde, wenn sie dies nährende Gold nicht aus allen Fugen, allen Spalten in sich zöge.“
Hofmannsthal, Hugo von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929), österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Fin de Siècle und der Wiener Moderne: „Dichter und Nichtdichter scheiden ist gerade so unmöglich, wie die sieben Regenbogenfarben trennen, oder sagen: Hier hört das Tier auf und hier fängt die Pflanze an. Was wir ‚Dichter‘ nennen, ist etwas willkürlich Abgegrenztes, wie gut und böse, warm und kalt.“
Hofmannsthal, Hugo von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929), österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Fin de Siècle und der Wiener Moderne: „Die Worte haben sich vor die Dinge gestellt; sie spinnen alles Leben vom Menschen ab, und wenn wir den Mund aufmachen, reden immer zehntausend Tote mit.“
Hofmannsthal, Hugo von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929), österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Fin de Siècle und der Wiener Moderne: „Für gewöhnlich stehen nicht die Worte in der Gewalt der Menschen, sondern die Menschen in der Gewalt der Worte.“
Hofmannsthal, Hugo von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929), österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Fin de Siècle und der Wiener Moderne: „Und in dem WIE, / da liegt der ganze Unterschied.“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Alles, was nicht Eigenes ist, ist gestohlen./ Was ist Eigenes? Das voll, das in jedem Teil Verantwortete./ Denn die Worte, und sogar die Wörter, sind eben keineswegs jedermanns Sache wie die Luft; sie sind von jemand geschaffen worden und dem gehören sie, gehören sie allein, so lange, bis ein anderer sie erkauft. Das Lösegeld ist: volle Notwendigkeit. Wenn du, ohne diesen Preis gezahlt zu haben, Worte gebrauchst, hast du sie gestohlen. ... Die ganze Kunst des Schreibens besteht darin, dass man kein Wort verwendet ohne volle Verantwortung.“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Das gut Geschriebene./ Nicht nachgeben vor dem Buchstaben, sondern sich durchsetzen -, bis zum Leben. ... Was ist >das Leben<? Das Zubehör-lose; das, was genau das ist, was es will./ An diesem Ort das Leben haben - statt wie die andern an andern Orten, in >Beruf<, Geld, Beischlafen usw. -, kein anderes Leben als die Millionen alle Tage haben, nur statt außen im Geschriebenen es haben: das ist das ganze Geheimnis, alles, worauf es ankommt, mehr gibt es nicht.“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Wenn du nie gefühlt hast, dass du nie stirbst, dann hast du freilich nicht mitzureden. - Das ist die äußerste und innerste, die strengste und zugleich allgemeinste Norm für alles Schreiben. Wer nie gesehen hat, dass er ewig ist, hat nichts zu reden. - ... Wer aber nie erkannte, dass er sterben wird, auch nicht.“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Alles übertreffend Goethes >Sprüche in Prosa<. Dieses unsäglich weite (weit strahlende), milde Licht! - Raum, Schärfe und Liebe gleicherweise da. - Sonst, bei ähnlichen Arbeiten, muss man froh sein, wenn sie Schärfe haben. Oder Raum haben. Liebe allein können sie nicht haben./ Diejenigen Bücher, die man immer um sich haben sollte sind (fünf): Ethik von Spinoza; Faust von Goethe; Sprüche und Diwan von Goethe; Essays von Montaigne; Lichtenberg (kleine Stücke).“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Arbeit ist immer ein Inneres; und immer muss sie nach einem Außen gerichtet sein. Tätigkeit, die nicht nach einem Außen gerichtet ist, ist keine Arbeit; Tätigkeit, die nicht ein inneres Geschehen ist, ist keine Arbeit./ Alles Arbeiten muss sich dem Außen zuwenden: Wenn es sich aber um innere Stoffe, innere Gebiete der Arbeit handelt? Dann immer dem relativen Außen, in diesem Innern wieder dem Außen. (So ist das Klare dem Unklaren gegenüber ein Außen, der Gedanke der Ahnung gegenüber, das gesprochene Wort dem Gedanken gegenüber, das geschriebene dem gesprochenen gegenüber).“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Die mancherlei Einteilungen der Wortkunst  - wie: in ‚Roman‘, ‚Novelle‘, ‚Erzählung‘, ‚Essay‘, usf. - und die damit zusammenhängenden Untersuchungen und Wertsetzungen haben mich seit Jahren immer weniger zu interessieren vermocht; ihre Fruchtbarkeit, die geistige Folge, die sie haben können, schien mir mehr und mehr infrage zu stehen. Mögen diese gelehrten Untersuchungen und Abgrenzungen an manchen Orten und zu manchen Zeiten eine gewisse, vielleicht nur rein praktische Bedeutung gehabt haben oder haben -: Was sind sie vor der Tiefe, der lebendigen Wirklichkeit der Goetheschen Unterscheidung und Gegenüberstellung dieser drei Elemente des Kunstwerks: Stoff; Gehalt; Form!/ - Wo Form ist, ist immer auch Gehalt, ist immer auch Stoff. Der Dichter braucht sich also durchaus nicht um Stoff, ja nicht einmal um Gehalt zu kümmern; er wende sich allein der Form zu; durch das, was er hier erreicht, erreicht er alles. ...“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Die Vokale sind Veräußerlichungen, sie schneiden dem wahren Lebendigen den Weg ab. Die Konsonanten sind Wände, sie ermöglichen den Innenraum.“
Hubbard, Elbert Green (1856-1915), amerikanischer Schriftsteller, Essayist, Philosoph, Verleger: „Die Ironie ist der Kaktus, der auf dem Grab unserer Illusionen wuchert.“
Humboldt, Wilhelm Freiherr von (1767-1835), Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann, Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von Humboldt, Briefe an eine Freundin, 21.08.1827: „Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache. Sie bestimmt die Sehnsucht danach, und die Entfernung vom Heimischen geht immer durch die Sprache am schnellsten.“
Humboldt, Wilhelm Freiherr von (1767-1835), Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann, Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von Humboldt, in: Briefe an eine Freundin, 02.02.1835: „Selbstbiographien sind nur dann wahrhaft lehrreich, wenn sie eine große Anzahl von Tatsachen enthalten.“
Humboldt, Wilhelm Freiherr von (1767-1835), Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann, Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von Humboldt, in: Briefe an eine Freundin, 04.12.1830: „Ich finde und habe immer gefunden, daß sich ein Buch gerade vorzugsweise zu einem freundschaftlichen Geschenk eignet. Man liest es oft, man kehrt oft dazu zurück, man naht sich ihm aber nur in ausgewählten Momenten, braucht es nicht wie eine Tasse, ein Glas, einen Hausrat in jedem gleichgültigen Augenblick des Lebens und erinnert sich so immer des Freundes im Augenblick eines würdigen Genusses.“
Huxley, Aldous Leonard (1894-1963), britischer Schriftsteller (1932: „Schöne neue Welt“), in: Geblendet in Gaza: „Es sollte ein Verfahren geben zum Chemischreinigen und Desinfizieren von Wörtern: Liebe, Reinheit, Güte, Geist - ein Haufen Schmutzwäsche, der auf die Wäscherin wartet.“
Joubert, Joseph (1754-1824), französischer Moralist: „Zeichnung ist Sprache für die Augen, Sprache Malerei für das Ohr.“
Jüdische Spruchweisheit: „Des Menschen Denk- und Ausdrucksweise verrät dir seine Herkunft.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, im Brief an Oskar Pollak am 27. Januar 1904: „Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Das glaube ich.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in: Betrachtung über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg: „Die Sprache kann für alles außerhalb der sinnlichen Welt nur andeutungsweise, aber niemals auch nur annähernd vergleichsweise gebraucht werden, da sie, entsprechend der sinnlichen Welt, nur vom Besitz und seinen Beziehungen handelt.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in: Brief an Felice Bauer, 18/19. Februar 1913: „Ich bin nicht der Meinung, dass einem jemals die Kraft fehlen kann, das, was man sagen oder schreiben will, auch vollkommen auszudrücken. Hinweise auf Schwäche der Sprache oder Vergleiche zwischen der Begrenztheit der Worte und der Unendlichkeit des Gefühls sind ganz verfehlt. Das unendliche Gefühl bleibt in den Worten genau so unendlich, wie es im Herzen war. Das, was im Innern klar ist, wird es auch unweigerlich in Worten. Deshalb muss man niemals um die Sprache Sorge haben, aber im Anblick der Worte oft Sorge um sich selbst. Wer weiß denn aus sich selbst heraus, wie es um einen steht. Dieses stürmische oder sich wälzende oder sumpfige Innere sind ja wir selbst, aber auf dem im geheimen sich vollziehenden Weg, auf dem die Worte aus uns hervorgetrieben werden, wird die Selbsterkenntnis an den Tag gebracht, und wenn sie auch noch immer verhüllt ist, so ist sie doch vor uns und ein herrlicher oder schrecklicher Anblick.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in einem Brief an Felice Bauer, am 14./15. Januar 1913: „Einmal schriebst Du, Du wolltest bei mir sitzen, während ich schreibe; denke nur, da könnte ich nicht schreiben [...]. Schreiben heißt ja sich öffnen bis zum Übermaß; die äußerste Offenherzigkeit und Hingabe, in der sich ein Mensch im menschlichen Verkehr schon zu verlieren glaubt und vor der er also, solange er bei Sinnen ist, immer zurückscheuen wird - denn leben will jeder, solange er lebt - diese Offenherzigkeit und Hingabe genügt im Schreiben bei Weitem nicht. Was von dieser Oberfläche ins Schreiben hinübergenommen wird [...] ist nichts und fällt in dem Augenblick zusammen, in dem ein wahres Gefühl diesen obern Boden zum Schwanken bringt. Deshalb kann man nicht genug allein sein, wenn man schreibt, deshalb kann es nicht genug still um einen sein, wenn man schreibt, die Nacht ist noch zu wenig Nacht. Deshalb kann nicht genug Zeit einem zur Verfügung stehn, denn die Wege sind lang, und man irrt leicht ab, man bekommt sogar manchmal Angst und hat schon ohne Zwang und Lockung Lust zurückzulaufen [...], wie erst, wenn man unversehens einen Kuss vom liebsten Mund bekäme!“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in einem Brief an Felice Bauer, am 26. Juni 1913: „Ich brauche zu meinem Schreiben Abgeschiedenheit, nicht ‚wie ein Einsiedler‘, das wäre nicht genug, sondern wie ein Toter. Schreiben in diesem Sinne ist ein tieferer Schlaf, also Tod, und so wie man einen Toten nicht aus seinem Grabe ziehen wird und kann, so auch mich nicht vom Schreibtisch in der Nacht.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in einem Brief an Milena Jesenská, Ende März 1922: „Die leichte Möglichkeit des Briefeschreibens muss - bloß theoretisch angesehn - eine schreckliche Zerrüttung der Seelen in die Welt gebracht haben. Es ist ja ein Verkehr mit Gespenstern, und zwar nicht nur mit dem Gespenst des Adressaten, sondern auch mit dem eigenen Gespenst, das sich einem unter der Hand in dem Brief, den man schreibt, entwickelt oder gar in einer Folge von Briefen, wo ein Brief den andern erhärtet und sich auf ihn als Zeugen berufen kann. Wie kam man nur auf den Gedanken, dass Menschen durch Briefe miteinander verkehren können! Man kann an einen fernen Menschen denken und man kann einen nahen Menschen fassen, alles andere geht über Menschenkraft. Briefe schreiben aber heißt, sich vor den Gespenstern entblößen, worauf sie gierig warten. Geschriebene Küsse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den Gespenstern auf dem Wege ausgetrunken. Durch diese reichliche Nahrung vermehren sie sich ja so unerhört. Die Menschheit fühlt das und kämpft dagegen, sie hat, um möglichst das Gespenstische zwischen den Menschen auszuschalten, und den natürlichen Verkehr, den Frieden der Seelen zu erreichen, die Eisenbahn, das Auto, den Aeroplan erfunden, aber es hilft nichts mehr, es sind offenbar Erfindungen, die schon im Absturz gemacht werden, die Gegenseite ist soviel ruhiger und stärker, sie hat nach der Post den Telegrafen erfunden, das Telefon, die Funkentelegrafie. Die Geister werden nicht verhungern, aber wir werden zugrunde gehn.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller: „Ein Buch muss uns als Axt dienen für das zugefrorene Meer in unserem Inneren.“
Kaléko, Mascha (1907-1975), jüdische, in Galizien geborene deutschsprachige Lyrikerin: „Mein schönstes Gedicht?/ Ich schrieb es nicht./ Aus tiefsten Tiefen stieg es./ Ich schwieg es.“
Kant, Hermann (*1926), deutscher Schriftsteller, in: „Wie ich lesen lernte“: „Literatur ändert uns, weil sie uns zu Abenteuern holt, die wir ohne Änderung nicht bestehen können.“
Kant, Immanuel (1724-1804), deutscher Philosoph, in: Anthropologie: „Dichtkunst ist ein Spiel der Sinnlichkeit, durch den Verstand geordnet, Beredsamkeit ein Geschäft des Verstandes, durch Sinnlichkeit belebt.“
Kant, Immanuel (1724-1804), deutscher Philosoph der Aufklärung: „Dichtkunst: ein Spiel der Sinnlichkeit, durch den Verstand geordnet.“
Kempis, Thomas a (1379/1380-1471), Augustiner, in: Nachfolge Christi I, 20: „Es ist leichter zu schweigen, als sich im Reden zu mäßigen.“
Kierkegaard, Søren (Søren Aabye Kierkegaard, 1813-1855), dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller, gilt als Wegbereiter des Existenzialismus, in: Entweder-oder: „Der ausgebildeten Sprache liegt die Reflexion zugrunde; deshalb vermag die Sprache nicht, das Unmittelbare auszusagen. Die Reflexion tötet das Unmittelbare; [...]. Das Unmittelbare ist nämlich das Unbestimmbare; darum kann die Sprache es nicht in sich aufnehmen.“
Kierkegaard, Søren (Søren Aabye Kierkegaard, 1813-1855), dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller, gilt als Wegbereiter des Existenzialismus, in: Entweder-Oder: „Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher Mensch, der heiße Schmerzen in seinem Herzen trägt, dessen Lippen aber so geartet sind, dass, während Seufzer und Geschrei ihnen entströmen, diese dem fremden Ohr wie schöne Musik ertönen.“
Kierkegaard, Søren (Søren Aabye Kierkegaard, 1813-1855), dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller, gilt als Wegbereiter des Existenzialismus: „Die Menschen scheinen die Sprache nicht empfangen zu haben, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, dass sie keine Gedanken haben.“
Klemperer, Victor (1881-1960), deutscher Romanist und Politiker jüdischer Herkunft, bedeutender Chronist der Zeit vor, während und nach der nationalsozialistischen Diktatur, in: LTI (Lingua Tertii Imperii = Sprache des Dritten Reiches): „Die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein - im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen.“
Konfuzius (latinisiert aus: Kong Fuzi oder Kung Fu Tse, 551-479), chinesischer Philosoph: „Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.“
Konfuzius (latinisiert aus: Kong Fuzi oder Kung Fu Tse, 551-479), chinesischer Philosoph: „Wenn die Namen nicht stimmen, sind die Worte nicht wahr.“ – Oder auch in dieser vollständigen Fassung: „Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist;/ ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande;/ kommen die Werke nicht zustande, so gedeihen Moral und Kunst nicht;/ gedeihen Moral und Kunst nicht, so trifft das Recht nicht;/ trifft das Recht nicht, so weiß die Nation nicht, wohin Hand und Fuß setzen;/ also dulde man keine Willkürlichkeit in den Worten;/ das ist es, worauf alles ankommt.“
Kraus, Karl (1874-1936), einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts; er trat als Dramatiker, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker hervor, als Sprach- und Kulturkritiker, Publizist, Förderer junger Autoren und war zudem ein exzellenter und scharfer Kritiker des Hetzjournalismus bzw. der Journaille, wie er es nannte, in: Ich bin der Vogel, der sein Nest beschmutzt, Aphorismen, Sprüche und Widersprüche: „Der Philosoph denkt aus der Ewigkeit in den Tag, der Dichter aus dem Tag in die Ewigkeit.“
Kraus, Karl (1874-1936), einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts; er trat als Dramatiker, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker hervor, als Sprach- und Kulturkritiker, Publizist, Förderer junger Autoren und war zudem ein exzellenter und scharfer Kritiker des Hetzjournalismus bzw. der Journaille, wie er es nannte, in: Ich bin der Vogel, der sein Nest beschmutzt, Aphorismen, Sprüche und Widersprüche: „Die Sprache tastet wie die Liebe im Dunkel der Welt einem verlorenen Urbild nach. Man macht nicht, man ahnt ein Gedicht.“
Kraus, Karl (1874-1936), einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts; er trat als Dramatiker, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker hervor, als Sprach- und Kulturkritiker, Publizist, Förderer junger Autoren und war zudem ein exzellenter und scharfer Kritiker des Hetzjournalismus bzw. der Journaille, wie er es nannte, in: Ich bin der Vogel, der sein Nest beschmutzt, Aphorismen, Sprüche und Widersprüche: „Man muss jedes Mal so schreiben, als ob man zum ersten und zum letzten Male schriebe. So viel sagen, als ob’s ein Abschied wäre, und so gut, als bestünde man ein Debüt.“
Kraus, Karl (1874-1936), einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts; er trat als Dramatiker, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker hervor, als Sprach- und Kulturkritiker, Publizist, Förderer junger Autoren und war zudem ein exzellenter und scharfer Kritiker des Hetzjournalismus bzw. der Journaille, wie er es nannte: „Bildung ist das, was die meisten empfangen, viele weitergeben und wenige haben.“
Kraze, Hanna-Heide (1920-2008), deutsche Schriftstellerin, Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, in: Im Regentropfen spiegelt sich die Welt, An der Hand der Mutter: „Es gibt kein menschenwürdiges Leben ohne innere Erneuerung und Bereicherung - es wird kein Mensch ohne LESEN.“
Kraze, Hanna-Heide (1920-2008), deutsche Schriftstellerin, Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, in: Im Regentropfen spiegelt sich die Welt, Ein Jubiläum: „Später erst, viele Jahre und Bitternisse später, lernte ich wissen um die Priorität des Inhalts und die erschöpfende Mühe des Schreibens; ohne Inhalt und ohne Verantwortung tragende Mühe ist das herrlichste Wort und das schönste Satzbild eine taube Nuss: ob sie auch kunstvoll vergoldet sein mag - sie mundet keinem.“
Lamartine, Alphonse de (1790-1869), französischer Schriftsteller und Politiker, in: Girondisten, Vorwort: „Die Dichtkunst ist die Erinnerung und die Ahnung der Dinge: Was sie feiert, ist noch nicht tot, was sie singt, lebt schon.“
Lenau, Nikolaus (N. Franz Niembsch, Edler von Strehlenau, 1802-1850), österreichischer Lyriker: „So tönt kein Lied in kummervollen Stunden, als wenn der Freund das rechte Wort gefunden.“
Leopardi, Giacomo Graf (1798-1837), italienischer Dichter, in: Das Gedankenbuch: „In die Worte schließen, schmelzen gleichsam die Ideen sich ein, wie Edelsteine in Ringe; ja, sie werden Fleisch in ihnen wie die Seele im Leib und machen sie sich zu eigen wie eine Person.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’, in: Aphorismen: „Mich dünkt immer, die ganz schlechten Schriftsteller sollte man immer in den gelehrten Zeitungen ungeahndet lassen; die gelehrten Zeitungsschreiber verfallen in den Fehler der Indianer, die den Orang-Utan für ihresgleichen und seine natürliche Stummheit für einen Eigensinn halten, von welchem sie ihn durch häufige Prügel vergeblich abzubringen suchen.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’, in: Schriften und Briefe, in einem Brief an Marija W. Kisseljowa am 14. Januar 1887: „[...] ein Schriftseller ist doch kein Konditor, kein Kosmetiker, kein Spaßmacher; er ist ein Mensch mit Pflichten, der sich dem Bewusstsein seiner Verpflichtung und seinem Gewissen gegenübergestellt sieht; [...] er ist verpflichtet, seinen Widerwillen zu bezwingen, seine Fantasie mit dem Schmutz des Lebens zu besudeln ... [...] Für die Chemiker gibt es auf Erden nichts Unsauberes. Der Schriftsteller muss genauso objektiv sein wir der Chemiker; er muss auf die Subjektivität des Alltags verzichten und muss wissen, dass die Misthaufen in der Landschaft eine sehr achtbare Rolle spielen und dass die bösen Leidenschaften dem Leben genauso eigen sind wie die guten.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’, in: Schriften und Briefe: „Eine seltsamere Ware als Bücher gibt es wohl schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen, und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’: „Die meisten Poeten kommen erst nach ihrem Tode zur Welt.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’: „Es ist keine Kunst, etwas kurz zu sagen, wenn man etwas zu sagen hat.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’: „Unsere meisten Ausdrücke sind metaphorisch. Es steckt in denselben die Philosophie unserer Vorfahren.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’: „Viele Spötter meinen reich an Geist zu sein und sind nur arm an Takt.“
Lindbergh, Anne Morrow (1906-2001), Flugpionierin, Schriftstellerin, Ehefrau, Kopilotin und Navigatorin des US-amerikanischen Piloten Charles A. Lindbergh: „Während wir sprechen, ändern sich die Dinge und entgleiten uns.“
Locke, John (1632-1704), englischer Philosoph, in: Versuch über den menschlichen Verstand, Drittes Buch, Über die Worte: „Da Gott den Menschen zu einem geselligen Wesen bestimmt hatte, so gab er ihm nicht bloß eine Neigung, ja Notwendigkeit, mit seinesgleichen zu verkehren, sondern versah ihn auch mit einer Sprache, welche das große Werkzeug und gemeinsame Band der Gesellschaft werden sollte. Der Mensch hat deshalb von Natur so eingerichtete Organe, dass er artikulierte Laute bilden kann, die Worte heißen. Doch reicht dies zur Sprache nicht hin; denn auch Papageien und anderen Vögeln kann das Bilden von artikulierten Lauten angelernt werden, obgleich sie auf keine Weise der Sprache fähig sind. [...] Es war also außerdem noch die Fähigkeit erforderlich, die Laute als Zeichen innerer Auffassungen zu gebrauchen und sie zu Zeichen von Vorstellungen zu machen, die anderen dadurch erkennbar würden, damit die Menschen ihre Gedanken einander mitteilen konnten.“
Locke, John (1632-1704), englischer Philosoph, in: Versuch über den menschlichen Verstand: „Viele Kinder schieben die in der Schule erlittenen Strafen auf die Bücher, wegen deren sie die Strafen bekommen hatten; es verbinden sich beide Vorstellungen so miteinander, dass jedes Buch sie anekelt und sie sich ihr ganzes Leben lang nicht zum Studium und Gebrauch der Bücher entschließen können.“
Lowell, James Russel (1819-1891), US-amerikanischer Dichter und Kritiker: „Habt ihr euch jemals überlegt, was die bloße Fähigkeit des Lesens bedeutet?“
Ludwig, Emil (1881-1948), deutsch-schweizerischer Schriftsteller und psychologischer Biograf: „Jeder, der redet, verschweigt etwas und meistens das Beste.“
Luxemburg, Rosa (1871-1919), bedeutende Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung, des Marxismus, Antimilitarismus und des „proletarischen Internationalismus“, in einem Brief an Hans Diefenbach am 12. Mai 1917: „Kann man ‚erklären‘, worin der Zauber des Lebens besteht, wenn es jemand nicht selbst aus den kleinsten und alltäglichen Dingen heraushört oder richtiger: in sich selbst trägt? Ich [...] bin der Meinung, dass schon viel zu viel Bücher geschrieben sind; vor lauter Literatur vergessen die Menschen auf die schöne Welt zu schauen.“
Luxemburg, Rosa (1871-1919), bedeutende Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung, des Marxismus, Antimilitarismus und des „proletarischen Internationalismus“, in einem Brief an Robert Seidel am 23. November 1898: „Ich weiß - die Welt ist ja eine andere, und andere Zeiten wollen andere Lieder haben. Aber eben ‚Lieder‘, unser Geschreibsel ist ja meistens kein Lied, sondern ein farbloses und klangloses Gesurr, wie der Ton eines Maschinenrades. Ich glaube, die Ursache liegt darin, dass die Leute beim Schreiben meistenteils vergessen, in sich tiefer zu greifen und die ganze Wichtigkeit und Wahrheit des Geschriebenen zu empfinden. Ich glaube, dass man jedes Mal, jeden Tag, bei jedem Artikel wieder die Sache durchleben, durchfühlen muss.“
Majakowski, Wladimir Wladimirowitsch (1893-1930), sowjetischer Dichter und führender Vertreter des russischen Zweigs des Futurismus: „Dichten ist wie Uran gewinnen: Arbeit ein Jahr, Ausbeute ein Gramm.“
Mann, Thomas (1875-1955), deutscher Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1929: „Das Wort, selbst das widersprechendste, ist so verbindend. Aber die Wortlosigkeit vereinsamt.“
Mann, Thomas (1875-1955), deutscher Schriftsteller, Romancier, Essayist, Nobelpreis 1929: „Ausdruck macht Eindruck.“
Marcuse, Ludwig (1894-1971), Philosoph, Literaturkritiker und Schriftsteller: „Manche Rezensenten können schreiben, aber nicht lesen.“
Maurier, Daphne du (1907-1989), britische Schriftstellerin: „Ein freundliches Wort kostet nichts und ist doch das schönste aller Geschenke.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer, in: Sprüche, Epigramme, Aphorismen, Notizen: „Ein Dichter muss 77mal als Mensch gestorben sein, ehe er als Dichter etwas wert ist.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer, in: Sprüche, Epigramme, Aphorismen, Notizen: „Erst das Wort reißt Klüfte auf, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Sprache ist in unsere Termini zerklüftete Wirklichkeit.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer, in: Stufen, Ethisches, 1907: „Es können nur einigermaßen gleiche Naturen ihrem ganzen Umfang einander erklären und abschätzen.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer: „Gespräch ist gegenseitige distanzierte Berührung.“
Morus, Thomas (engl. Thomas More, 1478-1535), englischer Staatsmann, humanistischer Autor, wird von der römisch-katholischen Kirche als Märtyrer und Heiliger verehrt, in: Utopia, Vorrede: „Man trifft auf so schiefe Urteile, daß derjenige sicher das bessere Teil erwählt, der lustig und heiter draufloslebt, als wer sich müht und quält, um etwas zu veröffentlichen, das andern entweder Nutzen oder Vergnügen spenden könnte. Sie rümpfen ja doch nur die Nase.“
Muller, Robert (1925-1998), deutscher Autor, Journalist, Philosoph, Pazifist, zuletzt stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen, in: Planet der Hoffnung: „Wenn ich am frühen Morgen meine Gedanken zu Papier bringe, erfüllt mich ein Gefühl von immenser Freude und Liebe. Das Schreiben kann eine Form des Gebets sein, eine Möglichkeit, Gott für das wunderbare Geschenk des Lebens zu danken.“
Muller, Robert (1925-1998), deutscher Autor, Journalist, Philosoph, Pazifist, zuletzt stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen, in: Planet der Hoffnung: „Zu schreiben bedeutet, sich selbst gegenüber absolut ehrlich zu sein. Dies ist die reinste Form des Lebens.“
Mörike, Eduard (1804-1874), deutscher lyrischer Dichter; seine Liebes- und Naturgedichte gehören zu den schönsten der deutschen Literatur, das Gedicht: Septembermorgen: „Im Nebel ruhet noch die Welt,/ noch träumen Wald und Wiesen./ Bald siehst Du, wenn der Schleier fällt,/ den blauen Himmel unverstellt,/ herbstkräftig die gedämpfte Welt,/ in warmem Golde fließen.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, im Nachlaß: Fragmente Ende 1874: „Sprechen- und Schreibenkönnen heißt frei werden: zugegeben, daß nicht immer das Beste dabei herauskommt; aber es ist gut, daß es sichtbar wird, daß es Wort und Farbe findet.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Jenseits von Gut und Böse, Neuntes Hauptstück, Was ist vornehm?: „Welche Sachen schreiben und malen wir denn ab, wir [...] Verewiger der Dinge, welche sich schreiben lassen. Was vermögen wir denn allein abzumalen? Ach, immer nur Das, was eben welk werden will und anfängt, sich zu verriechen! Ach, immer nur abziehende und erschöpfte Gewitter und gelbe späte Gefühle! Ach, immer nur Vögel, die sich müde flogen und verflogen und sich nun mit der Hand haschen lassen - mit unserer Hand! Wir verewigen, was nicht mehr lange leben und fliegen kann, müde und mürbe Dinge allein!“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Menschliches Allzumenschliches: Erstes Hauptstück, Von den ersten und letzten Dingen: „Die Bedeutung der Sprache für die Entwicklung der Kultur liegt darin, dass in ihr der Mensch eine eigene Welt neben die andere stellte, einen Ort, welchen er für so fest hielt, um von ihm aus die übrige Welt aus den Angeln zu heben und sich zum Herrn derselben zu machen.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Menschliches Allzumenschliches: Viertes Hauptstück, Aus der Seele der Künstler und Schriftsteller: „Jeden Schriftsteller überrascht es von Neuem, wie das Buch, sobald es sich von ihm gelöst hat, ein eigenes Leben für sich weiterlebt; es ist ihm zu Muthe, als wäre der eine Theil eines Insectes losgetrennt und ginge nun seinen eigenen Weg weiter. Vielleicht vergisst er es fast ganz, vielleicht erhebt er sich über die darin niedergelegten Ansichten, vielleicht selbst versteht er es nicht mehr und hat jene Schwingen verloren, auf denen er damals flog, als er jenes Buch aussann: währenddem sucht es sich seine Leser, entzündet Leben, beglückt, erschreckt, erzeugt neue Werke, wird die Seele von Vorsätzen und Handlungen - kurz: es lebt wie ein mit Geist und Seele ausgestattetes Wesen und ist doch kein Mensch.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Menschliches Allzumenschliches II, Der Wanderer und sein Schatten: „Bei einem längeren Gespräch wird auch der Weiseste einmal zum Narren und dreimal zum Tropf.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Unzeitgemäße Betrachtungen, IV, Richard Wagner in Bayreuth: „Überall ist hier die Sprache erkrankt, und auf der ganzen menschlichen Entwickelung lastet der Druck dieser ungeheuerlichen Krankheit. Indem die Sprache fortwährend auf die letzten Sprossen des ihr Erreichbaren steigen musste, um [...] das dem Gefühl Entgegengesetzte, das Reich des Gedankens zu erfassen, ist ihre Kraft durch dieses übermäßige Sich-Ausrecken in dem kurzen Zeitraume der neueren Zivilisation erschöpft worden: so dass sie nun gerade Das nicht mehr zu leisten vermag, wessentwegen sie allein da ist: um über die einfachsten Lebensnöte die Leidenden miteinander zu verständigen./ Der Mensch kann sich in seiner Not vermöge der Sprache nicht mehr zu erkennen geben, also sich nicht wahrhaft mitteilen: Bei diesem dunkel gefühlten Zustande ist die Sprache überall eine Gewalt für sich geworden, welche nun wie mit Gespensterarmen die Menschen fasst und schiebt, wohin sie eigentlich nicht wollen; sobald sie mit einander sich zu verständigen und zu einem Werke zu vereinigen suchen, erfasst sie der Wahnsinn der allgemeinen Begriffe, ja der reinen Wortklänge, und in Folge dieser Unfähigkeit, sich mitzuteilen, tragen dann wieder die Schöpfungen ihres Gemeinsinns das Zeichen des Sich-nicht-Verstehens, insofern sie nicht den wirklichen Nöten entsprechen, sondern eben nur der Hohlheit jener gewaltherrischen Worte und Begriffe: so nimmt die Menschheit zu allen ihren Leiden auch noch das Leiden der Konvention hinzu, das heißt des Übereinkommens in Worten und Handlungen ohne ein Übereinkommen des Gefühls.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist: „Jedes Wort ist ein Vorurteil.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist: „Wer sich tief weiß, bemüht sich um Klarheit. Wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um Dunkelheit.“
Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher Dichter und Essayist der Frühromantik, Philosoph, Jurist und Bergbauingenieur, in: Blüthenstaub, Vermischte Bemerkungen: „Die Kunst Bücher zu schreiben ist noch nicht erfunden. Sie ist aber auf dem Punkt, erfunden zu werden. Fragmente dieser Art sind literarische Sämereien. Es mag freilich manches taube Körnchen darunter sein - indes wenn nur einiges aufgeht.“
Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher Dichter und Essayist der Frühromantik, Philosoph, Jurist und Bergbauingenieur, in: Blüthenstaub, Vermischte Bemerkungen: „Unsre Sprache ist entweder - mechanisch - atomistisch - oder dynamisch. Die echt poetische Sprache soll aber organisch lebendig sein. Wie oft fühlt man die Armut an Worten - um mehrere Ideen mit Einem Schlage zu treffen.“
Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher Dichter und Essayist der Frühromantik, Philosoph, Jurist und Bergbauingenieur, in: Blüthenstaub, Vermischte Bemerkungen: „Vielen wahren Büchern geht es wie den Goldklumpen in Irland. Sie dienen lange Jahre nur als Gewichte.“
Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher Dichter und Essayist der Frühromantik, Philosoph, Jurist und Bergbauingenieur, in: Blüthenstaub: „Die Bezeichnung durch Töne und Striche ist eine bewundernswürdige Abstraktion. Vier Buchstaben bezeichnen mir Gott; einige Striche eine Million Dinge. Wie leicht wird hier die Handhabung des Universums, wie anschaulich die Konzentrizität des Geisterreichs. Ein Kommandowort bewegt Armeen; das Wort Freiheit Nationen.“
Novalis (oder auch: Georg Friedrich Phillip Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher frühromantischer Schriftsteller, Philosophen und Bergbauingenieur: „Man sucht mit der Poesie, die gleichsam nur das mechanistische Instrument dazu ist, innere Stimmungen und Gemälde oder Anschauungen hervorzubringen - vielleicht auch geistige Tänze.“
Novalis (oder auch: Georg Friedrich Phillip Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher frühromantischer Schriftsteller, Philosophen und Bergbauingenieur: „Poesie ist die Darstellung des Gemüts - der inneren Welt in ihrer Gesamtheit.“
Novalis (oder auch: Georg Friedrich Phillip Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher frühromantischer Schriftsteller, Philosophen und Bergbauingenieur: „Poesie ist die große Kunst der Konstruktion der transzendentalen Gesundheit. Der Poet ist also der transzendentale Arzt.“
Novalis, oder auch: Georg Friedrich Phillip Freiherr von Hardenberg (1772-1801), deutscher frühromantischer Schriftsteller, Philosophen und Bergbauingenieur: „Poesie = Gemütserregungskunst.“
Pascal, Blaise (1623-1662), französischer Religionsphilosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler: „Das Letzte, was man findet, wenn man ein Werk schreibt, ist, zu wissen, was man an den Anfang stellen soll.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Clavis Fichtiana: „Da nicht in der Sprache, wie in der Mathematik, Identität des Zeichens und Objektes stattfindet, ja da die Worte nicht einmal Schattenbilder, [...] sondern willkürliche, nichts malende Schnupftuchsknoten der Besinnung sind: so ist für den Philosophen, der immer das Ei früher ausbläset als ausbrütet, die Sprache gerade ein unentbehrliches Werkzeug.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Levana I, 1, 2: „Ungleich dem Süden ist der Deutsche weniger ein redseliges als ein schreibseliges Volk, wie seine Registraturen und Bücherschränke ansagen.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Alles wahre Wunderbare ist für sich poetisch.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Solange ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglücklich sein.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Was man übersetzen kann, ist des Übersetzens nicht wert.“
Platon (latinisiert: Plato, 428-348), griechischer Philosoph, in: Protagoras 15, Protagoras: „Ein ähnliches Ziel verfolgen auch die Lehrer des Saitenspiels; denn ihre Absicht ist auf Maß und Sittsamkeit gerichtet, sowie darauf, dass die Knaben nicht auf falsche Wege geraten. Zudem legen sie ihnen, wenn sie das Zitherspielen erlernt haben, auch Werke von Dichtern vor, und zwar von lyrischen Dichtern, sie der Melodie anpassend. Die Lehrer versäumen nichts, um den Seelen der Knaben den Sinn für Takt und Harmonie fest einzuprägen, auf dass sie sanfter, taktvoller, und harmonischer werden und dadurch tauglicher zum Reden und Handeln.“
Pulitzer, Joseph (1847-1911), ungarisch-amerikanischer Journalist, Herausgeber und Zeitungsverleger, Stifter des nach ihm benannten Pulitzer-Preises: „Was immer Du schreibst:/ Schreibe kurz, und sie werden es lesen./ Schreibe klar, und sie werden es verstehen./ Schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.“
Rathenau, Walther (1867-1922), als deutscher Außenminister ermordet: „Das Lachen, dem vitalen Menschen ein reiner Naturlaut der Freude, ist dem Klugen nur eine Reaktion auf Witzempfindung. Das heißt: Auf schnell erkannte Inkongruenz in der Maske der Identität: Eine halbe Schadenfreude.“
Reiners, Ludwig (1896-1957), deutscher Kaufmann und Schriftsteller, in Stilkunst I, 5: „Durch bloßes Lesen erwirbt man kein Stilgefühl, sowenig wie man durch Spazierengehen in Bildergalerien das Malen lernt.“
Reiners, Ludwig (1896-1957), deutscher Kaufmann und Schriftsteller: „Niemand lernt schreiben, der nicht sehen gelernt hat.“
Renard, Jules (1864-1910), französischer linksorientierter Schriftsteller, in seinem Tagebuch vom 17. Oktober 1899: „Die Worte bilden so etwas wie ein Gewölbe über unseren unterirdischen Gedanken.“
Rich, Adrienne Cecile (1929-2012), US-amerikanische Feministin, Dichterin, Dozentin, Autorin: „Gelogen wird mit Worten und auch mit Stille.“
Richards, M. C.: „Poesie tritt oft durch das Fenster der Unwesentlichkeit ein.“
Rivarol, Antoine de (1753-1801), französischer Schriftsteller und Satiriker: „In den Wörterbüchern gibt es abgebrauchte Wörter, die auf den großen Schriftsteller warten, der ihnen ihre Energie zurückerstattet.“
Rivarol, Antoine de (1753-1801), französischer Schriftsteller und Satiriker: „Unter zehn Personen, die über uns sprechen, sagen uns neun Böses nach, und die einzige, die Gutes sagt, sagt es schlecht.“
Rotterdam, Erasmus von (1469-1536), bedeutender niederländischer Gelehrter des europäischen Humanismus, Philosoph, Theologe, Philologe und Autor zahlreicher Bücher: „Dort ist meine Heimat, wo ich meine Bibliothek habe.“
Roux, Joseph (wahrscheinlich der französische Kartograf, 1725-1793): „Die Wissenschaft ist für jene, die lernen; die Dichtkunst für jene, die wissen.“
Rückert, Friedrich (Pseudonym: Freimund Raimar oder Raimer, 1788-1866), deutscher Dichter, Übersetzer, Begründer der deutschen Orientalistik: „Mit jeder Sprache, die du erlernst, befreist / du einen bis daher in dir gebundenen Geist.“
Saint-Exupéry, Antoine de (1900-1944), französischer Schriftsteller und Pilot: „Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse.“
Schiller, Friedrich von (1759-1805), deutscher Dichter, Historiker, Philosoph, in: Die Jungfrau von Orleans I, 2, Karl: „Edle Sänger dürfen / nicht ungeehrt von meinem Hofe ziehn. / Sie machen uns den dürren Zepter blühn, / sie flechten den unsterblich grünen Zweig / des Lebens in die unfruchtbare Krone, / sie stellen herrschend sich den Herrschern gleich, / aus leichten Wünschen bauen sie sich Throne, / und nicht im Raume liegt ihr harmlos Reich. / Drum soll der Sänger mit dem König gehen, / sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen.“
Schiller, Friedrich von (1759-1805), deutscher Dichter, Historiker, Philosoph, in: Wallensteins Tod II, 2, Wallenstein: „Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort, / das schwer sich handhabt, wie des Messers Schneide. / Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck / der Dinge Maß, die nur sich selber richten.“
Schlegel, August Wilhelm von (1767-1845), deutscher Literaturhistoriker, Übersetzer, Schriftsteller, Indologe und Philosoph, gilt zusammen mit seinem Bruder Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel als Begründer der Romantik: „Literatur ist Unsterblichkeit der Sprache.“
Schlegel, Karl Wilhelm Friedrich von (1772-1829), deutscher Kulturphilosoph, Schriftsteller, Literatur- und Kunstkritiker, Historiker und Altphilologe, gilt zusammen mit seinem Bruder August Wilhelm von Schlegel als Begründer der Romantik, in: Kritische Fragmente: „Folgendes sind allgemeingültige Grundgesetze der schriftstellerischen Mitteilung: 1) Man muss etwas haben, was mitgeteilt werden soll; 2) man muss jemand haben, dem man’s mitteilen wollen darf; 3) man muss es wirklich mitteilen, mit ihm teilen können, nicht bloß sich äußern, allein; sonst wäre es treffender, zu schweigen.“
Schlegel, Karl Wilhelm Friedrich von (1772-1829), deutscher Kulturphilosoph, Schriftsteller, Literatur- und Kunstkritiker, Historiker und Altphilologe, gilt zusammen mit seinem Bruder August Wilhelm von Schlegel als Begründer der Romantik: „Die romantische Poesie ist eine progressive Universalphilosophie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen.“
Schnitzler, Arthur (1862-1931), österreichischer Erzähler und Dramatiker, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne, in: Aphorismen: „Wir reden um unsere Gedanken herum, weil wir keine Gedanken in Worten völlig auszudrücken vermögen, sonst wäre die Verständigung - mindestens zwischen Verständigen - längst erfolgt. Aber wir denken auch um die Worte herum, und das ist das Bedenkliche. Hätten wir die Kraft oder den Mut oder die Möglichkeit, von den Worten vollständig wegzudenken, wir wären weiter als wir sind.“
Schnitzler, Arthur (1862-1931), österreichischer Erzähler und Dramatiker, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne, in: Aphorismen: „Worte sind gewiss nicht alles, es gibt immer noch etwas zwischen den Worten, hinter den Worten - aber all dies Unaussprechliche bekommt ja erst einen Sinn dadurch, dass die Worte da sind, und durch die verschiedene Distanz, das verschiedene Verhältnis, das es eben zu den Worten hat.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph, in: Parerga und Paralipomena II, 23: „Zunächst ist die Wirkung eines Schriftstellers dadurch bedingt, daß er den Ruf erlangt, man müsse ihn lesen.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph, in: Parerga und Paralipomena II, 24, 295: „Neun Zehntel unserer ganzen jetzigen Literatur haben keinen anderen Zweck, als dem Publiko einige Taler aus der Tasche zu spielen. Dazu haben sich Autor, Verleger und Rezensent fest verschworen.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph, in: Parerga und Paralipomena II, Kapitel XXII, § 259: „Im Grunde haben nur die eigenen Grundgedanken Wahrheit und Leben: Denn nur sie versteht man recht eigentlich und ganz. Fremde, gelesene Gedanken sind die Überbleibsel eines fremden Mahles, die abgelegten Kleider eines fremden Gastes. Zum eigenen, in uns aufsteigenden Gedanken verhält der fremde, gelesene, sich wie der Abdruck einer Pflanze der Vorwelt im Stein zur blühenden Pflanze des Frühlings.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph: „Als die einfachste und richtigste Definition der Poesie möchte ich diese aufstellen: Daß sie die Kunst ist, durch Worte die Einbildungskraft ins Spiel zu versetzen.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph: „Lesen heißt, mit einem fremden Kopf statt dem eigenen zu denken. Nun ist aber dem eigenen Denken, aus welchem allemal ein zusammenhängendes Ganzes, ein, wenn auch nicht streng abgeschlossenes System sich zu entwickeln trachtet, nichts nachteiliger als ein vermöge beständigen Lesens zu starker Zustrom von Gedanken.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph: „Wenige schreiben, wie ein Architekt baut, der zuvor seinen Plan entworfen und bis ins einzelne durchdacht hat, vielmehr die meisten nur so, wie man Domino spielt.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph in: Parerga und Paralipomena II, Kapitel XXII, § 260: „Lesen ist ein bloßes Surrogat des eigenen Denkens. Man lässt dabei seine Gedanken von einem Andern am Gängelbande führen. Zudem taugen viele Bücher bloß, zu zeigen, wie viel Irrwege es gibt und wie arg man sich verlaufen könnte, wenn man von ihnen sich leiten ließe. Den aber der Genius leitet, d. h. der selbst denkt, freiwillig denkt, richtig denkt, - der hat die Bussole, den rechten Weg zu finden. - Lesen soll man also nur dann, wann die Quelle der eigenen Gedanken stockt; was auch beim besten Kopfe oft genug der Fall sein wird. Hingegen die eigenen, urkräftigen Gedanken verscheuchen, um ein Buch zur Hand zu nehmen, ist Sünde wider den heiligen Geist. Man gleicht alsdann dem, der aus der freien Natur flieht, um ein Herbarium zu besehen, oder um schöne Gegenden im Kupferstiche zu betrachten.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph, in: Parerga und Paralipomena II: „Alles wirkliche Dichten und Denken ist gewissermaßen ein Versuch, den kleinen Leuten einen großen Kopf aufzusetzen: kein Wunder, dass er nicht gleich gelingt.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph, in Aphorismen zur Lebensweisheit: „Man bestreite keines Menschen Meinung; sondern bedenke, dass wenn man alle Absurditäten, die er glaubt, ihm ausreden wollte, man Methusalems Alter erreichen könnte, ohne damit fertig zu werden.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph: „Schreibt ihr Plattheiten und Unsinn in die Welt, so viel es euch beliebt, das schadet nicht, denn es wird mit euch zu Grabe getragen; ja, schon vorher. Aber die Sprache lasst ungehudelt und unbesudelt: Denn die bleibt.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph: „Wer etwas Sagenswertes zu sagen hat, braucht es nicht in preziöse Ausdrücke, schwierige Phrasen und dunkle Anspielungen zu verhüllen; sondern er kann es einfach, deutlich und naiv aussprechen, und dabei sicher sein, dass es seine Wirkung nicht verfehlen wird.“
Schweitzer, Ludwig Philipp Albert (1875-1965), deutsch-französischer Arzt, evangelischer Theologe, Organist, Musiker, Schriftsteller, Philosoph und Pazifist, erhielt 1952 den Friedensnobelpreis, in: Aus meinem Leben und Denken 7: „Den Unterschied zwischen den beiden Sprachen empfinde ich derart, als ob ich mich in der französischen auf den wohlgepflegten Wegen eines schönen Parkes erginge, in der deutschen mich aber in einem herrlichen Walde herumtriebe.“
Seneca (Lucius Annaeus Seneca, um 4 v. Chr. - Freitod 65 n. Chr.), römischer Staatsmann, Naturforscher, Dramatiker, Philosoph und Stoiker, an Lucilius (2), des Empfängers der „Epistulae morales“: „Du wirst selber zugeben, daß das Lesen vieler Schriftsteller und der verschiedenartigsten Bücher vage und unstet macht.“
Seneca (Lucius Annaeus Seneca, um 4 v. Chr. - Freitod 65 n. Chr.), römischer Staatsmann, Naturforscher, Dramatiker, Philosoph und Stoiker, in: Vom glückseligen Leben: „Wozu unzählige Bücher und Büchersammlungen, von denen der Besitzer in seinem ganzen Leben kaum die Titelverzeichnisse liest? Die Masse ist für’s Lernen lästig, nicht fördernd; viel nützlicher ist es, mit wenigen Schriftstellern sich eingehend zu beschäftigen, als viele durchzublättern.“
Sirius, Peter: „Witz ist glitzernder Schaum der Oberfläche. Humor ist die Perle aus der Tiefe.“
Sloterdijk, Peter (*1947), deutscher Philosoph, Kulturwissenschaftler, Buchautor, in: Zeilen und Tage – Notizen 2008-2011: „Von der Volkskrankheit Depression spricht das Feuilleton jede Woche, während man über die Volkskrankheiten Bedeutungslosigkeit und Erfolglosigkeit wenig hört – vermutlich deswegen, weil diejenigen, die kompetent darüber schreiben könnten, selbst zu sehr daran leiden, als daß sie das Thema aufbringen wollten. Von dem depressiven Dreieck sieht man darum nur die Spitze, die durch die klinische Bezeichnung einen offiziellen Status erhalten hat. Von dem unterirdischen Teil erfährt man nur indirekt durch das Verhalten der Betroffenen im Umgang mit allem, was nicht bedeutungslos und erfolglos ist.“
Sokrates (469-399 v. Chr.), griechischer Philosoph, der das abendländische Denken bestimmend mitprägte: „Wenn du etwas weitersagen willst, so seihe es zuvor durch drei Siebe: Das erste lässt nur das Wahre hindurch. Das zweite lässt nur das Gute hindurch und das dritte lässt nur das Notwendigste hindurch. Was durch alle drei Siebe hindurchging, das magst du weitersagen.“
Sprichwort, Armenisches: „Auch die Tiere verstehen zärtliche Worte.“
Stifter, Adalbert (Pseudonym: Ostade, 1805-1868), österreichischer Schriftsteller, Maler und Pädagoge, zählt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeier, in: Der Waldbrunnen: „Und der Wald, wenn ihr in ihm herumgehen werdet, hat köstliche Dinge in sich. Da ist der ganze Boden, auf dem er steht, ein ungeheurer zerklüfteter Stein, ein Stein, der Hunderte von Meilen lang ist, viele Meilen breit und manche Meile tief. Er hat Risse und Spalten und Gänge und Öffnungen, in welche die Wurzeln der Bäume eindringen, und über welchen der schwarze Boden liegt, auf dem die Gräser und Blumen und Beeren des Waldes wachsen. Und das Wasser, welches von den Wolken des Himmels niederregnet, sinkt hinein und sinkt immer tiefer, und sinkt tiefer, und reinigt sich und sammelt sich in dem Steine wie in einem blanken Kruge, weil der Stein fest ist wie eine glatte Schale. Und dann quillt es irgendwo hervor und macht ein kleines Bächlein oder in der Steinmulde ein Brünnlein, so hellen Wassers, daß du nicht weißt, wo die Luft aufhört und das Wasser anfängt, und ein Wasserfädlein rinnt von der Mulde fort, und tausend Wasserfädlein rinnen, und überall rieselt es emsig und still, und das Rieselnde findet sich zusammen, und es rauscht dann in der Tiefe, und die vielen, vielen Bächlein gehen in die Länder hinab...“
Stifter, Adalbert (Pseudonym: Ostade, 1805-1868), österreichischer Schriftsteller, Maler und Pädagoge, zählt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeier: „Dichter gibt es sehr wenige auf der Welt; sie sind die hohen Priester, sie sind die Wohltäter des menschlichen Geschlechts; falsche Propheten aber gibt es sehr viele.“
Talleyrand-Périgord, Charles-Maurice de (1754-1838), französischer Staatsmann und Diplomat zurzeit der Französischen Revolution, der Napoleonischen Kriege und auf dem Wiener Kongress: „Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen.“
Tolstoi, Lew Nikolajewitsch Graf (1828-1910, nach gregorianischem Kalender), russischer Nationaldichter und Schriftsteller: „Jeder kommt auf seinem Wege zur Wahrheit, eins aber muss ich sagen: Was ich schreibe, sind nicht nur Worte, sondern ich lebe danach, darin ist mein Glück und damit werde ich sterben.“
Tschopp, Charles (1899-1982), Schweizer Schriftsteller: „Diskussion ist der Übungsplatz des Geistes.“
Tucholsky, Kurt (1890-1935), deutscher Journalist und Schriftsteller, schrieb auch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignatz Wrobel, in: Gesammelte Werke, Bd. 9: „Was ein richtiges Buch ist, das muss den ganzen Haushalt durcheinanderbringen: die Familie prügelt sich, wer es weiterlesen darf, die Temperatur ist beängstigend, und Mittag wird überhaupt nicht mehr gekocht.“
Twain, Mark (1835-1910), US-amerikanischer Schriftsteller: „Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen Wort ist derselbe, wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.“
Twain, Mark (Samuel Langhorne Clemens, 1835-1910), US-amerikanischer Schriftsteller: „Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.“
Valéry, Paul (Ambroise Paul Toussaint Jules Valéry, 1871-1945), französischer Lyriker, Philosoph und Essayist: „Dass ich Grab oder Schatz sei,/ Ob ich spreche oder schweige,/ Dies hängt von dir ab,/ Der du vorbeigehst./ Freund, tritt nicht wunschlos ein.“
Vauvenargues, Luc de Clapier Marquis (1715-1747), französischer Philosoph, Moralist und Schriftsteller: „Die Welt ist mit kalten Geistern bevölkert, die, selbst unproduktiv, sich damit trösten, zu verwerfen, was andere gedacht haben, und sich durch eine zur Schau getragene Verachtung fremder Werke interessant zu machen glauben.“
Vauvenargues, Luc de Clapier Marquis (1715-1747), französischer Philosoph, Moralist und Schriftsteller: „Ein Gedanke, der zu schwach ist, einen einfachen Ausdruck zu ertragen, zeigt damit, dass er nichts taugt. - Klarheit ist Schmuck der Tiefe; Dunkelheit das Reich des Irrtums.“
Voltaire (François-Marie Arouet, 1694-1778), einer der bedeutendsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung: „Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige.“
Voltaire (François-Marie Arouet, 1694-1778), einer der bedeutendsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung: „Verwendet nie ein neues Wort, sofern es nicht drei Eigenschaften besitzt: Es muss notwendig, es muss verständlich und es muss wohlklingend sein.“
Wallas, Graham (1858-1932), englischer Schriftsteller, Sozialist, Sozialpsychologe, Pädagoge, Führer der Fabian Society und Mitbegründer der London School of Economics: „Wie kann ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?“
Walser, Martin Johannes (*1927), deutscher Schriftsteller: „Bücher sind auch Lebensmittel.“
Walser, Martin Johannes (*1927), deutscher Schriftsteller: „Ein Buch ist für mich eine Art Schaufel, mit der ich mich umgrabe.“
We, Lü Bu (auch: Lü Buwei, um 300 v. Ch.-235 v. Ch.), chinesischer Kaufmann, Politiker und Philosoph, in seinem Werk: Frühling und Herbst des Lü Bu We: „Die Feststellung der Begriffe und die Begrenztheit der Befugnisse sind die Zügel der Herrschaft.“
Weber, Karl Julius (auch Carl Julius Weber, 1767-1832), deutscher Schriftsteller und bedeutender Satiriker, Jurist, Privatgelehrter, in: Demokritos, Über Bücher: „Die zwei Weisesten der Menschen, Sokrates und Christus, schrieben keine Zeile.“
Whitman, Walt (Walter Whitman, 1819-1892) bedeutender US-amerikanischer Schriftsteller und Lyriker, in seinem berühmtesten Werk ‚Grashalme‘: „Das ganze bekannte Universum hat einen wahrhaft Liebenden, und das ist der größte Dichter. Er verschwendet sich in ewiger Leidenschaft und ist unbekümmert darum, was ihm das Schicksal bringt, welch mögliche Zufälligkeiten an Glück oder Unheil, er erringt täglich und stündlich seinen köstlichen Lohn. Was andere hemmt oder zerbricht - ihm es ist Nahrung nur für das Feuer seines Verlangens [...] Sein Erleben, seine Schauer und Erschütterungen sind nicht umsonst. Nichts kann ihn abschrecken - Leiden nicht noch Finsternis - nicht Tod noch Furcht.“
Whitman, Walt (Walter Whitman, 1819-1892) bedeutender US-amerikanischer Schriftsteller und Lyriker, in seinem berühmtesten Werk ‚Grashalme‘: „Die Botschaft großer Dichtungen an alle Menschen lautet: Kommt als Gleichberechtigte zu uns, dann nur könnt ihr uns verstehen. Wir sind nicht besser als ihr; was in uns ist, das ist auch in euch, woran wir uns erfreuen, daran könnt ihr euch auch erfreuen.“
Whitman, Walt (Walter Whitman, 1819-1892) bedeutender US-amerikanischer Schriftsteller und Lyriker, in seinem berühmtesten Werk ‚Grashalme‘: „Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft sind nicht getrennt voneinander, sondern vereint. Der größte Dichter gestaltet, was sein wird, folgerichtig aus dem, was ist und war. Er zieht die Toten aus ihren Särgen und stellt sie wieder auf die Füße. Er sagt zur Vergangenheit: Stehe auf vor mir und wandle, auf dass ich dich erkenne!“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller, in: Aphorismen: „Alle schlechte Dichtung entspringt echtem Gefühl. Natürlich sein, heißt verständlich sein, und verständlich sein, heißt unkünstlerisch sein.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller, in: Das Bildnis des Dorian Gray IV, Lord Wotton: „Gute Künstler leben nur in ihren Werken, und sind daher als Persönlichkeit völlig uninteressant. Ein großer Dichter, ein wirklich großer Dichter, ist das unpoetischste Wesen von der Welt, aber untergeordnete Dichter sind höchst anziehend. Je schlechter ihre Reime sind, um so malerischer sie sie selber aus.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller, in: Ein idealer Gatte II, Lady Markby: „Nichts ist so gefährlich wie das Allzumodernsein. Man gerät in Gefahr, plötzlich aus der Mode zu kommen.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller: „Die meisten Menschen gehen bankrott, weil sie zuviel in die Prosa des Lebens investiert haben. Sich für die Poesie zu ruinieren ist eine Ehre.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller: „Es gibt Bücher, die uns in einer einzigen Stunde mehr erleben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.“
Wilder, Thornten (1897-1975), amerikanischer Romancier, gehört zu den bedeutendsten amerikanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts: „Wer eine fremde Sprache lernt, zieht vor einer anderen Nation den Hut.“
Wittgenstein, Ludwig (1889-1951), österreichisch-britischer Philosoph, in: Tractatus logico-philosophicus: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt. Die Logik erfüllt die Welt; die Grenzen der Welt sind auch ihre Grenzen. [...] Was wir nicht denken können, das können wir nicht denken; wir können also auch nicht sagen, was wir nicht denken können.“ (Vieles ist mit Worten nicht auszudrücken, deshalb ist auf Gesten zu achten, das Verhalten im Schweigen. Vielleicht versteht man einander.)
Wolf, Christa (1929-2011), deutsche Schriftstellerin, die zu den bedeutendsten ihrer Zeit zählt: „Jeder Leser arbeitet auch an dem Buch mit, das er liest.“
Zen-Weisheit: „Nur liebevolle Worte überzeugen.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller, hier in >Zitaten< aus den Nachbemerkungen seines Herausgebers Knut Beck, in: Stefan Zweig, Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 240: „Um den Ansatz seiner Kritik besser verständlich zu machen, schaltete er in seine Besprechungen gelegentlich theoretische Erörterungen ein. >Jede echte Novelle ist ebenso wie ein technischer Bau, ein Haus, eine Brücke, eine Maschine<, konstatierte er beispielsweise 1913 in einer Rezension von Raoul Auernheimers ‚Laurenz Hallers Praterfahrt‘, >im letzten doch nur Materialisierung einer Schwergewichtsberechnung, einer geometrischen Gesetzmäßigkeit, wo Druck gegen Spannung, Gewicht gegen Gegengewicht gestellt, ein Schicksal mit der stärksten Tragfähigkeit belastet werden muss, um jenes ästhetische Wohlbehagen zu erzeugen, das immer nur eine Harmonie zwischen Anstrengung und Erfolg verspricht. Jedes Schicksal hat seine natürliche Weite, über die es nicht hinausgetrieben werden darf, ohne innen brüchig zu werden, und dieses richtige Maß der Bedeutung dem Geschehnis und seiner Erörterung abzugrenzen, erfordert nicht nur reproduktives, sondern auch konstruktives Talent.< >Wilde Häufung von Geschehnissen, die flüchtiger Blick für Reichtum halten könnte, die aber [der von Stefan Zweig seit seinen Anfängen so sehr verehrte] Balzac, der weiseste Kenner künstlerischer Ökonomie, als das sicherste Zeichen schöpferischer Ohnmacht gebrandmarkt hat<, lehnte auch er entschieden ab - so 1908 gelegentlich einer Besprechung von Gabriele d’Annunzio’s ‚La Nave‘. >Grazie des Stils< bewunderte er.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller, in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 90, Elemente der Menschengröße, (über Rudolf Kaßners Werk ‚Von den Elementen der menschlichen Größe‘, Leipzig, Insel-Verlag): „Bei den großen Meistern der Lyrik ist vor allem ein Phänomen so wunderbar typisch für die ursprüngliche Gewalt ihrer Anschauung, ein seltsamer Vorgang, der noch unendlich bedeutsamer ist als ihre neubildnerische Kraft, nämlich die Fähigkeit, ein gänzlich verbrauchtes und durch allzu häufige, schon automatisch gewordene Benutzung unsinnlich und falsch gewordenes Attribut, ein kaltes gewöhnliches Wort also, plötzlich durch eine unerwartete und vor allem richtige Anwendung wieder sinnlich, neu packend zu gestalten, es gleichsam von dem Missverständnis seiner grob prosaischen Verfälschung wieder in die poetisch reine, kristallklare Form der dichterischen Sinnlichkeit zu erlösen. Ein Phänomen, das jedem Liebhaber der Lyrik hundert jähe Entzückungen geschenkt hat und das in unseren Tagen bei Stefan George und Rilke am eindringlichsten und lautesten zu finden ist. Unversucht hingegen ist bis auf wenige Ausnahmen in unserer Zeit das Bestreben, nicht nur das Wort, sondern auch die Begriffe von der Abgegriffenheit journalistischer und rhetorischer Verwendung zu befreien, sie wieder zurückzuführen in die rein lautere, hier aber gänzlich unsinnliche Atmosphäre, ihre elementare Isoliertheit wieder herzustellen. Und unter den vielen Gesichtspunkten, von denen die Bedeutung Rudolf Kaßners für unsere Zeit aus betrachtet werden könnte, scheint mir diese für sein Werk eine der bedeutendsten.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller, in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 160, Einleitung zu einer zusammengefassten Ausgabe von Jean-Jacques Rousseau’s ‚Emil oder Über die Erziehung‘: „Mit wohlverständiger Neugier suchen wir heute die Explosivstoffe in diesem Kunstwerk. Und finden sie nicht. Für uns ist ‚Emile‘ in seiner ungekürzten Form ein sehr langwieriges, umständliches, pädagogisch-philosophisches Werk, das oft entzückt, oft erstaunt, aber niemals revoltiert. Paradox schon durch die Tatsache, dass ein Mensch, der selbst nie Ordnung in sein Leben bringen konnte, nie in einen Beruf sich fand, die erstaunlichsten Theorien der Erziehung mit verführerischer Logik predigt, dass ein Vater, der seine fünf Kinder im Pariser Findelhaus ablegte und dem Zufall für immer überließ, die Sorgfalt für die Jugend als wesentlichste Pflicht des Menschen statuiert. Paradox auch im einzelnen Argument, aber doch blendend in seiner Verwegenheit und ein Meisterwerk der Pädagogie.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller, in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 164, Stendhals deutsche Wiederkehr: „Erst um 1880 herum hat er wieder einen guten Leser in Deutschland. Friedrich Nietzsche, der, wie er erzählt, die beiden Romane [Rot und Schwarz, Die Kartause von Parma] 60 oder 70mal gelesen hätte und der ihm nur Dostojewski in der Psychologie überlegen hält.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller, in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 170, Anmerkungen zu Balzac: „Wie immer im Talente tränkt die Quelle der größten Vorzüge auch die geheime Kraft der Fehler. Bei Balzac war es das Temperament, dieser Vulkan von Glut, der Licht und Feuer über den erschreckten Himmel gießend mit wunderbarer Schönheit die Gegend erhellt, um sie im nächsten Augenblicke unter starrer Lavaflut zu begraben.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller, in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 184, Balzacs Codices vom eleganten Leben: „Und da erkennt man wieder die unendliche Verwandlungsfähigkeit Balzacs, sich selbst mit dem Stoffe zu verändern, leicht zu werden an den leichten Dingen, tragisch an den verworrenen, bedeutsam in seinen philosophischen Erörterungen, jene geheimnisvolle Seelenlosigkeit der ganz Großen, die, wie bei Shakespeare, das Göttliche und Unbegreifliche des vollendeten Künstlers darstellt.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller, in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 204, Triumph der Kathedrale, Anmerkungen zu Paul Claudels ‚Verkündigung‘: „Diese isolierte Stellung und dies exemplarische Leben sollten genügen, Paul Claudel die Achtung zu erzwingen, die sein neuartiges Werk verdient - ein Werk, das sich jeder raschen Erörterung versagt, weil es überall die Grundfesten der sogenannten dramatischen Gesetze erschüttert (die immer nur Geltung für den haben, dem nicht die Kraft zuteilward, sie zu zertrümmern).“