SINNSÄTZE

des großen Themenbereichs

BESTIMMUNG - SCHICKSAL - TOD.


...Am Lebensende flehen alle um Barmherzigkeit; sie auch zu spenden regten sich mittendrin die wenigsten Gemüter und Hände.
...Die Mama sagte gestern: Ich bin wieder einmal umhaftet mit tausend Fragezeichen...
...Ein Pflaumenbaum kann keine Birnen hervorbringen, und ein Birnbaum keine Pflaumen.
...es geht darum, den Schatz der eigenen Sensibilität zu hüten, ihn zu schützen, zu bewahren und im Stillen zu leben. Verlieren wir diese schöne innere Weichheit, verlieren wir den Zugang zu unserem Selbst.
...Freue dich: Eine Tür geht zu - und weist dir den Weg.
Adler, Hans Günther (1910-1988), tschechoslowakisch-englischer Schriftsteller, der in deutscher Sprache schrieb, bekannt geworden sind vor allem seine Studien über die Juden im KZ Theresienstadt: „In der Spannung zwischen dem Ziel und der Wirklichkeit entdecken wir den Sinn unseres Lebens und unsere erste Aufgabe.“
Adorno, Theodor W. (Theodor Ludwig Wiesengrund, 1903-1969), deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist, in „Minima Moralia“: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“
Alighieri, Dante (1265-1321), einer der bedeutendsten Dichter und Philosophen italienischer Sprache des europäischen Mittelalters: „Die Zeit geht hin, und der Mensch gewahrt es nicht.“
Anouilh, Jean (Jean Marie Lucien Pierre Anouilh, 1910-1987), französischer Autor und Dramatiker: „Was uns beim Sterben wehtut, ist das Leben.“
Aquin, Thomas von (auch Thomas Aquinas, um 1225-1274), Dominikaner und berühmter Philosoph und einer der einflussreichsten Theologen in der katholischen Kirchengeschichte, die ihn als Heiligen verehrt: „Hab dein Schicksal lieb, denn es ist der Gang Gottes durch deine Seele.“
Arndt, Ernst Moritz (1769-1860), deutscher Schriftsteller, Historiker, Freiheitskämpfer und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung: „Dem Edlen und Tapferen ist auch der Tod Zweck des Lebens.“
Arnim, Bettina von (Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, auch: Bettine Brentano, 1785-1859), deutsche Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik, Schwester von Clemens Brentano, in: Frühlingskranz: „Das ganze Leben kehrt in sich selbst zurück, und wo wir schon so in uns selbst zurückgegangen sind, dass wir von uns selbst und also von keinem Ding uns mehr getrennt denken können, heißt es, sei der Tod; [...] als das ewige Zurückkehren und Hervorgehen des Lebens aus und in sich in demselben Momente. - Eben so ist das Leben in jedem Momente des Todes, denn Leben und Tod sind eins; um leben zu können, muß man ewig sterben, und um sterben zu können ewig leben.“
Arnim, Bettina von (Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, auch: Bettine Brentano, 1785-1859), deutsche Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik, Schwester von Clemens Brentano, in: Frühlingskranz: „Nein! Wie ich Dir hier noch einmal sage, das Leben flieht die Wüste des Todes, aber dem Tod eine Macht zuschreiben über das Leben, das ist Unsinn. Es ist aber noch eben so dumm, irgendeine Macht anzuerkennen, über uns, als nur das Leben selbst. [...] Was auch in der Welt für Polizei der Seele herrscht, ich folg ihr nicht, ich stürze mich als brausender Lebensstrom in die Tiefe, wohin michs lockt. - Ich! Ich! Ich! - Ich greife um mich mit meinen Fluten, ich eile in stolzen Wogen durch die Triften. Ich durchziehe euch, ihr Heiden, - dort kommen die Berge, die Welt ist rund, mir ist jedes Tal die Höhe, die mir zu durchbrausen beliebt.“
Arnim, Bettina von (Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, auch: Bettine Brentano, 1785-1859), deutsche Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik, Schwester von Clemens Brentano: „Alle Kraft ist man der Welt schuldig und dem, der uns am nächsten steht, am ersten.“
AT, Kohelet, Der Prediger Salomo, 6, 10-12: „Was da ist, ist längst mit Namen genannt, und bestimmt ist, was ein Mensch sein wird. Darum kann er nicht hadern mit dem, der ihm zu mächtig ist./ Denn je mehr Worte, desto mehr Eitelkeit; was hat der Mensch davon?/ Denn wer weiß, was dem Menschen nützlich ist im Leben, in seinen kurzen, eitlen Tagen, die er verbringt wie ein Schatten? Oder wer will dem Menschen sagen, was nach ihm kommen wird unter der Sonne?“
Aurel, Marc (Marcus Aurelius, 121-180), römischer Kaiser und Philosoph: „Wie du beim Sterben gelebt zu haben wünschest, so sollst du jetzt schon leben.“
Aus Brasilien: „Wichtig ist nicht, dass man im Leben jemand ist, etwas hat oder nach etwas aussieht. Wichtig ist, dass man etwas tut, etwas aufbaut, etwas verändert.“
Aus dem Talmud (zu deutsch: ‚Belehrung, Studium‘), eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums; er besteht aus Mischna (den jüdischen Religionsgesetzen) und Gemara (dem Disput über Mischna) und enthält die praktischen Alltagsregeln, die sich aus dem jüdisch-biblischen Gesetzestext – der Tora – ergeben: „Jeder Grashalm hat seinen Engel, der sich über ihn beugt und ihm zuflüstert: >Wachse, wachse!<“
Aus der Edda, einer isländischen Skaldensammlung (Skalde = altnordische Bezeichnung für ‚Dichter‘), überliefert vom isländischen Skalden, Historiker und Politiker Snorre Sturlason (1179-1241): „Enkel bist du! Siegen und Sorgen gestern Gewesener dankst du dein Dasein. Hältst als Ahnherr Segen und Fluch fernster Geschlechter hütend in Händen.“
Aus Gabun: „Wo alles abgebrannt ist, kommt das Feuer nicht wieder.“
Aus Italien: „Wer immer hofft stirbt singend.“
Aus Japan: „Es ist leicht zu sterben, aber schwer zu leben.“
Aus Japan: „Sobald die kleine Quelle versiegt, trocknet der große Strom aus.“
Aus Russland: „Angeschlagenes Geschirr hält gut zwei Menschenalter.“
Aus Tibet: „Auf Reisen in fremde Länder lernt man nicht das Land kennen, sondern sich selbst.“
AutorIn unbekannt: „Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern.“
AutorIn unbekannt: „Wir sollten offen sein für das, was uns eine späte Frucht zwischen dürren Blättern sagt.“
AutorIn unbekannt: „Wäre der Tod nicht, es würde keiner das Leben schätzen.“
Azteken, mesoamerikanisches Kulturvolk, das zwischen dem 14. und frühen 16. Jahrhundert im Tal von Mexiko lebte: „Wie lange leben wir auf Erden? Nicht für immer, nur eine kleine Spanne. Jade zerbricht, Gold wird zerdrückt, Quetzalfedern knicken. Nichts dauert auf Erden, alles lebt nur einen Hauch lang. Unsere Zeit ist geliehen, im Nu müssen wir sie hinter uns lassen.“
Bacon, Francis (1561-1626), englischer Philosoph, Staatsmann und als Wissenschaftler Wegbereiter der Empirismus, in seinen Essays: „Es ist nämlich der Betrachtung wert, dass im menschlichen Herzen kein Trieb so schwach ist, dass er nicht stärker wäre als die Todesfurcht und sie überträfe; daher ist der Tod auch kein so schrecklicher Feind, wenn der Mensch soviel Helfer um sich hat, die ihn bezwingen können. Rache triumphiert über den Tod; Liebe missachtet ihn; Ruhm erstrebt ihn; Kummer flieht ihm zu; Furcht nimmt ihn vorweg.“
Benn, Gottfried (1886-1956), deutscher Arzt, Dichter: „Es geht zugrund, wer immer zu den Gründen geht.“
Bergson, Henri-Louis (1859-1941), französischer Philosoph, Literaturnobelpreis 1927, neben Friedrich Nietzsche und Wilhelm Dilthey bedeutender Vertreter der Lebensphilosophie: „Existenz ist Wandel, Wandel Reifung, Reifung ewige Selbsterneuerung.“
Bloch, Ernst (1885-1977), deutscher marxistischer Philosoph: „Ich bin. / Doch ich habe mich nicht. / Darum werden wir erst.“
Bonhoeffer, Dietrich (1906-1945), lutherischer Theologe, Vertreter der Bekennenden Kirche, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, aus seinen Briefen aus dem Gefängnis, in: Widerstand und Ergebung: „Ich habe mir hier oft Gedanken darüber gemacht, wo die Grenzen zwischen dem notwendigen Widerstand gegen das ‚Schicksal‘ und der ebenso notwendigen Ergebung liegen. ... aber es muss beides da sein und beides mit Entschlossenheit ergriffen werden. Der Glaube fordert dieses bewegliche lebendige Handeln.“
Bosshart, Jakob (1862-1924), Schweizer Erzähler und Schriftsteller, in: Bausteine: „Rein durch das Leben zu gehen ist unmöglich. Aber sich zu reinigen ist möglich, und höchstes Ziel.“
Brandstaetter, Roman (1906-1987), polnischer Schriftsteller, Diplomat, Kulturattaché: „Ein Jude sieht immer voraus und geht immer entgegen.“
Braun, Lily (Amelia Jenny Emilie Klothilde Johanna von Kretschmann, in erster Ehe Lily von Gizycki, 1865-1916), deutsche Schriftstellerin, Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin, Journalistin, Sozialistin, in: Im Schatten der Titanen: „Die großen Tatmenschen haben mit dem Mondsüchtigen eines gemein: Sie vertragen es auf ihrem gefährlichen Wege nicht, angerufen, gestört oder gar gewarnt zu werden.“
Bruyère, Jean de La (1645-1696), französischer Schriftsteller und Moralist, in: Die Charaktere oder Die Sitten des Jahrhunderts: „Wer einen Tag lang gelebt hat, hat ein Jahrhundert gelebt: dieselbe Sonne, dieselbe Erde, dieselbe Welt, dieselben Empfindungen; nichts gleicht dem Heute so sehr wie das Morgen. Wir sollten begierig darauf sein zu sterben, das heißt, körperlos und reiner Geist zu werden: doch der Mensch, der sonst so ungeduldig nach Neuem verlangt, kennt gerade in diesem Punkt keine Neugier; unstet von Natur und von allem gelangweilt, wird er des Lebens niemals überdrüssig; er wäre vielleicht bereit, ewig zu leben. Was er vom Tode sieht, berührt ihn heftiger, als was er davon weiß: Krankheit, Schmerz und Leichnam nehmen ihm die Lust an der Erkenntnis des Jenseits. Es bedarf des ganzen Ernsten der Religion, ihn umzustimmen.“
Bruyère, Jean de La (1645-1696), französischer Schriftsteller und Moralist: „Der Haß des Menschen ist so hartnäckig, daß der Wunsch eines Kranken nach Versöhnung mit seinem Feinde als das untrüglichste Vorzeichen seines Todes gelten kann.“
Busch, Wilhelm (1832-1908), deutscher Dichter und Zeichner: „Mancher ertrinkt lieber, als dass er um Hilfe ruft.“
Byrne, Robert (*1956), Weihbischof in Birmingham: „Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn.“
Börne, Carl Ludwig (Löb Baruch, 1786-1837), deutscher Journalist, Literatur- und Theaterkritiker, gilt als Wegbereiter des Feuilletons, in: Das Staatspapier des Herzens: „Auf der Weltbühne ist das Schicksal der Souffleur, der das Stück ruhig und leise abliest, ohne Gebärden, ohne Deklamation und ganz unbekümmert, ob es ein Lustspiel oder ein Trauerspiel ist. Das Zappeln, das Schreien und Übriges tun die Menschen dazu.“
Caddy, Eileen: „Erwarte, dass jedes Deiner Bedürfnisse erfüllt wird, erwarte die Antwort auf jedes Deiner Probleme, erwarte Überfluss auf jeder Ebene, erwarte, spirituell zu wachsen.“
Camus, Albert (1913-1960), französischer Schriftsteller und Philosoph, gilt als einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts, 1957 Literaturnobelpreis: „Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance.“
Chamfort, Nicolas (Sébastien-Roch Chamfort, 1741-1794), französischer Schriftsteller in der Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution, in: Maximen V: „Kräftige Charaktere ruhen sich in Extremen aus.“
Coudenhove-Kalergi, Richard Graf von (1894-1972), Gründer der Paneuropa-Bewegung 1923: „Der Mann ist ein Kind der Zeit, die Frau ist ein Kind des Raumes.“
Crowfoot (Blackfoot Isapo-Muxika, ‚Großer Krähenfuß‘, um 1830-1890), Stammeshäuptling der Blackfoot-Indianer (Siksika) in Kanada: „Was ist Leben? Es leuchtet auf wie ein Glühwürmchen in der Nacht. Es vergeht wie der Hauch des Büffels im Winter. Es ist wie der kurze Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenuntergang verliert.“
Dali, Salvador (Salvador Felipe Jacinto Dali i Domènech, Marqués de Pubòl, 1904-1989), spanischer Maler, Grafiker, Bildhauer, Schriftsteller, Bühnenbildner, ein Hauptvertreter des Surrealismus, zählt zu den bekanntesten Malern des 20. Jahrhunderts: „Erfahrung ist wie die Sonne. Sie läßt Blüten welken, aber Früchte reifen.“
Dauthendey, Max (1867-1918), deutscher Dichter und Maler, in: Geschichten aus den vier Winden, Zwei Reiter am Meer: „Aber alles Abschiednehmen muss von einem Wiederkommen abgelöst werden. Auf die Trennung, die das Sterben bringt, folgt die Wiederkehr, die Stunde der Auferstehung. Das Leben lässt sich nicht bis ins Unendliche begraben, auch das tote Leben nicht. Auch im Tod ist ein Wellenschlag. Das Land hat seine Berge und Hügel, das Meer seine Wellen und Wogen, der Himmel seine Wolken und seine Glätte. Und auch das vergangene Leben hat sein Gehen und Wiederkehren.“
Demokrit (460/459 v. Chr. - 370 v. Chr.), antiker griechischer Philosoph, gehört zu den Vorsokratikern: „Wer vor dem Tod flieht, läuft ihm nach.“
Detlefsen, Thorwald (1946-2010), deutscher Psychotherapeut, Autor esoterischer Lehrbücher, in: Krankheit als Weg: „An dieser Stelle dürfte auch verständlich werden, dass wir die heute übliche Einteilung in somatische, psychosomatische, psychische und geistige Krankheiten nicht übernehmen. ... Unsere Betrachtungsweise entspricht in etwa dem psychosomatischen Modell, jedoch mit dem Unterschied, dass wir diese Sicht auf alle Symptome anwenden und keine Ausnahmen zulassen. Die Unterscheidung ‚somatisch‘/‚psychisch‘ kann man bestenfalls auf die Ebene beziehen, auf der sich ein Symptom manifestiert - ist aber unbrauchbar, um Krankheit zu lokalisieren.“
Detlefsen, Thorwald (1946-2010), deutscher Psychotherapeut, Autor esoterischer Lehrbücher, in: Schicksal als Chance: „Bin ich in mir mit den verschiedenen Bereichen der Wirklichkeit in Harmonie, so können mich auch deren Repräsentanten in der Außenwelt nicht stören. Geschieht etwas für mich Unangenehmes, so ist dies lediglich eine Aufforderung, mich auch noch diesem Bereich in meinem Inneren zuzuwenden. - All die bösen Menschen und die unliebsamen Ereignisse sind in Wirklichkeit nur Boten, sind Medien, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Wer dies begreift, und bereit ist, die Verantwortung für sein Schicksal selbst zu übernehmen, verliert alle Angst vor dem bedrohenden Zufall.“
Detlefsen, Thorwald (1946-2010), deutscher Psychotherapeut, Autor esoterischer Lehrbücher, in: Schicksal als Chance: „Man begreift nicht, dass Krankheit das kostbarste Gut der Menschheit ist, ja, sein Menschsein überhaupt ausmacht, da nur der Kranke heilbar ist. Die Krankheit macht den Menschen heilungsfähig - doch dazu muss er sie durchwandern, nicht umgehen. So wie die Krankheit ein mikrokosmischer Sündenfall ist, muss Heilung auch ein mikrokosmischer Erlösungsprozess sein.“
Detlefsen, Thorwald (1946-2010), deutscher Psychotherapeut, Autor esoterischer Lehrbücher, in: Schicksal als Chance: „Schicksal ist jene Instanz, die dafür sorgt, dass der Einzelne seine vorgeschriebene Bahn zieht. Aus dem vermeidlichen Feind Schicksal wird ein Partner, der verhindert, dass wir aus eigener Trägheit uns selbst aus der Evolution [der Entwicklung des Bewusstseins] ausklammern.“
Deutsches Sprichwort: „Wo deine Gaben liegen, da liegen auch deine Aufgaben.“
Dibango, Manu (Emmanuel N´Djoké Dibango, *1933), Ethnologe, Philosoph und Musiker aus Kamerun: „Man kann nicht weiß auf weiß malen oder schwarz auf schwarz. Jeder Mensch braucht einen anderen, um sich zu offenbaren.“
Diderot, Denis (1713-1784), französischer Schriftsteller, Philosoph und Aufklärer, einer der wichtigsten Autoren der Encyclopédie, in einem Brief an Sophie Volland am 15. Oktober 1759: „All jene, die sich in ihrem Leben liebten und sich nebeneinander bestatten lassen, sind vielleicht gar nicht so närrisch, wie man denkt. Vielleicht drängt sich ihrer beider Asche zusammen, vermischt sich und vereinigt sich. Was weiß ich? Vielleicht haben sie nicht jegliche Empfindung, jegliche Erinnerung an ihren einstigen Zustand verloren? Vielleicht haben sie einen Rest Wärme und Leben in sich und genießen sie auf ihre Weise tief in der kalten Urne, die sie umschließt. [...] O meine Sophie, es bliebe mir also eine Hoffnung. Sie berühren, Sie fühlen, Sie lieben, Sie suchen zu können, um mich mit Ihnen zu vereinigen, zu vermischen, sobald wir einmal nicht mehr sein werden! Wenn es doch so wäre, dass in unseren Bestandteilen das Gesetz der Anziehungskraft herrscht, dass es uns vorbehalten ist, ein gemeinsames Wesen zu bilden, dass ich in den folgenden Jahrhunderten ein Ganzes mit Ihnen werden, dass die Moleküle Ihres aufgelösten Geliebten unversehens in Aufruhr geraten und sich vorwärts bewegen, um Ihre, überall in der Natur verstreuten Teilchen zu suchen!“
Diderot, Denis (1713-1784), französischer Schriftsteller, Philosoph und Aufklärer, einer der wichtigsten Autoren der Encyclopédie, in einem Brief an Sophie Volland am 15. Oktober 1759: „Das Bewusstsein und das Leben sind ewig. Alles, was lebt, hat immer gelebt und lebt ohne Ende. Der einzige Unterschied, den ich zwischen Tod und dem Leben sehe, ist, jetzt leben Sie als Ganzes, und in zwanzig Jahren in Moleküle aufgelöst und zerstreut, sozusagen stückweise.“
Dse, Mo: „Selten nur sterben ausgezeichnete Menschen nicht an dem, was sie auszeichnet.“
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin, Aphoristikerin, aus ihren Aphorismen: „Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von ihr.)
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin, Aphoristikerin, aus ihren Aphorismen: „Vertrauen ist Mut, und Treue ist Kraft.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von ihr.)
Eisenlöffel, Katharina: „Die großen Dinge geschehen nur selten, jedoch die kleinen bestimmen das Leben.“
Ellington, Duke (1899-1974), US-amerikanischer Jazz-Bandleader, Pianist und Komponist: „Jedes Problem bietet dir die Chance, dein Bestes zu geben.“
Emerson, Ralph Waldo (1803-1882), US-amerikanischer Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Führer der Transzendentalisten in Neuengland, in: Courage: „Wenn du kein Vertrauen in die gütige Macht hast, die über dir waltet, sondern nur an ein diamanthartes Schicksal glaubst, das Natur und Menschen in seinen dunklen Mantel hüllt, dann bedenke, dass der beste Gebrauch, den du vom Schicksal machen kannst, der ist, den Mut zu lernen, und sei es auch deshalb, weil Feigheit an dem vorbestimmten Ausgang nichts zu ändern vermag. [...] wenn dein Skeptizismus den äußersten Schritt tun sollte und du kein Vertrauen zu irgendeinem fremden Geist mehr hast, gerade dann musst du doppelt tapfer sein, denn es gibt eine gute Meinung, die für dich immer gewichtig ist, nämlich deine eigene.“
Emerson, Ralph Waldo (1803-1882), US-amerikanischer Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Führer der Transzendentalisten in Neuengland, in: Nature: „Sind wir geköderte Forellen? Sind wir die Hanswürste der Natur? [...] Wenn wir unsere beschränkte Kraft an der ihrigen messen, so können wir leicht auf den Gedanken kommen, dass ein übermütiges Schicksal mit uns ein Spiel treibt. Aber die Würfel mögen fallen, wie sie wollen, sie fallen zu unseren Gunsten. In der Natur gibt es keinen Bankrott, keinen Sprung, keinen Fehlschuss. Weisheit schlummert in jeder Lebensform, aber wir erfassen ihren Sinn immer erst lange, lange nachher.“
Emerson, Ralph Waldo (1803-1882), US-amerikanischer Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Führer der Transzendentalisten in Neuengland: „Die Lebensaufgabe eines Menschen ist die Beschützerin seines Lebens.“
Emerson, Ralph Waldo (1803-1882), US-amerikanischer Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Führer der Transzendentalisten in Neuengland: „Furcht besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes auf der Welt.“
Epiktet (um 50 - um 138), antiker Philosoph, in dessen ethischer Betrachtung vor allem Fragen nach Freiheit und Autonomie standen, in: Handbüchlein der Moral: „Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen über dieselben beunruhigen die Menschen. So ist der Tod an und für sich nichts Schreckliches, sonst wäre er auch dem Sokrates so vorgekommen; vielmehr ist die vorgefasste Meinung von ihm, dass er etwas Schreckliches sei, das Schreckhafte.“
Epikur (um 341 v. Chr. - 271 oder 270 v. Chr.), griechischer Philosoph, Begründer des Epikureismus oder Hedonismus, der die Gewinnung von Lust und Freude als einzig wertvollen Lebenszweck auffasst; hier in einem Brief an Menoikeus: „Gewöhne Dich an den Gedanken, dass der Tod für uns keine Bedeutung hat, da ja alles Gute und Schlechte eine Frage der Wahrnehmung ist. Der Tod aber ist die Beraubung der Wahrnehmung. [...] So hat also das schauderhafteste Übel, der Tod, für uns keine Bedeutung, da ja, solange wir leben, der Tod nicht anwesend ist, sobald aber der Tod eintritt, wir nicht mehr leben werden.“
Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814), deutscher Philosoph, in: Die Bestimmung des Menschen, 3. Buch, Glaube: „Es ist kein Mensch, der das Böse liebe, weil es böse ist; er liebt in ihm nur die Vorteile und Genüsse, die es ihm verheißet, und die es ihm, in der gegenwärtigen Lage der Menschheit, mehrenteils wirklich gewährt.“
Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814), deutscher Philosoph, in: Die Bestimmung des Menschen, drittes Buch, Glaube: „Aller Tod in der Natur ist Geburt, und gerade im Sterben erscheint sichtbar die Erhöhung des Lebens. Es ist kein tötendes Prinzip in der Natur, denn die Natur ist durchaus lauter Leben; nicht der Tod tötet, sondern das lebendigere Leben, welches, hinter dem alten verborgen, beginnt und sich entwickelt. Tod und Geburt ist bloß das Ringen des Lebens mit sich selbst, um sich stets verklärter und ihm selbst ähnlicher darzustellen.“
Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814), deutscher Philosoph, in: Die Bestimmung des Menschen, drittes Buch, Glaube: „Ich kann mir die gegenwärtige Lage der Menschheit schlechthin nicht denken als diejenige, bei der es nun bleiben könne; schlechthin nicht denken als ihre ganze und letzte Bestimmung. Dann wäre alles Traum und Täuschung; und es wäre nicht der Mühe wert, gelebt, und dieses stets wiederkehrende, auf nichts ausgehende, und nichts bedeutende Spiel mitgetrieben zu haben. [...] Ich äße nur und tränke, damit ich wiederum hungern und dürsten, und essen und trinken könnte, so lange, bis das unter meinen Füßen eröffnete Grab mich verschlänge, und ich selbst als Speise dem Boden entkeimte? Ich zeugte Wesen meines Gleichen, damit auch sie essen und trinken, und sterben, und Wesen ihres Gleichen hinterlassen könnten, die dasselbe tun werden, was ich schon tat? Wozu dieser unablässig in sich selbst zurückkehrende Zirkel, dieses immer von Neuem auf dieselbe Weise wieder angehende Spiel, in welchem alles wird, um zu vergehen, und vergeht, um nur wieder werden zu können, wie es schon war; dieses Ungeheuer, unaufhörlich sich selbst verschlingend, damit es sich wiederum gebären könne, sich gebärend, damit es sich wiederum verschlingen könne?/ Nimmermehr kann dies die Bestimmung sein meines Seins, und alles Seins. Es muss etwas geben, das da ist, weil es geworden ist; und nun bleibt, und nimmer wieder werden kann, nachdem es einmal geworden ist; und dieses Bleibende muss im Wechsel des Vergänglichen sich erzeugen, und in ihm fortdauern, und unversehrt fortgetragen werden auf den Wogen der Zeit.“
Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814), deutscher Philosoph, in: Die Bestimmung des Menschen, drittes Buch, Glaube: „Körperliche Leiden. Schmerz und Krankheit, wenn sie mich treffen sollten, werde ich nicht vermeiden können zu fühlen, denn sie sind Ereignisse meiner Natur, und ich bin und bleibe hienieden Natur; aber sie sollen mich nicht betrüben. Sie treffen auch nur die Natur, mit der ich auf eine wunderbare Weise zusammenhänge, nicht Mich selbst, das über alle Natur erhabene Wesen. Das sichere Ende alles Schmerzes und aller Empfänglichkeit für den Schmerz ist der Tod; und unter allem, was der natürliche Mensch für ein Übel zu halten pflegt, ist es mir dieser am wenigsten. Ich werde überhaupt nicht für mich sterben, sondern nur für andere - für die Zurückbleibenden, aus deren Verbindung ich gerissen werde; für mich selbst ist die Todesstunde Stunde der Geburt zu einem neuen herrlicheren Leben.“
Fleming, Paul (1609-1640), deutscher Arzt und Dichter, gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock: „Brauch der Zeit! Die leichten Stunden / schießen schneller als kein Fluß. / Zeit hat Flügel angebunden, / Glücke geht auf glattem Fuß. / Gott weiß, was wir morgen machen, / heute laß uns lustig sein. / Trauern, Frohsinn, Weinen, Lachen / ziehn bald bei uns aus, bald ein. / Wohl dem, welcher ist vergnüget, / wie sich sein Verhängnis füget.“
Fontane, Theodor (1819-1898), deutscher Schriftsteller und Apotheker, in: Cécile: „Der Mensch lebt, um seine Pflicht zu tun und zu sterben. Und das zweite beständig gegenwärtig zu haben erleichtert einem das erste.“
Frankl, Viktor E. (1905-1997), österreichischer Neurologe und Psychiater, Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, in einem Interview: „... wenn wir Menschen wieder auf SINN ausrichten - sie finden ihn nicht >in sich< - so wie die Selbstverwirklichungstheoretiker es behaupten. Selbstverwirklichung ist nur zu haben auf dem Umweg über Selbsttranszendenz, auf dem Umweg über den Dienst an einer Sache oder in Liebe zu einer Person.“
Franz, Robert (Robert Franz Julius Knauth, 1815-1892), deutscher Komponist und Dirigent: „Es war von jeher das Schicksal aller edel angelegter Naturen, für die Ideale, die sie innerlich beseligen, äußerlich zu leiden.“
Gandhi, Mahatma (1869-1948), indischer Rechtsanwalt, Publizist, Widerstandskämpfer, Asket und Pazifist: „Lerne, als ob du ewig lebtest; lebe, als ob du morgen sterben müsstest.“ - Oder in dieser Fassung: „Lebe, als ob du morgen sterben müsstest, als hättest du erkannt, dass du ewig lebst.“ (Wird in anderen Publikationen auch Rabindranath Tagore, Erasmus von Rotterdam oder ((für mich allerdings unwahrscheinlich, da er östlichen Religionen oder Lehrgebäuden skeptisch gegenüberstand)) Edmund Rich zugeschrieben; leider liegt uns das Original bzw. die Quelle nicht vor.)
Gautier, Théophile (1811-1872), französischer Schriftsteller: „Wer das Leben genießen will, muss sich immer vor Augen halten: Geboren werden bedeutet nur, zu sterben beginnen.“
Geibel, Franz Emanuel August (Pseudonym: L. Horst, 1815-1884), deutscher Lyriker und klassischer Philologe, in: Juniuslieder, An den Schlaf: „Hoch vor allen/ Gaben der Himmlischen/sei mir gepriesen/ du, der Seele/ labendes Wasser/ gliederlösender/ heiliger Schlaf.“
Gibran, Khalil (1883-1931), libanesisch-amerikanischer Maler, Dichter und Philosoph, in: Sand und Schaum: „Wenn du alle Geheimnisse des Lebens gelöst hast, sehnst du dich nach dem Tod, denn er ist nur ein anderes Geheimnis des Lebens. Geburt und Tod sind die beiden edelsten Ausdrücke für Tapferkeit.“
Gide, André (1869-1951), französischer Schriftsteller, erhielt 1947 den Literaturnobelpreis: „Man entdeckt neue Länder nicht, ohne dass man sich damit einverstanden erklärt hat, das Ufer für eine sehr lange Zeit aus den Augen zu verlieren.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Die Leiden des jungen Werther, 20. Dezember: „Sterben! Was heißt das? Siehe, wir träumen, wenn wir vom Tode reden. Ich habe manchen sterben sehen; aber so eingeschränkt ist die Menschheit, dass sie für ihres Daseins Anfang und Ende keinen Sinn hat. Jetzt noch mein, dein! Dein, o Geliebte! Und einen Augenblick - getrennt, geschieden - vielleicht auf ewig? - nein, Lotte, nein - wie kann ich vergehen? Wie kannst du vergehen? Wir sind ja! - vergehen! - was heißt das? Das ist wieder ein Wort, ein leerer Schall, ohne Gefühl für mein Herz.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Die Wahlverwandtschaften, Charlotte im Dialog mit Eduard: „So will ich gleich mit einer allgemeinen Bemerkung anfangen. Die Männer denken mehr auf das Einzelne, auf das Gegenwärtige und das mit Recht, weil sie zu tun, zu wirken berufen sind; die Weiber hingegen mehr auf das, was im Leben zusammenhängt, und das mit gleichem Rechte, weil ihr Schicksal, das Schicksal ihrer Familien an diesen Zusammenhang geknüpft ist, und auch gerade dieses Zusammenhängende von ihnen gefordert wird.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Divan, Buch des Sängers, Selige Sehnsucht: „Und so lang du das nicht hast,/ dieses Stirb und Werde,/ bist du nur ein trüber Gast/ auf der dunklen Erde.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Divan, Buch des Sängers, Talismane: „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:/ Die Luft einziehen, sich ihrer entladen;/ jenes bedrängt, dieses erfrischt;/ so wunderbar ist das Leben gemischt./ Du danke Gott, wenn er dich presst,/ und dank ihm, wenn er dich wieder entlässt!“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Iphigenie auf Tauris IV, 4, Pylades: „So wunderbar ist dies Geschlecht gebildet,/ so vielfach ist’s verschlungen und verknüpft,/ dass keiner in sich selbst noch mit den andern/ sich rein und unverworren halten kann.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Lila I, Baron: „Unsere Hoffnungen und Wünsche sind von so kindischer Natur, daß ihnen Mögliches und Unmögliches beides von einer Art zu sein scheint.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Maximen und Reflexionen, Nachlass, Über Literatur und Leben: „Historisch betrachtet, erscheint unser Gutes in mäßigem Lichte und unsere Mängel entschuldigen sich.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Es ist manchmal, als wenn das, was wir Schicksal nennen, gerade an guten und verständigen Menschen seine Tücke ausübte, da es so viele Narren und Bösewichter ganz bequem hinschlendern lässt.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Mikroskope und Fernrohre verwirren eigentlich den Menschensinn.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „O glücklich der, den keine Furcht berückt!/ Sein Wille bleibt sich gleich, wie hoher Götter Wille,/ selbst die Gefahr macht ihn beglückt.“ (Scapine)
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Was immer du tun kannst, oder träumst es zu können, fang damit an! Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich.“
Gotthelf, Jeremias (1797-1854), Schweizer Pfarrer und Schriftsteller: „Es ist, ihr mögen wollen oder nicht,/ das Haus der Spiegel eurer selbst.“
Gracián, Baltasar (1601-1658), spanischer Schriftsteller, Hochschullehrer und Jesuit, in: Handorakel und Kunst der Weltklugheit: „Im Himmel ist alles Wonne, in der Hölle alles Jammer, in der Welt, als dem mittleren, das eine und das andere. Wir stehn zwischen zwei Extremen und sind daher beider teilhaft. Das Schicksal wechselt: Alles soll nicht Glück noch alles Missgeschick sein. Die Welt ist eine Null: Für sich allein gilt sie nichts, aber, mit dem Himmel in Verbindung gesetzt, viel. Gleichmut bei ihrem Wechsel ist vernünftig, und Neuheit nicht die Sache des Weisen. Unser Leben verwickelt sich in seinem Fortgang wie ein Schauspiel und entwickelt sich zuletzt wieder: Daher sei man auf das gute Ende bedacht.“
Günderode, Karoline von (Karoline Friederike Louise Maximiliane von Günderode, 1780-1806), deutsche Dichterin der Romantik, in: Briefe zweier Freunde: „Aber was ist es doch, das Leben? Dieses schon aufgegebene, wieder erlangte Gut! so frag ich mich oft: Was bedeutet es, dass aus der Allheit der Natur ein Wesen sich mit solchem Bewusstsein losscheidet und sich abgerissen von ihr fühlt? Warum hängt der Mensch mit solcher Stärke an Gedanken und Meinungen, als seien sie das Ewige, warum kann er sterben für sie, da doch für ihn eben dieser Gedanke mit seinem Tode verloren ist? und warum, wenn gleichwohl diese Gedanken und Begriffe dahinsterben mit den Individuen, warum werden sie von denselben immer wieder aufs neue hervorgebracht und drängen sich so durch die Reihen des aufeinanderfolgenden Geschlechtes zu einer Unsterblichkeit in der Zeit?/ Lange wußt’ ich diesen Fragen nicht Antwort, und sie verwirrten mich; da war mir plötzlich in einer Offenbarung alles deutlich und wird es mir ewig bleiben. Zwar weiß ich, das Leben ist nur das Produkt der innigsten Berührung und Anziehung der Elemente; weiß, dass alle seine Blüten und Blätter, die wir Gedanken und Empfindungen nennen, verwelken müssen, wenn jene Berührung aufgelöst wird, und dass das einzelne Leben dem Gesetz der Sterblichkeit dahingegeben ist; aber so gewiss mir dieses ist, ebenso über allem Zweifel ist mir auch das andre, die Unsterblichkeit des Lebens im Ganzen; denn dieses Ganze ist eben das Leben, und es wogt auf und nieder in seinen Gliedern, den Elementen, und was es auch sei, das durch Auflösung (die wir zuweilen Tod nennen) zu denselben zurückgegangen ist, das vermischt sich mit ihnen nach Gesetzen der Verwandtschaft, d. h. das Ähnliche zu dem Ähnlichen. Aber anders sind diese Elemente geworden, nachdem sie einmal im Organismus zum Leben hinaufgetrieben gewesen, sie sind lebendiger geworden; wie zwei, die sich in langem Kampf übten, stärker sind, wenn er geendet hat, als ehe sie kämpften, so die Elemente, denn sie sind lebendig, und jede lebendige Kraft stärkt sich durch Übung. Wenn sie also zurückkehren zur Erde, vermehren sie das Erdleben. Die Erde aber gebiert den ihr zurückgegebenen Lebensstoff in andern Erscheinungen wieder, bis durch immer neue Verwandlungen alles Lebensfähige in ihr ist lebendig geworden.“
Halm, Friedrich (Eligius Franz Joseph Freiherr von Münch-Bellinhausen, 1806-1871), österreichischer Dichter, Novellist, Dramatiker: „Der Lebenslauf der Menschen gleicht / meist mittelmäßigen Gedichten. / Genügt dir auch die Form vielleicht, / auf Poesie mußt du verzichten.“
Hammarskjöld, Dag (Dag Hjalmar Agne Carl Hammarskjöld, 1905-1961), schwedischer parteiloser Staatssekretär und 2. UN-Generalsekretär, ihm wurde kurz nach seinem Tode, 1961, der Friedensnobelpreis verliehen: „Bete, dass deine Einsamkeit dich dazu anspornen möge, etwas zu finden, für das es sich zu leben lohnt.“
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, aus seinem Tagebuch: „Es gibt Dinge, die man bereut, ehe man sie tut. Und man tut sie doch.“
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern 1848-1863, Nr. 5539: „Klage nicht zu sehr über einen kleinen Schmerz; das Schicksal könnte ihn durch einen größeren heilen!“
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in seinen Tagebüchern, 1837: „Mit jedem Menschen verschwindet, er sei auch, wer er sei, ein Geheimnis aus der Welt, das vermöge seiner besonderen Konstruktion nur er entdecken konnte, und das nach ihm niemand wieder entdecken wird.“ 
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in seinen Tagebüchern, Nr. 1840: „Der Mann weicht dem Stein, der ihn zu zerschmettern droht, aus und vermauert ihn in sein Gebäude!“
Heine, Heinrich (1797-1856), deutscher Nationaldichter, Schriftsteller und Journalist, in: Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski: „Was ist Traum? Was ist Tod? Ist dieser nur eine Unterbrechung des Lebens? oder gänzliches Aufhören desselben? Ja, für Leute, die nur Vergangenheit und Zukunft kennen und nicht in jedem Momente der Gegenwart eine Ewigkeit leben können, ja, für solche muss der Tod schrecklich sein! Wenn ihnen die beiden Krücken, Raum und Zeit, entfallen, dann sinken sie ins ewige Nichts. Und der Traum? Warum fürchten wir uns vor dem Schlafengehn nicht weit mehr als vor dem Begrabenwerden? Ist es nicht furchtbar, dass der Leib eine ganze Nacht leichentot sein kann, während der Geist in uns das bewegteste Leben führt, ein Leben mit allen Schrecknissen jener Scheidung, die wir eben zwischen Leib und Geist gestiftet?“
Heine, Heinrich (1797-1856), deutscher Nationaldichter, Schriftsteller und Journalist: „Die Erde ist der große Felsen, woran die Menschheit, der eigentliche Prometheus gefesselt ist und vom Geier des Zweifels zerfleischt wird.“
Herbert, Frank (1920-1986), amerikanischer Fantasie- und Science-Fiction-Autor, in: „Dune“ oder „Der Wüstenplanet“ sagt Paul: „Ich bin für alle tot, wenn ich nicht versuche, das zu werden, was ICH BIN.“
Herder, Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter, Theologe, Kultur- und Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung, in: Die wiedergefundenen Söhne: „Was die Schickung schickt, ertrage! / Wer ausharret, wird gekrönt.“
Herder, Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter, Theologe, Kultur- und Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung, in: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit: „Unsre Lebensalter sind die Lebensalter der Pflanze: wir gehen auf, wachsen, blühen, blühen ab und sterben. Ohn unsern Willen werden wir hervorgerufen, und niemand wird gefragt, welches Geschlechts er sein, von welchen Eltern er entsprießen, auf welchem Boden er dürftig oder üppig fortkommen, durch welchen Zufall endlich von innen oder von außen er untergehen wolle. In alle diesem muss der Mensch höhern Gesetzen folgen, über die er sowenig als die Pflanze Aufschluss erhält, ja denen er beinah wider Willen mit seinen stärksten Trieben dienet. Solange der Mensch wächst und der Saft in ihm grünet, wie weit und fröhlich dünkt ihm die Welt! Er streckt seine Äste umher und glaubt zum Himmel zu wachsen. So lockt die Natur ihn ins Leben hinein, bis er sich mit raschen Kräften, mit unermüdeter Tätigkeit alle die Fertigkeiten erwarb, die sie auf dem Felde oder Gartenbeet, auf den sie ihn gesetzt hat, diesmal an ihm ausbilden wollte. Nachdem er ihre Zwecke erreicht hat, verlässt sie ihn allmählich. In der Blütenzeit des Frühlings und unsrer Jugend, mit welchen Reichtümern ist allenthalben die Natur beladen! Man glaubt, sie wolle mit dieser Blumenwelt eine neue Schöpfung besamen. Einige Monate nachher, wie ist alles so anders! Die meisten Blüten sind abgefallen; wenige dürre Früchte gedeihen. Mit Mühe und Arbeit des Baumes reifen sie, und sogleich gehen die Blätter ans Verwelken. Der Baum schüttet sein mattes Haar den geliebten Kindern, die ihn verlassen haben, nach; entblättert steht er da; der Sturm raubt ihm seine dürren Äste, bis er endlich ganz zu Boden sinket und sich das wenige Brennbare in ihm zur Seele der Natur auflöset. Ist’s mit dem Menschen, als Pflanze betrachtet, anders?“
Herder, Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter, Theologe, Kultur- und Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung: „Jeder Mensch hat ein Bild in sich, was er sein und werden soll. Solange er das noch nicht ist, ist noch Unfrieden in seinen Gebeinen.“
Herzen, Alexander Iwanowitsch (Pseudonym: Iskander, 1812-1870), russischer Philosoph, Schriftsteller und Publizist, in: Erlebtes und Gedachtes: „Sie lag da, ganz in Blumen gebettet - die Stores waren niedergelassen - ich saß auf einem Stuhl [...] - ringsum war es still - nur das Meer rauschte vor dem Fenster - es schien, als höbe sich der Flor von schwachen, ganz schwachen Atemzügen ... Sanft waren die Kümmernisse und Sorgen erstarrt, als habe das Leiden ein Ende gefunden, ohne Spuren zu hinterlassen; sie waren weggewischt von der sorgenfreien Klarheit eines Denkmals, das nicht weiß, was es darstellt. Und ich schaute nur immer - schaute die ganze Nacht hindurch - und wenn sie nun tatsächlich aufwachte? Sie wachte nicht auf. Das war kein Schlaf - das war der Tod.“
Hesse, Hermann Karl (1877-1962), deutschsprachiger Schriftsteller, Dichter, Maler, Literaturnobelpreis 1946: „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne.“
Hesse, Hermann Karl (1877-1962), deutschsprachiger Schriftsteller, Dichter, Maler, Literaturnobelpreis 1946: „Euer Leben hat genau soviel Sinn als ihr selbst ihm zu geben vermöget.“
Hesse, Hermann Karl (1877-1962), deutschsprachiger Schriftsteller, Dichter, Maler, Literaturnobelpreis 1946: „Eure Zukunft ist nicht dies oder das, ist nicht Geld oder Macht, ist nicht Weisheit oder Gewerbeglück - eure Zukunft und euer schwerer und gefährlicher Weg ist dieser: reif zu werden.“
Hesse, Hermann Karl (1877-1962), deutschsprachiger Schriftsteller, Dichter, Maler, Literaturnobelpreis 1946: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“
Heyking, Elisabeth von (1861-1925), deutsche Schriftstellerin und Diplomatenfrau, in ihrem anonym erschienenen Bestseller: Briefe, die ihn nicht erreichten, 21. August 1900: „Aber was sollen Welt und Leben ohne Dich? Und wenn Du es tausendmal nicht willst - Du ziehst mich Dir doch nach. Unsichtbare, unzerreißbare Fäden ketten uns aneinander seit Uranfangszeiten. Und ich folge Dir, weiß oft kaum, ob ich noch hier bin. Das ist der einzige Trost. [...] Überall, wo Du hier auf Erden geweilt, haben Dich meine Gedanken begleitet, auf allen Reisen waren sie mit Dir - ich habe durch die Sehnsucht so ganz bei dir gelebt, dass ich Orte kenne, in denen ich nie gewesen. [...] - Das war mein eigentliches Leben, dort bei Dir war stets mein wahres Ich. Nun bist Du noch viel weiter fortgezogen zu allerfernsten Stätten. Aber auch dahin folg ich Dir. Ich muss Dir durch alle Zeiten schon so gefolgt sein, seit es Leben und Willen gab. Und geht dein Weg durch die Weltenräume, zu anderen Erden, Monden und Sonnen, durch tiefe Nacht und weißglühende Helle - ich folge Dir - ich kann nicht anders!“
Heyking, Elisabeth von (1861-1925), deutsche Schriftstellerin und Diplomatenfrau, in ihrem anonym erschienenen Bestseller: Briefe, die ihn nicht erreichten, New York, 1. Januar 1900: „Wer aber [...] gesehen hat, dass überall und seit unendlichen Zeit Millionen und Millionen geboren und begraben werden, ohne dass ihr Kommen und Gehen mehr Bedeutung hätte als Mückenschwärme, die einen Augenblick durch die Sonnenstrahlen schweben, der verliert den Glauben an die Wichtigkeit der Erscheinungen und an die innere Notwendigkeit der ewigen Fortdauer all dieser ganz gleichgültigen ameisenartigen Existenzen, die in individuell kaum unterscheidbaren Wiederholungen immer aufs Neue entstehen und vergehen. Wenn einem dann die Erkenntnis aufgeht, dass man selbst auch nur in die Schar der menschlichen Eintagsfliegen gehört, dann sehnt man sich nach denen, die durch Freundschaft und liebevolle Pflege uns zeitweise die Illusion geben, als sei man eigentlich doch eine recht wichtige kleine Fliege, deren Wohl und Wehe für ein anderes Wesen die allergrößte Bedeutung hat.“
Heyking, Elisabeth von (1861-1925), deutsche Schriftstellerin und Diplomatenfrau, in ihrem anonym erschienenen Bestseller: Briefe, die ihn nicht erreichten, New York, den 21. Juni 1900: „Das Weh der Welt ist aber nicht wie ein Brot bestimmter Größe: Je mehr davon essen, desto kleiner die Teile werden. Nein, es wächst mit jedem neuen Gast, es ist immer in Überfluss auf dem Tisch und kämen auch immer wieder neue Millionen hinzu. Tragen helfen! auch so eine Illusion, mit der die große Hoffnungslosigkeit verborgen werden soll. Jeder trägt, was schon mit ihm in der Wiege lag, was mit ihm selbst gewachsen ist, trägt, weil es eben nicht anders geht. Und vor, neben und hinter ihm stehen unabsehbare Reihen von Wesen, die auch alle tragen, jedes seine Last. In Wahrheit abnehmen kann keiner dem andern etwas, sodass der wirklich frei aufatmete - wir können nur zum eigenen Leid uns noch das des anderen hinzudenken - mit ihm mitleiden.“
Hilty, Carl (1833-1909), Schweizer Staatsrechtler, Mitglied des Schweizer Nationalrates, Laientheologe, in: Bausteine: „Jeder außerordentliche Vorzug isoliert.“
Hobbes, Thomas (1588-1679), englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph, neben John Locke und Jean-Jacques Rousseau einer der bedeutendsten Theoretiker des Gesellschaftsvertrages und Begründer des ‚aufgeklärten Absolutismus‘: „Die Menschen werfen alle ihre Dummheiten auf einen Haufen, konstruieren ein Ungeheuer und nennen es Schicksal.“
Horváth, Ödön von (1901-1938), ungarisch-österreichischer Schriftsteller: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.“
Horváth, Ödön von (1901-1938), ungarisch-österreichischer Schriftsteller: „Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei...“
Humboldt, Wilhelm Freiherr von (1767-1835), Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann, Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von Humboldt, in: Briefe an eine Freundin, 26.06.1832: „Die Entwicklung aller Keime aber, die in der individuellen Anlage eines Menschenlebens liegen, halte ich für den wahren Zweck des irdischen Daseins, nicht gerade das Glück.“
Humboldt, Wilhelm Freiherr von (1767-1835), Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann, Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von Humboldt, in einem Brief an Charlotte Diede am 5. Mai 1832: „Wir sehen - und können nicht anders - den Tod als ein Scheiden der Seele, eine Befreiung derselben aus den Banden des Körpers an. [...] Vielleicht ändert sie schon im Augenblick, wo sie den Körper verlässt, ihre irdische Natur und wirft nun einen scheidenden Strahl auf den zurückgebliebenen, dessen Licht wir in den immer den Seeleneindrücken folgsamen Gesichtszügen erblicken. Alles in diesen letzten Momenten ist wunderbar und unbegreiflich, und wenn wir uns auch selbst darin befinden werden, so werden wir doch, auch mit der größesten Besonnenheit, nicht mehr davon wissen und erfahren. Denn gewiss endet sich das Leben zunächst nur mit völliger Besinnungslosigkeit. Die Natur wirft einen dichten Schleier über ihre Verwandlungen.“
Humboldt, Wilhelm Freiherr von (1767-1835), Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann, Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von Humboldt: „Wie wenig ist am Ende der Lebensbahn daran gelegen, was wir erlebten, und wie unendlich viel, was wir daraus machten.“
Hölderlin, Friedrich (1770-1843), deutscher Lyriker, in: Hyperion oder der Eremit in Griechenland: „Wir bedauern die Toten, als fühlten sie den Tod, und die Toten haben doch Frieden. Aber das, das ist der Schmerz, dem keiner gleichkömmt, das ist unaufhörliches Gefühl der gänzlichen Zernichtung, wenn unser Leben seine Bedeutung so verliert, wenn so das Herz sich sagt, du musst hinunter und nichts bleibt übrig von dir; keine Blume hast du gepflanzt, keine Hütte gebaut, nur dass du sagen könntest: ich lasse eine Spur zurück auf Erden. Ach! und die Seele kann immer so voll Sehnens sein, bei dem, dass sie so mutlos ist!“
Hölderlin, Friedrich (1770-1843), deutscher Lyriker, in: Patmos, Dem Landgrafen von Homburg, erster Vers: „Nah ist/ Und schwer zu fassen der Gott./ Wo aber Gefahr ist, wächst/ Das Rettende auch.“
Hölderlin, Friedrich (1770-1843), deutscher Lyriker, Nachlese: „Wir sind nichts. Was wir suchen, ist alles.“
Hölderlin, Friedrich (1770-1843), deutscher Lyriker: „Wer auf sein Elend tritt, steht höher.“
Ibsen, Henrik (1828-1906), norwegischer Schriftsteller und Dramatiker: „Sehnsucht zum Licht ist des Lebens Gebot.“
Ibsen, Henrik (1828-1906), norwegischer Schriftsteller und Dramatiker: „Zu fragen bin ich da, nicht zu antworten.“
Ihering, Rudolf von (1818-1892), deutscher Rechtslehrer, in: Der Zweck im Recht, 2, 9: „Wenn wir aufrichtig sein sollen, so müssen wir gestehen, dass das Übermaß den erklärten Zweck aller Tafelfreuden bildet. Sie haben die Bestimmung, uns zu verlocken, das von der Natur durch den Zweck der Nahrung vorgezeichnete Maß zu überschreiten.“ (Zusatz: Wie wir in allem einen inneren Drang spüren, die Maße und Begrenzungen der Natur zu übertreten, ihr in allem neue Maße zu geben und ihre Grenzen zu erweitern.)
Jacobsen, Jens Peter (1847-1885), dänischer Schriftsteller, in: Niels Lyhne: „Es ist unmöglich, Niels, dass es mit dem Tode vorbei ist, du kannst es nicht so fühlen, du bist ja gesund; du meinst, der Tod müsse uns völlig vernichten, weil man so matt ist und weil alles hinschwindet; aber das ist nur für die Außenwelt. Hier drinnen ist ebenso viel Seele wie vorher, glaube mir es, Niels, ich habe es alles hier drinnen, was ich bekommen habe, dieselbe unendliche Welt, nur stiller, nur mehr für mich allein geradeso, als wenn man seine Augen schließt. Es ist nur wie ein Licht, das von dir fortgeht, fort von dir, ins Dunkle hinein, und es wird für dich schwächer und schwächer, und du kannst es nicht sehen, und doch leuchtet es noch ebenso hell, dort, wo es jetzt ist, weit fort von dir.“
Jandl, Ernst (1925-2000), österreichischer Schriftsteller und Dichter der experimentellen Lyrik und visuellen Poesie: „Auch die alten großen / bäume, auch die beständigen / bäume bricht die zeit.“
Jaurès, Jean (1859-1914), französischer Historiker, sozialistischer Politiker: Die größten Menschen sind jene, die anderen Hoffnung geben können.“
Jugend: „Was nicht blüht, das körnert nicht.“
Jung, Carl Gustav (1875-1961), Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie: „Unsere Aufgabe ist es, das zu werden, was wir sind.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in: Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg: „Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben. Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar. Man schämt sich nicht mehr, sterben zu wollen; man bittet, aus der alten Zelle, die man hasst, in eine neue gebracht zu werden, die man erst hassen lernen wird. Ein Rest von Glauben wirkt dabei mit, während des Transportes werde zufällig der Herr durch den Gang kommen, den Gefangenen ansehen und sagen: »Diesen sollt ihr nicht wieder einsperren. Er kommt zu mir.«“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in: Sämtliche Erzählungen, Gespräch mit dem Beter: „Denn mein Unglück ist ein schwankendes Unglück, ein auf einer dünnen Spitze schwankendes Unglück, und berührt man es, so fällt es auf den Frager.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in einem Brief an Milena Jesenská im September 1920: „Dir wird ängstlich beim Gedanken an den Tod? Ich habe nur entsetzliche Angst vor Schmerzen. Das ist ein schlechtes Zeichen. Den Tod wollen, die Schmerzen aber nicht, das ist ein schlechtes Zeichen. Sonst aber kann man den Tod wagen. Man ist eben als biblische Taube ausgeschickt worden, hat nichts Grünes gefunden und schlüpft nun wieder in die dunkle Arche.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller: „Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist Zögern.“
Kant, Immanuel (1724-1804), deutscher Philosoph der Aufklärung: „Der ziellose Mensch erleidet sein Schicksal, der Zielbewusste gestaltet es.“
Kerner, Justinus Andreas Christian von (1786-1862), deutscher Dichter, Arzt und medizinischer Schriftsteller: „Gott schickt am End uns Leiden,/ auf dass uns diese Welt, wenn wir nun von ihr scheiden,/ nicht mehr so mächtig hält.“
Kleist, Heinrich von (Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist, 1777-1811), deutscher Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist, in einem Brief an Wilhelmine von Zenge, am 15. August 1801: „Ja, wahrlich, wenn man überlegt, dass wir ein Leben bedürfen, um zu lernen, wie wir leben müssten, dass wir selbst im Tode noch nicht ahnden, was der Himmel mit uns will, wenn niemand den Zweck seines Daseins und seine Bestimmung kennt, wenn die menschliche Vernunft nicht hinreicht, sich und die Seele und das Leben und die Dinge um sich zu begreifen, wenn man seit Jahrtausenden noch zweifelt, ob es ein Recht gibt - - kann Gott von solchen Wesen Verantwortlichkeit fordern? [...] Tausendfältig verknüpft und verschlungen sind die Dinge der Welt, jede Handlung ist die Mutter von Millionen andern, und oft die schlechteste erzeugt die beste - Sage mir, wer auf dieser Erde hat schon etwas Böses getan? Etwas, das böse wäre in alle Ewigkeit fort? Und was uns auch die Geschichte von Nero, und Attila, und Cartouche, von den Hunnen und den Kreuzzügen und der spanischen Inquisition erzählt, so rollt doch dieser Planet immer noch freundlich durch den Himmelsraum, und die Frühlinge wiederholen sich, und die Menschen leben, genießen, und sterben nach wie vor. - Ja, tun, was der Himmel sichtbar, unzweifelhaft von uns fordert, das ist genug - Leben, solange die Brust sich hebt, genießen, was rundum blüht, hin und wieder etwas Gutes tun, weil das auch ein Genuss ist, arbeiten, damit man genießen und wirken könne, andern das Leben geben, damit sie es wieder so machen und die Gattung erhalten werde - und dann sterben - Dem hat der Himmel ein Geheimnis eröffnet, der das tut und weiter nichts. [...] Genießen! Das ist der Preis des Lebens! Ja, wahrlich, wenn wir seiner niemals froh werden, können wir nicht mit Recht den Schöpfer fragen, warum gabst Du es mir? Lebensgenuss seinen Geschöpfen zu geben, das ist die Verpflichtung des Himmels; die Verpflichtung des Menschen ist es, ihn zu verdienen. Ja, es liegt eine Schuld auf den Menschen, etwas Gutes zu tun [...].“
Kleist, Heinrich von (Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist, 1777-1811), deutscher Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist, in seinem Abschiedsbrief an Marie von Kleist am Tage seines Freitods, am 21. November 1811: „Meine liebste Marie, wenn Du wüsstest, wie der Tod und die Liebe sich abwechseln, um diese letzten Augenblicke meines Lebens mit Blumen, himmlischen und irdischen, zu bekränzen, gewiss Du würdest mich gern sterben lassen. Ach, ich versichre Dich, ich bin ganz selig. Morgens und abends knie ich nieder, was ich nie gekonnt habe, und bete zu Gott; ich kann ihm mein Leben, das allerqualvollste, das je ein Mensch geführt hat, jetzo danken, weil er es mir durch den herrlichsten und wollüstigsten aller Tode vergütigt. Ach, könnt ich nur etwas für Dich tun, das den herben Schmerz, den ich Dir verursachen werde, mildern könnte! [...] - Ach, meine teure Freundin, möchte Dich Gott bald abrufen in jene bessere Welt, wo wir uns alle, mit der Liebe der Engel, einander werden ans Herz drücken können. - Adieu.“
Kleist, Heinrich von (Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist, 1777-1811), deutscher Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist, in seinem Abschiedsbrief an Ulrike von Kleist am Tage seines Freitods, am 21. November 1811: „Ich kann nicht sterben, ohne mich, zufrieden und heiter, wie ich bin, mit der ganzen Welt, und somit auch, vor allen anderen, meine teuerste Ulrike, mit Dir versöhnt zu haben. [...] Du hast an mir getan, ich sage nicht, was in Kräften einer Schwester, sondern in Kräften eines Menschen stand, um mich zu retten: Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war. Und nun lebe wohl; möge Dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit, dem meinigen gleich: das ist der herzlichste und innigste Wunsch, den ich für Dich aufzubringen weiß.“
Kosorin, Pavel (*1964), tschechischer Aphoristiker: „Wenn man Hindernisse zu genau kennt, verliert man den Mut.“
Krailsheimer, Hans (1888-1958), deutscher Schriftsteller: „Zur richtigen Entscheidung kam es oft nur, weil der Weg zur falschen gerade nicht frei war...“ (Dazu schrieb jemand: Kein Ausweg ist auch einer.)
Lagarde, Paul Anton de (ursprünglich: Paul Anton Bötticher, 1827-1891), deutscher Theologe, Kulturphilosoph, Orientalist, in: Kunstwart, Hg. Ferdinand Avenarius, 2. Aprilheft 1906, S. 83: „Gott fragt, damit du Antwort gebest. / Gott drückt, damit du dich erhebest. / Wenn vor dir ein Geheimnis schweigt, / So heißt das nur: du sollst ergründen. / Wenn Ecke sich auf Ecke zeigt, / Ist’s deine Pflicht, sie abzuründen. / Was deiner Zeit und deinem Kreise fehlt, / Ist deines Amts hinzuzufügen. / Nicht Unglück ist es, was die Menschen quält: / Untätigkeit allein schafft Ungenügen.“
Lakota-Indianer: „Steht nicht an meinem Grab und weint, ich bin nicht dort, nein ich schlafe nicht. Ich bin eine der tausend wogenden Wellen des Sees, ich bin das diamantene Glitzern des Schnees, wenn ihr erwacht, in der Stille am Morgen, dann bin ich für euch verborgen, ich bin ein Vogel im Flug, leise wie ein Luftzug, ich bin das sanfte Licht der Sterne in der Nacht. Steht nicht an meinem Grab und weint, ich bin nicht dort, nein ich schlafe nicht.“
Lakota-Indianer: „Wenn man im Herbst die kleine Welt der Insekten betrachtet und nun sieht, wie das eine sich sein Bett bereitet, um zu schlafen, den langen, erstarrenden Winterschlaf; das andere sich einspinnt, um als Puppe zu überwintern und einst, im Frühling, verjüngt und vervollkommnet zu erwachen; endlich die meisten, als welche ihre Ruhe in den Armen des Todes zu halten gedenken, bloß ihrem Ei sorgfältig die geeignete Lagerstätte anpassen, um einst aus diesem erneuet hervorzugehn; - so ist dies die große Unsterblichkeitslehre der Natur, welche uns beibringen möchte, dass zwischen Schlaf und Tod kein radikaler Unterschied ist, sondern der Eine so wenig wie der Andere das Dasein gefährdet. Die Sorgfalt, mit der das Insekt eine Zelle, oder Grube, oder Nest bereitet, sein Ei hineinlegt, nebst Futter für die im kommenden Frühling daraus hervorgehende Larve, und dann ruhig stirbt, - gleicht ganz der Sorgfalt, mit der ein Mensch am Abend sein Kleid und sein Frühstück für den kommenden Morgen bereitlegt und dann ruhig schlafen geht, - und könnte im Grunde gar nicht statthaben, wenn nicht, an sich und seinem wahren Wesen nach, das im Herbste sterbende Insekt mit dem im Frühling auskriechenden eben so wohl identisch wäre, wie der sich schlafen legende Mensch mit dem aufstehenden.“
Lame Deer (Archie Fire Lame Deer, auch: Tahka Ushte, 1935-2001), Häuptling und Medizinmann der Miniconjou-Lakota-Indianer, Aktivist für die indianische Kultur in Amerika: „Bevor unsere weißen Brüder kamen, um zivilisierte Menschen aus uns zu machen, hatten wir keine Gefängnisse. Aus diesem Grund hatten wir auch keine Verbrecher. Ohne ein Gefängnis kann es keine Verbrecher geben. Wir hatten weder Schlösser noch Schlüssel, und deshalb gab es bei uns auch keine Diebe. Wenn jemand so arm war, dass er kein Pferd besaß, kein Zelt oder keine Decke, so bekam er all dies geschenkt. Wir waren viel zu unzivilisiert, um großen Wert auf persönlichen Besitz zu legen. Wir strebten Besitz nur an, um ihn weitergeben zu können. Wir kannten kein Geld, und daher wurde der Wert eines Menschen nicht nach seinem Reichtum bemessen. Wir hatten keine schriftlich niedergelegten Gesetze, keine Rechtsanwälte und Politiker, daher konnten wir einander nicht betrügen. Es stand wirklich schlecht um uns, bevor die Weißen kamen, und ich kann es mir nicht erklären, wie wir ohne die grundlegenden Dinge auskommen konnten, die - wie man uns sagt - für eine zivilisierte Gesellschaft so notwendig sind.“
Lame Deer (Archie Fire Lame Deer, auch: Tahka Ushte, 1935-2001), Häuptling und Medizinmann der Miniconjou-Lakota-Indianer, Aktivist für die indianische Kultur in Amerika: „Ihr verbreitet den Tod, ihr kauft und verkauft Tod, aber ihr verleugnet ihn; ihr wollt ihm nicht ins Gesicht sehen. Ihr habt den Tod steril gemacht, unter den Teppich gekehrt, ihn seiner Würde beraubt. Wir Indianer jedoch denken noch an den Tod, denken viel über ihn nach. Auch ich tue es. Heute wäre ein guter Tag zum Sterben - nicht zu heiß, nicht zu kalt -, ein Tag, an dem etwas von mir zurückbleiben könnte, um noch ein wenig hier zu verweilen. Ein vollkommener Tag für einen Menschen, der an das Ende seines Weges kommt. Für einen Menschen, der glücklich ist und viele Freunde hat.“
Laotse (auch: Lao Tse, Laudse, Laozi, „Alter Meister“, zwischen dem 3. und 6. Jh. vor Christus), legendärer chinesischer Philosoph, das bekannteste ihm zugeschriebene und Hauptwerk des Taoismus ist das Tao-Te-King, daraus, Vers 78: „Wer anderer Not löst, ist der Erlöste.“
Laotse (auch: Lao Tse, Laudse, Laozi, „Alter Meister“, zwischen dem 3. und 6. Jh. vor Christus), legendärer chinesischer Philosoph, das bekannteste ihm zugeschriebene und Hauptwerk des Taoismus ist das Tao-Te-King: „Auch eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem ersten Schritt.“
Laotse (auch: Lao Tse, Laudse, Laozi, „Alter Meister“, zwischen dem 3. und 6. Jh. vor Christus), legendärer chinesischer Philosoph, das bekannteste ihm zugeschriebene und Hauptwerk des Taoismus ist das Tao-Te-King: „Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“
Lec, Stanislaw Jerzy (1909-1966), polnischer Lyriker und Aphoristiker: „Die Uhr schlägt. Alle“
Lehár, Franz (1870-1948), österreichischer Komponist ungarischer Herkunft: „Ich bin nicht auf der Welt, um das Leben zu genießen, sondern um anderen Freude zu bereiten.“
Leitka Hoh, Mary, Weisheit der Indianer: „Ich sage immer, was ich in meinem Herzen für wahr halte. Darum geht es. Wenn alle das verstehen könnten, würden sie wissen, wie ich mich fühle. Wenn andere Menschen sich ihre Kultur bewahren und weiter danach leben würden, wüssten sie um diese Dinge. Manchmal sagen die Leute, ich würde wieder Indianer spielen. Oh, das ist traurig. Ich glaube nicht, dass ich Indianer spielen oder mich wie eine Indianerin aufführen muss. Ich bin eine. Ich bin so. Ich bin, wer ich bin. Und ich bin stolz.“
Lembke, Robert Emil (1913-1989), deutscher Journalist und Fernsehmoderator: „Anerkennung ist eine Pflanze, die vorwiegend auf Gräbern wächst.“
Leopardi, Giacomo Graf (1798-1837), italienischer Dichter, in: Das Gedankenbuch: „Der Mensch [...] kommt nicht zur Welt, um sich des Lebens zu freuen, sondern nur um den Fortgang des Lebens zu sichern, um es anderen, die auf ihn folgen, weiterzugeben, um es zu erhalten. Weder er selbst noch das Leben noch sonst irgendetwas auf Erden ist eigentlich für ihn da, sondern er ist im Gegenteil nur für das Leben da. [...] Die Seienden sind da, weil man da ist, der einzelne Seiende kommt zur Welt und ist da, auf dass man weiterhin da sei und das Dasein in ihm und anderen nach ihm erhalten bleibe.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’, in seinen Aphorismen: „Rede eines Selbstmörders, kurz vor der Tat aufgesetzt: [...] Es ist dies keine Anwandlung einer tollen Verzweiflung, ich kenne die Kette meiner Tage aus den wenigen Gliedern, die ich gelebt habe, zu wohl. Ich bin müde, weiterzugehen; hier will ich ganz ersterben oder doch wenigstens über Nacht bleiben. Hier nimm meinen Stoff wieder, Natur, knete ihn in die Masse der Wesen wieder ein, mache einen Busch, eine Wolke, alles, was du willst, aus mir, auch einen Menschen, aber mich nicht mehr.“
Logau, Friedrich Freiherr von (1605-1655), schlesischer Barockdichter: „Leichter träget, was er träget,/ wer Geduld zur Bürde leget.“
Luisser, Alois: „Christus ist auferstanden, aber Millionen Menschen hängen noch am Kreuz und viele ihr ganzes Leben lang.“
Lyons, Oren, Weisheit der Indianer: „Wer die Erde nicht respektiert, zerstört sie, wer nicht alles Leben so wie das eigene respektiert, wird zum Mörder. Der Mensch glaubt manchmal, er sei zum Besitzer, zum Herrscher erhoben worden. Das ist ein Irrtum. Er ist nur ein Teil des Ganzen. Seine Aufgabe ist die eines Hüters, eines Verwalters, nicht die eines Ausbeuters. Der Mensch hat Verantwortung, nicht Macht. Wir denken bei jeder Entscheidung an die siebte der kommenden Generationen. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Menschen nach uns, die noch ungeborenen Generationen, eine Welt vorfinden, die nicht schlechter ist als die unsere - und hoffentlich besser.“
Majakowski, Wladimir Wladimirowitsch (1893-1930), sowjetischer Dichter und führender Vertreter des russischen Zweigs des Futurismus, in seinem Abschiedsbrief kurz vor seinem Freitod am 12. April 1930: „An ALLE!/ Dass ich sterbe, dürft ihr keinem zur Last legen, und bitte - macht keinen Klatsch daraus. So was ist dem Verstorbenen furchtbar unlieb gewesen. Mutter, Schwestern und Genossen, verzeiht - das ist keine Art (empfehle sie keinem), doch ich habe keine Auswege mehr./ Lilja - ich liebe dich./ Genosse Regierung, meine Familie sind Lilja Brik, meine Mutter, meine Schwestern und Veronika Witoldowna Polonskaja. Wenn du ihnen ein leidliches Leben bereitest - danke. Die angefangenen Verse gebt Briks, sie kennen sich aus:/ Wie man so sagt - /«der Fall ist gepfeffert»,/ der Liebeskahn/ ist am Alltag zerschellt./ Ich bin quitt mit dem Leben,/ kein Aufrechnen nötig/ der einander verpassten/ Schmerzen,/ Leiden/ und Beleidigungen./ Lebt wohl.“
Marcuse, Ludwig (1894-1971), Philosoph, Literaturkritiker und Schriftsteller: „Gepriesen sei der Zufall. Er ist wenigstens nicht ungerecht.“
Meir, Golda (1898-1978), israelische Politikerin: „Ich kann ehrlich sagen: Die Frage nach dem Erfolg eines Unternehmens hat mich nie beeinflusst. Wenn ich fühlte, es war die richtige Sache, dies zu tun, ging ich dieser Sache nach, ohne Rücksicht auf das Ergebnis.“
Mendelssohn, Moses (1729-1786), deutscher Philosoph der Aufklärung, Wegbereiter der Haskala (hebräisch: Bildung): „Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun - das ist die Bestimmung des Menschen.“
Merici, Angela (zwischen 1470 und 1474 geboren, gestorben 1540), Gründerin der Compagnia di Sant’ Orsola (heute: Orden der Ursulinen): „Mache dich selbst zuerst zu dem, wozu du andere machen willst.“
Modersohn-Becker, Paula (1876-1907), deutsche Malerin des frühen Expressionismus: „Belohnt und bestraft werden wir für alles schon auf Erden.“
Montaigne, Michel de (Michel Eyquem de Montaigne, 1533-1592), Jurist, Politiker, Philosoph, Humanist, Skeptiker, Begründer der Essayistik, in seinen Essays: „Auf den Tod sinnen heißt auf Freiheit sinnen.“
Montaigne, Michel de (Michel Eyquem de Montaigne, 1533-1592), Jurist, Politiker, Philosoph, Humanist, Skeptiker, Begründer der Essayistik: „Wer die Menschen sterben lehrt, lehrt sie leben.“
Montessori, Maria (1870-1952), italienische Ärztin, Reformpädagogin, Philosophin und Misanthropin, auf sie geht das Konzept der Montessori-Pädagogik zurück: „Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer, in: Stufen, Natur, 1905: „Die Verschwendung der Natur ist zu groß. Und das ist das Bitterste: Unsere anklagenden Gedanken, und seien sie noch so erhaben, sind nur wie namenlose gleichgültige Vögel, die gegen ein kristallumpanzertes Feuer prallen, um ohnmächtig und ruhmlos in die Nacht hinabzufallen, vertan, verschwendet wie das Wesen, das sie gebar.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer, in: Stufen, Tagebuch eines Mystikers, 1906: „Ich werde erst sterben, wenn ich erfüllt haben werde, was ich erfüllt haben konnte. Gott stirbt nicht vor der Zeit. Er wacht hier auf und schläft dort ein, wie es gut ist. Was sträubst du dich gegen das, was du dein Schicksal nennst? Siehe dir selbst ins Antlitz: Dein Schicksal ist, dass du Gott bist. Ich sage: Gott! Aber wo uns die Wirklichkeit dieses Wortes fasste, da wäre unser Herz und Hirn auch schon dahin, wie ein Bologneser Glas, das, getroffen, zu Staub zerspringt. Gott schauen ist Tod, das wussten alle Völker. Gott erraten ist Leben.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer: „Das Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer: „Jeder von uns hat etwas Unbehauenes, Unerlöstes in sich, darin unaufhörlich zu arbeiten seine heimlichste Lebensaufgabe bleibt“
Müller, Johann Ludwig Wilhelm (1794-1827), deutscher Dichter, Komponist, Philologe, Vater des Sprachforschers Friedrich Max Müller, in: Lehre und Beispiel: „Wenn des Weisen gute Lehre eine Hand ist, dich zu führen:/ In des Guten weisem Beispiel wirst du einen Flügel spüren.“
Nair, Keshavan: „Mit Mut wirst Du es wagen, Risiken einzugehen; du wirst die Stärke haben, Mitgefühl zu zeigen und die Weisheit, bescheiden zu sein. Mut ist die Grundlage der Integrität.“
Navajo, Gesang der Navajo, auch Navaho oder Diné genannt, das zweitgrößte indianische Volk in den vereinigten Staaten: „Im Haus des Langen Lebens, dort lebe ich./ Im Haus des Glücks, dort lebe ich./ Schönheit unter mir, dort lebe ich./ Schönheit über mir, dort lebe ich./ Schönheit rings um mich her, dort lebe ich./ Ins Alter reisend, mit ihm lebe ich./ Auf dem guten Pfad bin ich, auf ihm lebe ich.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, im Nachlass, Fragmente Sommer-Herbst 1875: „Wozu die Menschen da sind, wozu ‚der Mensch‘ da ist, soll uns gar nicht kümmern: aber wozu Du da bist, das frage dich: Und wenn Du es nicht erfahren kannst, nun so stecke Dir selber Ziele, hohe und edle Ziele und gehe an ihnen zugrunde! Ich weiß keinen besseren Lebenszweck als am Großen und Unmöglichen zugrunde zu gehen: animae magnae prodigus.“ [lat. in etwa: ‚groß die Seele, die sich hingibt‘ oder auch: ‚verschwenderisch, wie eine große Seele‘]
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Die fröhliche Wissenschaft: „Es macht mich glücklich zu sehen, dass die Menschen den Gedanken an den Tod durchaus nicht denken wollen! Ich möchte gern etwas dazu tun, ihnen den Gedanken an das Leben noch hundertmal denkenswerter zu machen.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Götzendämmerung: Die vier großen Irrtümer: „Niemand ist dafür verantwortlich, dass er überhaupt da ist, dass er so beschaffen ist, dass er unter diesen Umständen, in dieser Umgebung ist. Die Fatalität seines Wesens ist nicht herauszulösen aus der Fatalität all dessen, was war und was sein wird.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Nachlass: Fragmente März 1875: „Die meisten Menschen sind offenbar zufällig auf der Welt: Es zeigt sich keine Notwendigkeit höherer Art in ihnen. Sie treiben dies und das, ihre Begabung ist mittelmäßig. Wie sonderbar! [...] eine rührende Bescheidenheit der Menschen: Sie sagen damit, wir sind berufen, unseresgleichen zu nützen und zu dienen, und der Nachbar ebenfalls und dessen Nachbar auch; und so dient jeder dem anderen, keiner hat seinen Beruf, seiner selbst wegen da zu sein, sondern immer wieder anderer wegen; so haben wir eine Schildkröte, die auf einer anderen ruht und diese wieder auf einer und so fort. Wenn jeder seinen Zweck in einem anderen hat, so haben alle keinen Zweck an sich, zu existieren; und dies ‚füreinander existieren‘ ist komischste Komödie.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: Nachlass: Fragmente Sommer 1875: „Der Tod wird erst furchtbar durch den Hintergrund, den man ihm gibt. Wie die Liebe eine beseligende Traumwelt, so erzeugt die Furcht eine höllische Traumwelt. Der irregeleitete Verstand erzeugt die Schrecken. Man soll den Tod nicht überwinden, aber wohl bestehen lernen.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist, in: „Fröhliche Wissenschaft“: „Du sollst der werden, der du bist.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter und Komponist: „Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens.“
Nizami (1141-1202), persischer Schriftsteller („Leila und Madschnun“): „Die Strebenden, die mit Verstand begabt sind,/ was suchen anders sie als schließlich Ruhe?“
Oesch, Emil (1894-1974), Schweizer Schriftsteller und Verleger: „Wer sein Leben auf Dienst aufbaut, hat nie umsonst gelebt.“
Ordensgruß der Trappisten (ursprünglich: der ‚Zisterzienser der strengeren Observanz‘), ein Orden der römisch-katholischen Kirche, 1892 gegründet: „Memento mori! - Gedenke des Todes!“
Pascal, Blaise (1623-1662), französischer Religionsphilosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler, in: Pensée, Gedanken: „Wenn ich die kurze Dauer meines Lebens betrachte, das von der vorhergehenden und der darauffolgenden Ewigkeit aufgesogen wird [...] und den kleinen Raum, den ich ausfülle, und den ich noch dazu von der unendlichen Unermesslichkeit der Räume verschlungen sehe, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen, so gerate ich in Schrecken und erstaune, mich eher hier als dort zu sehen, denn es gibt keinen Grund, warum es hier als dort ist, warum jetzt und nicht viel früher. Wer hat mich dorthin gebracht? Durch wessen Gebot und Führung sind dieser Ort und diese Zeit mir bestimmt worden?“
Pascal, Blaise (1623-1662), französischer Religionsphilosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler: „Das Wichtigste im Leben ist die Wahl eines Berufes. Der Zufall entscheidet darüber.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Die unsichtbare Loge, Ausläuten: „Die Menschen bewohnen und bewegen das große Tretrad des Schicksals und glauben darin, sie steigen, wenn sie gehen ...“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Die unsichtbare Loge: „Gegen 4 Uhr morgens konnte er uns nicht mehr sehen, obgleich die Morgenröte schon in der Stube war - die Augen blickten versteinert vor sich hin - eine Gesichtszuckung kam auf die andre - den Mund zog eine Entzückung immer lächelnder auseinander - Frühlings-Fantasien, die weder dieses Leben erfahren, noch jenes haben wird, spielten mit der sinkenden Seele - endlich stürzte der Todesengel den blassen Leichenschleier auf sein Angesicht und hob hinter ihm die blühende Seele mit ihren tiefsten Wurzeln aus dem körperlichen Treibkasten voll organisierter Erde ... Das Sterben ist erhaben; hinter schwarzen Vorhängen tut der einsame Tod das stille Wunder und arbeitet für die andre Welt, und die Sterblichen stehen da mit nassen, aber stumpfen Augen neben der überirdischen Szene ...“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Dämmerungen: „Die höchste Krone des Helden ist die Besonnenheit mitten in Stürmen der Gegenwart.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Hesperus: „Das Schicksal gibt dem Menschen oft den Wundbalsam früher als die Wunde.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Museum, Sedez-Aufsätze, Das Welt-Rätsel: „Der Mensch sieht nur das Spinnrad des Schicksals, aber nicht die Spindel; daher sagt er: seht ihr nicht den ewigen, leeren Kreislauf der Welt?“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.“
Pestalozzi, Johann Heinrich (1746-1827), Schweizer Pädagoge, Sozialreformer, Philosoph und Politiker, in: Der natürliche Schulmeister 3: „Wer es in etwas, sei es noch so gering, zur Vollkommenheit bringt, der ist für sein Leben geborgen.“
Piaf, Édith (Édith Giovanna Gassion, 1915-1963), weltberühmte französische Chansonsängerin: „Das Leben ist wundervoll. Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben. Aber dann geschieht etwas Neues und man glaubt, man sei im Himmel.“
Platen (August Graf von Platen, Graf Platen oder vollständig: Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde, 1796-1835), deutscher Dichter, in: Tristan: „Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, / ist dem Tode schon anheimgegeben, / wird für keinen Dienst auf Erden taugen.“
Platon (latinisiert: Plato, 428-348), griechischer Philosoph, in: Die Apologie des Sokrates: „Wir wollen uns aber auch auf folgende Weise zu Gemüt führen, wie viele Hoffnung da ist, dass Sterben etwas Gutes sei: Eins von beiden muss der Tod sein: entweder er ist wie ein Nichts-Sein, und der Gestorbene hat keine Empfindung weiter von irgendetwas, oder nach der gewöhnlichen Annahme, ist er eine Verwandlung und eine Versetzung der Seele aus diesem in einen anderen Ort. Ist er nun ‚keine Empfindung weiter‘, sondern gleichsam ein Schlaf, in dem der Schlafende nicht einmal einen Traum sieht [...], so nenne ich ihn einen Gewinn; und alle Zeit vor uns scheint auf diese Weise nur Eine lange Nacht zu sein. Wenn aber der Tod ein Auswandern ist, aus diesem nach einem anderen Ort, und es ist wahr, was gesagt wird, dass alle, die gestorben sind, sich dort befinden, welche Glückseligkeit könnte größer sein als diese!“
Plutarch (um 45 bis 125), griechischer Schriftsteller, Geschichtsschreiber und Philosoph, Lehrer Hadrians in Rom, über Kindererziehung: „Wohnst Du neben einem Lahmen, so wirst Du hinken lernen.“
Raabe, Wilhelm Karl (Pseudonym: Jakob Corvinus, 1831-1910), deutscher Schriftsteller, Vertreter des poetischen Realismus, Verfasser gesellschaftskritischer Erzählungen und Novellen, in: Notizen und Lebensrückblick: „Die interessantesten Zeiten des Menschendaseins sind nicht die, in welchen man sich der Illusion hingibt, sein Leben selbst führen zu können, nach rechts oder links abzuweichen, zu beharren oder aufzugeben, sondern die, in denen man den Flügelschlag des Schicksals deutlich über seinem Kopf rauschen hört. Und trotz aller möglichen Unruhe und Aufregung sind die letztern auch, so paradox es klingen mag, die normalen.“
Renard, Jules (1864-1910), französischer linksorientierter Schriftsteller, in seinem Tagebuch vom 14. Juni 1889: „Haben wir das Schicksal? Sind wir frei? Wie ärgerlich, das nicht zu wissen!/ Wieviel Ärger aber erst, wüssten wir es.“
Rilke, Rainer Maria (1875-1926), deutscher Lyriker, im: Schlussstück: „Der Tod ist groß/ Wir sind die Seinen/ lachenden Munds./ Wenn wir uns mitten im Leben meinen,/ wagt er zu weinen/ mitten in uns.“
Rilke, Rainer Maria (1875-1926), deutscher Lyriker, in den Duineser Elegien: „Denn wir, wo wir fühlen, verflüchtigen; ach wir atmen uns aus und dahin; von Holzglut zu Holzglut geben wir schwächern Geruch. Da sagt uns wohl einer: ja, du gehst mir ins Blut, dieses Zimmer, der Frühling füllt sich mit dir ... Was hilfts, er kann uns nicht halten, wir schwinden in ihm und um ihn. Und jene, die schön sind, o wer hält sie zurück? Unaufhörlich steht Anschein auf in ihrem Gesicht und geht fort. Wie Tau von dem Frühgras hebt sich das Unsre von uns, wie die Hitze von einem heißen Gericht. O Lächeln, wohin? O Aufschaun: neue, warme, entgehende Welle des Herzens -; weh mir: wir sinds doch. Schmeckt denn der Weltraum, in den wir uns lösen, nach uns?“
Rilke, Rainer Maria (1875-1926), deutscher Lyriker, in den Duineser Elegien: „Freilich ist es seltsam, die Erde nicht mehr zu bewohnen, kaum erlernte Gebräuche nicht mehr zu üben, Rosen, und andern eigens versprechenden Dingen nicht die Bedeutung menschlicher Zukunft zu geben; das, was man war in unendlich ängstlichen Händen, nicht mehr zu sein, und selbst den eigenen Namen wegzulassen wie ein zerbrochenes Spielzeug. Seltsam, die Wünsche nicht weiterzuwünschen. Seltsam, alles, was sich bezog, so lose im Raume flattern zu sehen. Und das Totsein ist mühsam und voller Nachholn, dass man allmählich ein wenig Ewigkeit spürt.“
Rilke, Rainer Maria (1875-1926), deutscher Lyriker, in einem Brief an Claire Goll am 22. Oktober 1923: „Siehst Du, ich meine, dass Du nun, da Dir zum ersten Mal zugemutet wird, im Tod des unendlich Nächsten den Tod zu erleiden, den ganzen Tod [...], dass jetzt der Augenblick da ist, da Du am Fähigsten bist, das reine Geheimnis wahr-zu-nehmen, das, glaub es mir, nicht des Todes, sondern des Lebens ist./ Jetzt heißt es [...] den Tod [...] zum Leben hinzuzunehmen, als ein nicht mehr Abzulehnendes, nicht länger Verleugnetes. Reiß es an Dich, dieses Entsetzliche, [...] schreck es nicht ab, indem Du vor ihm (wie alle anderen) erschrickst. Geh mit ihm um, oder [...] halt wenigstens still, sodass es ganz nahe kommen kann, das immer verjagte Wesen des Todes, und sich dir anschmiege. Denn dies ist, siehst Du, der Tod geworden bei uns, dies immer Verscheuchte, das sich nie mehr zu erkennen geben konnte.“
Rilke, Rainer Maria (1875-1926), deutscher Lyriker, in einem Brief an Nanny Wunderly-Volkart am 2. April 1924: „Und dass es die Welt ist, in die man fällt, unter Sterne, zu Mädchen, Kindern, Hunden und Abfällen, dass es nichts Unklares gibt in den Verhältnissen, in die man geraten kann; zwar zu Großes oder zu Böses, zu Listiges oder einfach Verhängnisvolles; aber man hat es entweder mit anderen Würfeln zu tun, oder mit den Würfen, mit den Geistern, die die Becher schütteln und ein Ihriges wagen dabei. Es ist ein lauteres Spiel, unabsehlich und immer neu aufgenommen, über einen hinaus, aber doch so, dass keiner in keinem Augenblick wertlos sei, oder schlecht oder schmählich; denn wer kann dafür, dass er so oder so aus dem Becher fällt?“
Rilke, Rainer Maria (1875-1926), deutscher Lyriker: „Sei jedem Abschied voraus!“
Rilke, Rainer Maria (1875-1926), deutscher Lyriker: „Wenn man die Fragen lebt, / lebt man vielleicht allmählich, / ohne es zu merken, / eines fernen Tages / in die Antworten hinein.“
Rochefoucauld, Francois La (1613-1680), französischer Moralist, in: Reflexionen: „Keinem erscheint das Schicksal so blind wie dem, den es nicht begünstigt.“
Rochefoucauld, Francois La (1613-1680), französischer Moralist, in: Reflexionen: „Man muss es mit dem Schicksal halten, wie mit dem Befinden des Körpers: Es genießen, wenn es gut ist, sich gedulden, wenn es schlecht ist, und nur in der äußersten Not starke Heilmittel anwenden.“
Roethke, Theodore: „Ich lerne, indem ich dorthin gehe, wohin ich gehen muss.“
Roman, Sanaya: „Alles, was man tun muss, um Führung zu bekommen, ist, darum zu bitten und dann zu lauschen.“
Rosegger, Peter (1843-1918), österreichischer Schriftsteller: „Jeden Morgen sich in Sterben hineindenken, das lehrt uns den neuen Tag richtig schätzen - nicht zu gering, weil er ein köstliches Geschenk ist, nicht zu hoch, weil er heute noch vergeht.“
Rousseau, Jean Jacques (1712-1778), französischsprachiger Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist der Aufklärung, in: Emil oder über die Erziehung: „O Mensch, suche dein wahres Glück in dir selbst, und du wirst dich nicht mehr elend fühlen! Halte an dem Platz aus, den dir die Natur in der Kette anweist, dann wird nichts dich aus demselben zu entfernen vermögen. Sträube dich nicht gegen das harte Gesetz der Notwendigkeit und erschöpfe nicht im törichten Versuch, ihr Widerstand entgegenzusetzen, die Kräfte, die dir der Himmel nicht zur Erweiterung, sondern nur zur Erhaltung deines Daseins, wie es ihm gefällt und so lange es ihm gefällt, gegeben hat. Deine Freiheit und deine Macht erstrecken sich nur über das Gebiet deiner natürlichen Kräfte und nicht darüber hinaus, alles Übrige ist nur Sklaverei, Illusion, Blendwerk.“
Rufus, Marcus Pinarius (wahrscheinlich auch: Lucius Pinarius Mamercinus Rufus, * 3. Jahrhundert v. Ch.), um 472 v. Ch. Konsul in Rom: „Ut sementem feceris, ita metes. - Wie du gesät hast, wirst du ernten.“
Rá, Bó Yin (Joseph Anton Schneiderfranken, 1876-1943), deutscher Schriftsteller, Maler und Philosoph: „Jedes Leid ist einer späteren Freude vorgesandtes, geheimnisvolles Zeichen.“
Rückert, Friedrich (Pseudonym: Freimund Raimar oder Raimer, 1788-1866), deutscher Dichter, Übersetzer, Begründer der deutschen Orientalistik, in: Die Weisheit des Brahmanen 3: „Zwar unvollkommen fühlst du dich, o Mensch, auf Erden, / doch auch den Trieb in dir, vollkommener zu werden.“
Saint-Exupéry, Antoine de (1900-1944), französischer Schriftsteller und Pilot: „Was die Zukunft betrifft, so ist deine Aufgabe nicht, sie vorauszusehen, sondern sie zu ermöglichen.“
Saint-Exúpery, Antoine de (1900-1944), französischer Schriftsteller: „Es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint, das uns verbraucht, sondern als etwas, das uns vollendet.“
Schefer, Leopold (Pseudonym: Pandira, 1784-1862), deutscher Lyriker, Komponist, Redakteur und Herausgeber: „Eine gute Tat getan zu haben, beschützt wie eine Götterhand den Menschen, führt ihn durch Unheil ruhig bis zum Tode.“
Schiller, Friedrich von (1759-1805), deutscher Dichter, Historiker, Philosoph, in: Prolog zu Wallensteins Lager: „Im engen Kreis verengt sich der Sinn,/ es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken.“
Schiller, Friedrich von (1759-1805), deutscher Dichter, Historiker, Philosoph, in: Turandot II, 4, Altoum: „Je näher/ dem Gipfel, desto schwerer ist der Fall.“
Schiller, Friedrich von (1759-1805), deutscher Dichter, Historiker, Philosoph, in: Wallensteins Tod IV, 6, Gordon: „Das Leben wagt der Mut, nicht das Gewissen.“
Schiller, Friedrich von (1759-1805), deutscher Dichter, Historiker, Philosoph: „Der Siege göttlichster ist das Vergeben.“
Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst (1768-1834), protestantischer Theologe, Altphilologe, Philosoph, Publizist, Staatstheoretiker, Kirchenpolitiker und Pädagoge, erster moderner Soziologe, gilt als Begründer der Hermeneutik, in: Monologe: „Ist es wahr, daß wir alle auf Erden abhängig wandeln, und ungewiß der Zukunft? daß ein dichter Schleier dem Menschen, was er sein wird, verbirgt, und daß des Schicksals blinde Macht [...] mit unsern Entschlüssen wie mit unseren Wünschen spielt? O freilich, wenn Entschlüsse nur Wünsche sind, so ist der Mensch des Zufalls Spiel! Wenn er nur im Wechsel flüchtiger Empfindungen und einzelner Gedanken [...] sich selbst zu finden weiß; wenn er im ungewissen Haben äußerer Gegenstände, im schwindelnden Betrachten des ewigen Wirbels [...] sein ganzes Leben hindurch begriffen ist, und niemals tiefer in sein eigenes Wesen dringt; wenn er [...] immer nur Einzelnes und Äußeres sieht und betreiben und besitzen will, wie ihm die Empfindung des Augenblicks gebietet: dann kann ihm das Schicksal feindselig rauben, was er begehrt [...]. Denn schrecklich muß es den Menschen ergreifen, wenn er nimmer dazu gelangt sich selbst zu fassen; wenn jeder Lichtstrahl, der in die unendliche Verwirrung fällt, ihm klarer zeigt, er sei kein freies Wesen, sei eben nur ein Zahn in jenem großen Rade, das ewig kreisend sich, ihn und alles bewegt. Nur Hoffnung, immer wieder aller Erfahrung, allem Bewußtsein zum Trotz erneute Hoffnung auf glücklichen Wechsel oder auf endliches Erbarmen muß seine einzige Stütze sein.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph, in: Die Welt als Wille und Vorstellung, Bd. 2: „Was wir im Tode fürchten, ist keineswegs der Schmerz: Denn teils liegt dieser offenbar diesseits des Todes; teils fliehn wir oft vor dem Schmerz zum Tode [...]. Wir unterscheiden also Schmerz und Tod als zwei ganz verschiedene Übel: Was wir im Tode fürchten, ist in der Tat der Untergang des Individuums, als welcher er sich unverhohlen kundgibt, und da das Individuum der Wille zum Leben selbst in einer einzelnen Objektivation ist, sträubt sich sein ganzes Wesen gegen den Tod.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph, in: Die Welt als Wille und Vorstellung: „Der Tod [...] gleicht dem Untergange der Sonne, die nur scheinbar von der Nacht verschlungen wird, wirklich aber, selbst Quelle alles Lichtes, ohne Unterlass brennt, neuen Welten neue Tage bringt, allezeit im Aufgange und allezeit im Niedergange. Anfang und Ende trifft nur das Individuum, mittelst der Zeit, der Form dieser Erscheinung für die Vorstellung.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph, in: Die Welt als Wille und Vorstellung: „Wenn, was uns den Tod so schrecklich erscheinen lässt, der Gedanke des Nichtseins wäre; so müssten wir mit gleichem Schauder der Zeit gedenken, da wir noch nicht waren. Denn es ist unumstößlich gewiss, dass das Nichtsein nach dem Tode nicht verschieden sein kann von dem vor der Geburt, folglich auch nicht beklagenswerter. Eine ganze Unendlichkeit ist abgelaufen, als wir noch nicht waren; aber das betrübt uns keineswegs. Hingegen, dass nach dem momentanen Intermezzo eines ephemeren Daseins eine zweite Unendlichkeit folgen sollte, in der wir nicht mehr sein werden, finden wir hart, ja unerträglich. Sollte nun dieser Durst nach Dasein etwa dadurch entstanden sein, dass wir es jetzt gekostet und so gar allerliebst gefunden hätten?“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph, in: Die Welt als Wille und Vorstellung: „Wenn wir nun, nach diesen Betrachtungen, zu uns selbst und unserm Geschlechte zurückkehren und dann den Blick vorwärts, weit hinaus in die Zukunft werfen, die künftigen Generationen, mit den Millionen ihrer Individuen, in der fremden Gestalt ihrer Sitten und Trachten uns zu vergegenwärtigen suchen, dann aber mit der Frage dazwischenfahren: Woher werden diese Alle kommen? Wo sind sie jetzt? - Wo ist der reiche Schoß des weltenschwangeren Nichts, der sie noch birgt, die kommenden Geschlechter? - Wäre darauf nicht die lächelnde und wahre Antwort: Wo anders sollen sie sein, als dort, wo allein das Reale stets war und sein wird, in der Gegenwart und ihrem Inhalt, also bei Dir, dem betörten Präger, der, in diesem Verkennen seines eigenen Wesens, dem Blatte am Baume gleicht, welches im Herbste welkend und im Begriff abzufallen, jammert über seinen Untergang und sich nicht trösten lassen will durch den Hinblick auf das frische Grün, welches im Frühling den Baum bekleiden wird, sondern klagend spricht: »Das bin ja Ich nicht! Das sind ganz andere Blätter!« - O törichtes Blatt! Wohin willst du? Und woher sollen andere kommen? Wo ist das Nichts, dessen Schlund du fürchtest? - Erkenne doch dein eigenes Wesen, gerade Das, was vom Durst nach Dasein so erfüllt ist, erkenne es wieder in der innern, geheimen, treibenden Kraft des Baumes, welche, stets eine und die selbe in allen Generationen von Blättern, unberührt bleibt vom Entstehn und Vergehn.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph, in: Parerga und Paralipomena I: „Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph, in: Parerga und Paralipomena I: „Was aber die Leute gemeiniglich das Schicksal nennen, sind meistens nur ihre eigenen dummen Streiche.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), deutscher Philosoph: „An einem jungen Menschen ist es in intellektueller und auch moralischer Hinsicht ein schlechtes Zeichen, wenn er im Tun und Treiben der Menschen sich recht früh zurechtzufinden weiß, sogleich darin zu Hause ist und wie vorbereitet in dasselbe eintritt: Es kündigt Gemeinheit an. Hingegen deutet in solcher Beziehung ein befremdetes stutziges, ungeschicktes und verkehrtes Benehmen auf eine Natur edlerer Art.“
Schweitzer, Ludwig Philipp Albert (1875-1965), deutsch-französischer Arzt, evangelischer Theologe, Organist, Musiker, Schriftsteller, Philosoph und Pazifist, erhielt 1952 den Friedensnobelpreis: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen.“
Schöffl-Pöll, Elisabeth: „Halt nicht Ausschau nach dem großen Schweifstern am Firmament, sondern folge dem kleinen Licht in dir.“
Seneca (Lucius Annaeus Seneca, um 4 v. Chr. - Freitod 65 n. Chr.), römischer Staatsmann, Naturforscher, Dramatiker, Philosoph und Stoiker, in: Vom glückseligen Leben: „Der Tod bedeutet Nichtssein. Was dies ist, weiß ich schon. Dies wird der Zustand nach meiner Existenz sein, wie er schon vor meiner Existenz war. Wenn darin etwas Schlimmes liegt, so muss es auch darin gelegen haben, ehe wir das Licht der Welt erblickten. Doch wir haben damals keinen Schmerz gefühlt. Wäre es wohl nicht töricht, glauben zu wollen, es sei schlimmer für die Lampe, wenn sie erloschen ist, als bevor sie angezündet wird. Auch wir werden angezündet und erlöschen wieder; in der Zwischenzeit empfinden wir Schmerz; vorher und nachher aber ist tiefe Ruhe.“
Seneca (Lucius Annaeus Seneca, um 4 v. Chr. - Freitod 65 n. Chr.), römischer Staatsmann, Naturforscher, Dramatiker, Philosoph und Stoiker, in: Vom glückseligen Leben: „Fordert die Natur das zurück, was sie uns zuallererst geliehen hat, so werden wir auch in diesem Falle sagen: Nimm meinen Geist wieder hin, besser als du mir ihn gabst; ich fliehe nicht und weigere mich nicht; da hast du wieder, was du mir gabst, ohne dass ich es wusste; willig gebe ich es zurück; nimm es! Dahin zurückkehren, woher man kam, was ist daran Schweres? Schlecht lebt jeder, der nicht gut zu sterben weiß.“
Seneca (Lucius Annaeus Seneca, um 4 v. Chr. - Freitod 65 n. Chr.), römischer Staatsmann, Naturforscher, Dramatiker, Philosoph und Stoiker: „Selten tritt dem Weisen das Schicksal in den Weg.“
Seume, Johann Gottfried (1763-1810), deutscher Schriftsteller und Dichter, in: Apokryphen: „Wer den Tod fürchtet, hat das Leben verloren.“
Seume, Johann Gottfried (1763-1810), deutscher Schriftsteller und Dichter: „Wer nichts fürchtet, kann leicht ein Bösewicht werden, aber wer zu viel fürchtet, wird sicher ein Sklave.“
Shakespeare, William (1564-1616) englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler, in: Hamlet III, 1: „Sterben - schlafen -/ Schlafen! Vielleicht auch träumen! - Ja, da liegt’s:/ Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,/ wenn wir den Drang des Ird’schen abgeschüttelt,/ das zwingt uns stillzustehn. Das ist die Rücksicht,/ die Elend lässt zu hohen Jahren kommen./ Denn wer ertrüg’ der Zeiten Spott und Geißel,/ des Mächt’gen Druck, des Stolzen Misshandlungen,/ verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub,/ den Übermut der Ämter und die Schmach,/ die Unwert schweigendem Verdienst erweist,/ wenn er sich selbst in Ruhstand setzen könnte/ mit einer Nadel bloß? Wer trüge Lasten/ und stöhnt’ und schwitzte unter Lebensmüh’?/ Nur dass die Furcht vor etwas nach dem Tod -/ das unentdeckte Land, von des Bezirk/ kein Wanderer wiederkehrt - den Willen irrt,/ dass wir die Übel, die wir haben, lieber/ ertragen, als zu unbekannten fliehn.“
Shakespeare, William (1564-1616) englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler, in: König Heinrich V., IV, 1, König Heinrich: „Es ist ein Geist des Guten in dem Übel,/ zög’ ihn der Mensch nur achtsam da heraus.“
Sophokles (496-406/405 v. Chr.), griechischer Dichter: „Schau und du wirst es finden - was nicht gesucht wird, das wird unentdeckt bleiben.“
Staël, Frau von (Anna Louise Germaine de Staël-Holstein, 1766-1817), französische Schriftstellerin mit Schweizer Abstammung, gilt als Begründerin der Literatursoziologie und vergleichenden Literaturwissenschaft, in einem Brief an ihren Sohn August, am 31. Dezember 1805: „Ach! welch schrecklicher Gedanke, dass wir sterben müssen und welche ewiges Wunder, dass wir das immer wieder vergessen können!“
Stifter, Adalbert (Pseudonym: Ostade, 1805-1868), österreichischer Schriftsteller, Maler und Pädagoge, zählt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeier, in einem Brief an Gustav Heckengast am 12. Juni 1856: „Wie es sein wird, wenn wir die Grenze dieses Lebens betreten haben, wenn sein letzter Atemzug vorbei ist - wer kann es sagen? Dass alles, was göttlich ist, nicht untergehen kann, ist gewiss: Geht doch nicht einmal ein Sandkorn verloren, nicht einmal ein Wassertropfen, wir wissen es und wir sehen es, dass beides nicht Nichts werden könne, sondern dass es nur die Gestalt wechselt [...] Was in uns denkt, fühlt, liebt, hasst, Gott anbetet, ins Jenseits übergreift, ist sogar ein ganz und gar Unwandelbares [...]. Es ist, wir können sein Nichtsein nicht denken und [...] wie dasselbe ohne menschlichen Körper ist, können wir nicht fassen, weil wir nur durch den Körper fassen, wie der, welcher von einer Seite eines Berges sieht, nie, solange er sich dort befindet, sehen kann, was hinter dem Rücken des Berges ist; aber was auch sein möge hinter jener Grenze, die unsere Augen schließt: es ist das Beste, Herrlichste und Weiseste, dessen dürfen wir gewiss sein, das lehrt uns das Stück Leben, welches wir Diesseits nennen, hinreichend [...].“
Stifter, Adalbert (Pseudonym: Ostade, 1805-1868), österreichischer Schriftsteller, Maler und Pädagoge, zählt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeier: „Es regnet viele Tropfen, ehe man Einsicht gewinnt, und Jahre vergehen, ehe man weise wird.“
Storm, Hyemeyohsts, Weisheit der Indianer: „Wie die Lehrer sagten, gibt es nur eines, das allen Menschen gleichermaßen eigen ist - das ist ihre Einsamkeit. Keine zwei Personen auf der Oberfläche dieser Erde sind sich in irgendetwas gleich, außer in ihrer Einsamkeit. Das ist die Ursache für unser Wachstum, aber es ist auch die Ursache für unsere Kriege. Liebe, Hass, Neid und Großzügigkeit sind alle in unserer Einsamkeit verwurzelt, dem Wunsch, gebraucht und geliebt zu werden. Der einzige Weg, unsere Einsamkeit zu überwinden, ist das Berühren. Nur auf diesem Wege können wir lernen, ganze Wesen zu sein. Gott ist eine Gegenwart dieses Ganzen.“
Stuna, Annemarie: „Im alten Menschen ruht ein Schatz, den die Jugend braucht, um ihr Leben meistern zu können.“
Sölle, Dorothée (1929-2003), deutsche evangelische Theologin, Literaturwissenschaftlerin, Poetin, Schriftstellerin: „Liebesfähig zu werden ist das Ziel des Lebens.“
Tagore, Rabindranath (1861-1941), indisch-bengalischer Dichter und Philosoph, Nobelpreis für Literatur 1913, in: Sadhana, Das Problem des Selbst: „Denn das Leben ist unsterbliche Jugend, und es hasst das Alter, das seine Bewegungen zu hemmen sucht, das Alter, das nicht wirklich zum Leben gehört, sondern ihm folgt, wie der Schatten der Lampe folgt.“ (Im Ordner ‚Bewusstsein-Spiritualität‘ findet sich das berühmte Buch Tagores „Sadhana“ vollständig.)
Tagore, Rabindranath (1861-1941), indisch-bengalischer Dichter und Philosoph, Nobelpreis für Literatur 1913, in: Sadhana, Die Verwirklichung der Schönheit: „Je mehr wir uns der Harmonie in unsrer Seele bewusst werden, desto umfas­sender begreifen wir die Glückseligkeit des Weltgeistes, und der Ausdruck der Schönheit in unserm Leben strebt in Güte und Liebe dem Unendlichen zu. Dies ist das letzte Ziel unsres Daseins, dass wir uns immer bewusst sind: >Schönheit ist Wahrheit, Wahrheit ist Schön­heit< ...“ (Im Ordner ‚Bewusstsein-Spiritualität‘ findet sich das berühmte Buch Tagores „Sadhana“ vollständig.)
Thoreau, Henry David (1817-1862), amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, in der Vorrede zu seinem 1854 erschienenen „Klassiker aller Alternativen“: Walden - oder Leben in den Wäldern: „Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer, es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“
Thurber, James Grover (1894-1961), US-amerikanischer Schriftsteller und Zeichner: „Gedanken sind Energie. Durch Denken hast du dein Schicksal in der Hand.“
Tolstoi, Lew Nikolajewitsch Graf (1828-1910, nach gregorianischem Kalender), russischer Nationaldichter und Schriftsteller: „Die Menschen, die berufen sind, den andern durch Geistesarbeit zu dienen, leiden immer in der Ausübung dieser Arbeit; denn die geistige Welt gebiert nur unter Schmerzen und Qualen.“
Tolstoi, Lew Nikolajewitsch Graf (1828-1910, nach gregorianischem Kalender), russischer Nationaldichter und Schriftsteller: „Es gibt eine wichtige Zeit: den Augenblick; sie ist darum die wichtigste, weil man nur in ihr Gewalt über sich hat. Es gibt einen wichtigsten Menschen: den, mit dem du im Augenblick zusammen bist. Und deine wichtigste Aufgabe ist, ihm Gutes zu tun.“
Tseng Kuang, chinesischer Philosoph: „Über Vergangenes mach dir keine Sorgen, dem Kommenden wende dich zu.“
Tucholsky, Kurt (1890-1935), deutscher Journalist und Schriftsteller, schrieb auch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignatz Wrobel, in seinem Abschiedsbrief an Mary Gerold kurz vor seinem Freitod am 19. Dezember 1935: „Liebe Mala, will Ihm zum Abschied die Hand geben und Ihn um Verzeihung bitten für das, was Ihm einmal angetan hat. Hat einen Goldklumpen in der Hand gehabt und sich nach Rechenpfennigen gebückt; hat nicht verstanden und hat Dummheiten gemacht, hat zwar nicht verraten, aber betrogen, und hat nicht verstanden. Und jetzt sind es beinah auf den Tag sieben Jahre, dass weggegangen ist, nein, dass hat weggehn lassen - und nun stürzen die Erinnerungen nur so herunter, alle zusammen. Ich weiß, was ich in Ihm an Ihm klage: unser ungelebtes Leben. [...] Seine liebevolle Geduld, diesen Wahnwitz damals mitzumachen, die Unruhe, die Geduld, neben einem Menschen zu leben, der wie ewig gejagt war, der immerzu Furcht, nein, Angst gehabt hat, jene Angst, die keinen Grund hat, keinen anzugeben weiß, heute wäre sie nicht mehr nötig. Heute weiß. Wenn Liebe das ist, was einen ganz und gar umkehrt, was jede Faser verrückt, so kann man das hier und da empfinden. Wenn aber zur echten Liebe dazu kommen muss, dass sie währt, dass sie immer wieder kommt, immer und immer wieder -: dann hat nur ein Mal in seinem Leben geliebt. Ihn. Es war wie Glas zwischen uns - ich war schuld.“
Ueland, Brenda (1891-1985), US-amerikanischen Autorin: „Da Du nicht wie irgendein anderes Wesen bist, das seit dem Anbeginn der Zeit erschaffen wurde, bist Du unvergleichlich.“
Uhland, Johann Ludwig (auch: Louis Uhland, 1787-1862), deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist, Politiker: „Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst, / Er trägt nicht Gold, er trägt nicht Fürstengunst, / Er bringt Verbannung, Hunger, Schmach und Tod; / Und doch ist dieser Dienst der höchste Dienst. / Ihm haben unsre Väter sich geweiht, / Ihm hab’ auch ich mein Leben angelobt, / Er hat mich viel gemühet, nie gereut.“
Uhland, Johann Ludwig (auch: Louis Uhland, 1787-1862), deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist, Politiker: „Nicht das Freuen, nicht das Leiden / stellt den Wert des Lebens dar. / Immer nur wird das entscheiden, / was der Mensch dem Menschen war.“
Voltaire (François-Marie Arouet, 1694-1778), einer der bedeutendsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung, in: Aphorismen und Gedankenblitze: „Ergeben wir uns in das Schicksal, das uns spottet und uns fortreißt. Leben wir solange und so gut wir können. [...] In Wahrheit hängt nichts von uns ab, denn wir sind Uhren, Maschinen.“
Voltaire (François-Marie Arouet, 1694-1778), einer der bedeutendsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung: „Vom ersten Schritt, den du unternimmst, hängt der Rest deiner Tage ab.“
Waggerl, Karl Heinrich (Karl Waggerl, 1897-1973), gehört als österreichischer Schriftsteller mit Übersetzungen seiner Werke in mehr als ein Dutzend Sprachen zu den meistgelesenen Autoren des 20. Jahrhunderts: „Wir sterben viele Tode, solange wir leben; der letzte ist nicht der bitterste.“
Waggerl, Karl Heinrich (Karl Waggerl, 1897-1973), gehört als österreichischer Schriftsteller mit Übersetzungen seiner Werke in mehr als ein Dutzend Sprachen zu den meistgelesenen Autoren des 20. Jh., in: Fröhliche Armut: „Denn es ist schon so: Nur ein erfülltes Leben gibt einem Menschen wirklich Wert und Festigkeit in seinem Wesen, nicht Bildung oder feine Lebensart oder was wir sonst noch für wichtig halten, - nur ein erfülltes Leben. Ein Mensch muss ins Ganze wachsen wie ein Baum, der sich streckt bis zum Äußersten seiner Gestalt und keinen Zweig in seiner Krone verkümmern lässt, den ihm der Himmel zu tragen erlaubt. Was uns ansteht, will getan sein, nicht nur gedacht. Wohin führt uns am Ende alles Geschwätz über Gott und die Welt, kann es trösten, zufriedener machen, weiser? Heute noch, wenn ich einmal abends über die Felder laufe, mit meiner Unruhe im Leibe, und ich treffe den Nachbar unterwegs und lehne mich eine Weile neben ihm auf den Zaun, dann ist, was mir der Mann sagen kann, freilich keine Offenbarung für mich. Er hat auch nur Sorgen, denkt an sein Korn, oder eine Kuh wird kalben, darauf lässt sich nichts Geistvolles erwidern. Und doch, es rührt mich an, es ist kein hohler Mund, der da plappert, sondern ein ganzer Mensch redet aus der runden Fülle und Breite seiner Welt. Und mit einem Male bin ich selber nicht mehr so verzagt, ich gehe heim und nehme auch meine Arbeit wieder auf.“
Weber, Carl Maria Friedrich Ernst von (1786-1826), deutscher Komponist, Dirigent und Pianist, in einem Brief an Caroline Brandt, Dresden, am 9. Juni 1817: „Du wirst einsehen lernen, dass jeder Mensch der Schöpfer seines eigenen Glücks ist, und meistens ungerechterweise das Schicksal anklagt. Wer imstande ist, den Zweck seiner Bestimmung und seines Lebens einzusehen, und daher einig mit sich selbst ist, dem können die widerlichen wie die glücklichen Zufälle des Lebens nur zur weiteren Ausbildung und Beruhigung führen.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller: „Die Seele kommt alt zur Welt, aber sie wächst und wird jung. Das ist die Komödie des Lebens. Der Leib kommt jung zur Welt und wird alt. Das ist die Tragödie unseres Daseins.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller: „Immer auf dem Sprunge stehen – das nenne ich Leben. Von Sicherheit eingewiegt werden bedeutet sicheren Tod.“
Wilder, Thornten (1897-1975), amerikanischer Romancier, gehört zu den bedeutendsten amerikanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts: „Der Gelassene nützt seine Chancen besser als der Getriebene.“
Wittgenstein, Ludwig (1889-1951), österreichisch-britischer Philosoph, in: Tractatus logico-philosophicus: „Der Sinn der Welt muss außerhalb ihrer liegen. In der Welt ist alles, wie es ist, und geschieht alles, wie es geschieht; es gibt in ihr keinen Wert - und wenn es ihn gäbe, so hätte er keinen Wert. Wenn es einen Wert gibt, der Wert hat, so muss er außerhalb allen Geschehens und So-Seins liegen. Denn alles Geschehen und So-Sein ist zufällig. Was es nichtzufällig macht, kann nicht in der Welt liegen, denn sonst wäre dies wieder zufällig. Es muss außerhalb der Welt liegen.“
Wittgenstein, Ludwig (1889-1951), österreichisch-britischer Philosoph, in: Tractatus logico-philosophicus: „Die zeitliche Unsterblichkeit der Seele des Menschen, das heißt also ihr ewiges Fortleben auch nach dem Tode, ist nicht nur auf keine Weise verbürgt, sondern vor allem leistet diese Annahme gar nicht das, was man immer mit ihr erreichen wollte. Wird denn dadurch ein Rätsel gelöst, dass ich ewig fortlebe? Ist denn dieses ewige Leben dann nicht ebenso rätselhaft wie das gegenwärtige? Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit.“
Zen-buddhistische Weisheit: „Es gehört viel Mut dazu, einfach zu erklären, dass der Zweck des Lebens darin besteht, sich seiner zu erfreuen.“
Zen-Weisheit: „Dem sind keine Grenzen gesetzt, der sie nicht hinnimmt.“
Zen-Weisheit: „Der Anker des Lebens ist Liebe und Mitgefühl.“
Zen-Weisheit: „Der Weg ist das Ziel.“
Zen-Weisheit: „Folge nicht den Spuren der Meister, suche was sie gesucht haben.“
Zen-Weisheit: „Lene loszulassen: Das ist der Schlüssel zum Glück.“
Zen-Weisheit: „Wer sanft auftritt, kommt weit.“
Zigeunerweisheit: „Es ist keiner in der Welt glücklicher, als wer in den Kinderwindeln stirbt.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller, in: „Fantastische Nächte“: „Wer einmal sich selbst gefunden, kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren. Und wer einmal den Menschen in sich begriffen, er begreift alle Menschen.“