GEBETE UND MEDITATIONEN





Johann Gottfried Seume (1763-1810), deutscher Schriftsteller und Dichter; hier zwei eigenständige im Original unzusammenhängende Sentenzen aus seinen „Apokryphen“, die 1811 postum veröffentlicht wurden:

Gott ist allerdings das letzte, höchste, vollkommenste Urideal; aber wir haben von ihm nicht mehr, als er uns von sich in die Sinnenwelt gegeben hat. Alles ist also einigermaßen Anthropomorphismus [Übertragung der menschlichen Eigenschaften auf göttliche Wesen]. Der Gott des Phidias [einer der größten griechischen Bildhauer der Antike; er hat von etwa 490 bis etwa 420 v. Chr. gelebt] ist göttlicher, weil er menschlicher ist. Zu dem Gotte des Plato [ein berühmter griechischer Philosoph; gelebt hat er etwa von 427-347 v. Chr.] erhebt sich kaum der Gedanke mit seiner größten Anstrengung und begreift am Ende von ihm fast nur die postulierte Notwendigkeit. Gott ist a priori [lat. von vornherein, unabhängig von der Wahrnehmung] das Prototyp alles Guten in der Natur, aber das Gute in der Natur ist a posteriori [lat. aus der Wahrnehmung gewonnen, aus der Erfahrung; der Ggs. also von a priori] wieder für uns das Prototyp des Göttlichen. Jeder macht allerdings seine Welt und seinen Gott und einigermaßen sich selbst: aber wer wollte eine so scholastische [spitzfindige, rein verstandesmäßige] Sprache unter den Menschen reden, da sie kaum von den Isolierten der Mystik verstanden wird? …
Die Philosophen mögen streiten über die Natur der Wahrheit. Für das Gute haben wir nur ein einziges haltbares Kriterion: daß es nütze; nicht zuweilen und einzeln, sondern immer und allgemein. Der Probestein des Guten ist Allgemeinheit und Dauer des Nutzens; nicht Vorteils. Der Vorteil zerstört den Nutzen. Diese Allgemeinheit nannten die Alten Eudämonie
[Glückseligkeit, seelisches Wohlbefinden]; Kant [der deutsche Philosoph, 1724-1804] nennt sie allgemeine Harmonie. Dieser Probestein ist auch zugleich der Bestimmungsgrund. Kalte Vernunft kann Regel, aber nie Bestimmungsgrund werden. Wenn das Gute aufhört zu nützen, hört es auf gut zu sein: seine Natur ist, daß es nütze. Eine Tat kann mir den Tod bringen, aber ihr Beweggrund, allgemein und immer befolgt, würde allgemeinen Segen schaffen; folglich ist die Tat gut. Nicht die einzelne zufällige Erscheinung, die ganze Folge notwendiger Wirkung muß beachtet werden. Kleine Seelen zielen ins Einzelne und werden selbstsüchtig; große tragen mit Aufopferung ins Ganze und helfen die Harmonie reiner stimmen.

Peter Loibl (*1967) in seiner Novelle „Der letzte Religionsstifter“, erschienen im Drei Eichen Verlag, 2010, S. 177 - als Essenz der Einweihung und Begegnung mit allen sieben großen Weltreligionen:

Religionen, ihr Menschengebilde,
Interessengesteuert, was führt ihr im Schilde?
Der Stifter Gedanken oft falsch übersetzt,
Verfremdete Lehren haben Herzen verletzt.
Ihr Menschen, zeigt Reue und kehret zurück!
Zur einzigen Wahrheit - zum himmlischen Glück.

Vereint ist die Sehnsucht,
Zu Ende die Flucht,
Das Eine in Allem
Wird niemals verhallen.
Ein ICH und ein DU, die gibt es SO nicht.
Sie leuchten verborgen im EINEN Licht.

AutorIn unbekannt - Freude:

Wir sehnen uns danach, fröhliche Menschen zu sein. Aber es ist so schwer, fröhlich zu sein: Vieles, was wir uns wünschen, bleibt unerfüllt - Menschen, die wir suchen, bleiben uns fern - unser Körper ist krank, und wir sind wie abgeschrieben vom Leben. Darum können wir nicht fröhlich sein. Wir meinen, wenn wir alles haben, wenn uns nichts belastet, dann könnten wir fröhlich sein. Und wann wird das sein? - Eigenartig: Es gibt Menschen, die sehr bescheiden leben und doch fröhlich sind, die unheilbar krank sind und andere froh machen. Vielleicht irren wir uns, wenn wir unser Glück von einem reich ausgestatteten und ungehinderten Leben erwarten? - Sicherlich. - Vielleicht ist es etwas anderes, was Freude in unser Leben gibt – auch wenn wir verzichten müssen, auch wenn wir krank sind? - Gott! - Herr, mache uns zu fröhlichen Menschen, die aus Dir Freude nehmen. Lass uns erkennen, dass Du uns reich machst und nicht unsere Güter und unsere Kraft. Amen. - Die Bibel sagt: Wenn Christus uns nun zu Gott gebracht hat und von uns nur der Glaube verlangt wird, wenn wir durch unser einfaches Vertrauen zu ihm, Menschen werden nach seinem Herzen, dann ist Friede zwischen Gott und uns. Dann ist die Tür offen, und die Freundlichkeit Gottes umgibt uns wie ein Lichtschein. Dann freuen wir uns und preisen Gott und verlassen uns darauf, dass wir seine Liebe in alle Ewigkeit nicht mehr verlieren werden. - Psalm 34, 6: „Die auf den Herrn sehen, werden strahlen vor Freude.“

Albert Bartsch:

Geh auf - heller Schein,
dring in unsre Herzen ein.

Schenke uns ein neu Erwachen
und ein sonnenhelles Lachen
in den Tag hinein!

Gott mach du uns allezeit
Für der Sonne Licht bereit,

dass wir frohe Menschen werden,

deren Herzen schon auf Erden

voller Ewigkeit!

Petar Konstantinow Danov (Bejinsa Duno, 1884-1944), bulgarischer spiritueller Lehrer, Meister und Gründer der religiösen Gemeinschaft der Universellen Weißen Bruderschaft.
- Das kleine Gebet:

Herr, mein Gott,
mache mich Dein Gesicht sehen,
lasse mich wegen Deines Namens freuen.
Segne mich wegen Deiner Barmherzigkeit.
Heilige mich wegen Deines Geistes.
Erhebe mich wegen Deines Wortes.
Helfe mir wegen Deines Versprechens.
Führe mich wegen Deiner Wahrheit.
Stütze mich wegen Deiner Gerechtigkeit.
Sei gesegnet, Herr, immer, da Du gütig und wahrhaftig zu allen bist.

Die auf unserer eigenen Netzseite (unter: Beiwerke/Schriften-Archiv/Bewusstsein-Spiritualität) hinterlegten Texte des Meisters sind Kopien aus seiner öffentlichen Bibliothek, wie sie hier gemeinfrei zugänglich ist. - Außerdem verweisen wir auf das Portal Beinsa.de, mit einer ebenso großen Auswahl an Publikationen.

Petar Konstantinow Danov (Bejinsa Duno, 1884-1944) - Auszug aus: "Der Meister spricht":

Man kann nur an die Liebe glauben, jeder andere Glaube ist eine Lüge.
Die Liebe kennt keine Nationen!
Die Liebe kennt keine Religionen!
Sie selbst schafft die Religion der Liebe!
In der göttlichen Welt gibt es keine Religionen. Dort existiert nur die Liebe. Die Atmosphäre der göttlichen Welt ist Liebe und alles dort atmet Liebe! Da sich die Liebe auf Erden noch nicht zu offenbaren vermag, erscheinen hier die Religionen. Wollt ihr aber Gottes Willen erfüllen, müsst ihr unbedingt die Religionen durch Lieb ersetzen. Ein Augenblick gelebt in der Liebe, ist mehr wert, als 1000 Jahre gewöhnlichen Menschenlebens, zugebracht in den größten Vergnügungen und Genüssen. Lieben wir, so suchen wir Gott. Wir müssen Gott lieben, um Ihn in uns aufnehmen zu können und um zu verstehen, was er ist. Nehmen wir ihn in uns auf, so bekommen wir einen Begriff von seiner Weisheit.
In der Hl. Schrift heißt es: Du sollst Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all deinem Verstand und mit all deiner Kraft lieben. Und du sollst deinen Nächsten mehr lieben als dich selbst. Dies ist ein Gesetz, welches sich in drei Welten äußert. Durch die Liebe zu Gott befindet man sich in der Göttlichen Welt. Durch die Liebe zu seiner eigenen Seele in der geistigen und durch die Liebe zu seinem Nächsten in der physischen Welt. Wendet der Mensch dieses Gesetz an, so wird keine Macht der Welt ihm widerstehen können. Es wird keinen Gedanken geben, der sich ihm nicht unterwirft und sich in den Dienst seiner Ideale stellt. Merkt euch diese Tatsache: Nur Gott allein liebt, denn Gott ist Liebe. Der Mensch kann nur Leiter der Liebe sein, selbst lieben kann er nicht. Von jemand geliebt sein zu wollen, heißt: Von Gott geliebt sein zu wollen. Damit Gott auf Erden seine Liebe äußern kann, sucht er sich Leiter, durch welche Er sie zum Ausdruck bringt ...

Neues Testament, Matthäus 6, 22-34 (Lutherbibel 1912):

Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; - ist aber dein Auge ein Schalk, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! - Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. - Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? - Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? - Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? - Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. - Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eins. - So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen? - Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? - Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. - Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. - Darum sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.

Die Ent-täuschung ist das Ende der Täuschung:

Unaufhaltsam bewegen wir uns auf die Selbsterkenntnis und Vollendung zu,
mit all ihren gefürchteten ungewussten und heiligen Aspekten,
niemand kennt den Ausgang und niemand besitzt die Wahrheit,
aber niemand auch darf sich über sein Maß beschränken oder vereinnahmen lassen.
So gefasst gehen wir friedvoll dem unfehlbaren Ziel entgegen.

Ich zweifle nicht,
ich kritisiere nicht,
ich begehre nicht,
ich bin glücklich,
ich bin gesegnet,
ich lächele und liebe,
und danke nur noch.

Desiderata, Irischer Segen, aus der alten St. Pauls Kirche in Baltimore, verfasst 1692, hier in deutscher Übersetzung der 1927 entstandenen Fassung von Max Ehrmann (1872-1945), dem US-amerikanischen Juristen und Schriftsteller:

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen.
Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte.
Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du stolz werden oder dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als du. Erfreue dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner Pläne.
Bleibe weiter an deinem eigenen Weg interessiert, wie bescheiden auch immer er sein mag. Er ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten. In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum.
Sei du selbst. Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung und sei nicht zynisch, was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras.
Ertrage freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich in plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind die Folge von Erschöpfung und Einsamkeit. Bei einem gesunden Maß an Selbstdisziplin, sei gut zu dir selbst.
Du bist ein Kind des Universums, nicht geringer als die Bäume und die Sterne; du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht: Zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen. Darum lebe in Frieden mit Gott, welche Vorstellung du auch von ihm hast.
Was auch immer dein Mühen und Sehnen ist, in der lärmenden Wirrnis des Lebens, erhalte dir den Frieden mit deiner Seele.
Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.
Sei achtsam.
Strebe danach, glücklich zu sein.

Desiderata, Irischer Segen, aus der alten St. Pauls Kirche in Baltimore, verfasst 1692, in der klassischen Version:

Gehe deinen Weg ruhig - mitten in Lärm und Hast und wisse, welchen Frieden die Stille schenken mag.
Steh mit allen auf gutem Fuße, wenn es geht, aber gib dich selber nicht dabei auf.
Sage deine Wahrheit immer ruhig und klar und höre die anderen auch an, selbst die Unwissenden und Dummen - sie haben auch ihre Geschichte.
Wenn du dich selbst mit anderen vergleichen willst, wisse, dass Eitelkeit und Bitterkeit dich erwarten. Denn es wird immer größere und geringere Menschen geben als dich.

Freue dich an deinen Erfolgen und Plänen. Strebe wohl danach, weiterzukommen, doch bleibe bescheiden. Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens. Sei du selber - vor allem: Heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst.
Doch denke nicht verächtlich von der Liebe, wo sie sich wieder regt. Sie erfährt soviel Dürre und wächst doch voller Ausdauer, immer neu, wie das Gras.
Nimm den Ratschluss deiner Jahre mit Freundlichkeit an und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.
Pflege die Kräfte deines Gemüts, damit es dich schützen kann, wenn Unglück dich trifft. Aber überfordere dich nicht durch Wunschträume. Viele Ängste entstehen durch Enttäuschung und Verlorenheit.
Erwarte eine heilsame Selbstbeherrschung von dir. Im Übrigen aber sei freundlich und sanft zu dir selbst. Du bist ein Kind der Schöpfung, nicht weniger wie die Bäume und Sterne es sind. Du hast ein Recht darauf, hier zu sein. Lebe im Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst. Und so segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

Bibelvers und Kommentar, Jesaja 50,4:

"Der Herr, HERR, hat mir eine Zunge der Belehrten gegeben, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten. Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre wie solche, die belehrt werden."

Bibelvers und Kommentar, aus einer Predigt:

Aus dem Mund des Herrn Jesus gingen "Worte der Gnade" hervor (Lukas 4,22). In seinem ganzen Leben gebrauchte er seine Zunge immer zur Ehre seines Gottes und Vaters. Er tat keine Sünde, "noch wurde Trug in seinem Mund gefunden" (1. Petrus 2,22). Wie zeigt sich darin doch seine Vollkommenheit als wahrer Mensch!
Er, der Gebieter über die ganze Schöpfung, nahm als Sohn des Menschen freiwillig den Platz der Abhängigkeit ein. Er, der die göttliche Weisheit in Person ist, nahm einen Platz ein, als ob Er Belehrung nötig hätte - wie solche, die belehrt werden! Darauf deutet das Prophetenwort aus dem Mund Jesajas hin. Weil Er Mensch geworden ist, vermag Er aus eigener Erfahrung Müde und Verzagte aufzurichten. "Ein Wort zu seiner Zeit, wie gut!" (Sprüche 15,23) Wir Menschen machen oft viel Worte, ohne dass das Herz dahinter steht, und sind dann "leidige Tröster", wie Hiob klagt. Doch was der Herr Jesus der Seele zu geben weiß, kommt aus göttlich liebendem Herzen und ist immer angemessen.
Bist du müde vom Lebenskampf, mutlos im Glaubensleben? Sag es Ihm im Gebet und lass Sein Wort auf Dich einwirken! Ja, wir sollten recht oft Sein Wort aufschlagen und lesen, damit wir Seine Tröstungen auch wirklich kennenlernen. Dann werden wir erfahren, wie der Psalmdichter: "Bei der Menge meiner Gedanken (Sorgen Kümmernisse) in meinem Innern erfüllten Deine Tröstungen meine Seele mit Wonne" (Psalm 94,19).

Das Vater Unser: Der früheren Sängerin und österreichischen Autorin esoterischer Schriften Penny McLean (Gertrude Wirschinger, *1946) ist von Seiten der Engel-Welt diese Urversion des Vater Unser durchgegeben worden:

DAS GEBET UND DAS WORT: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Wort ist Energie, ist Macht, ist fähig, alles, was der, der es verwendet, verwenden kann, zu erzeugen. Das Wort erzeugt Schwingungen, überträgt seine Energie auf seine Umgebung und breitet diese bis in die Unendlichkeit aus. Deswegen überlege genau, was Du sprichst. Je bewusster Du Worte verwendest, desto wirksamer werden sie sein. Kein Wort ist zufällig entstanden. Die Abfolge von Vokalen und Konsonanten hat einen Sinn und eine Wirkung. Das beginnt bei der Verwendung des Wortes Gott. Es darf nie gedankenlos verwendet werden. Denn es beinhaltet konzentrierteste energetische Schwingungen, die immer, ich betone immer, wirksam werden. Werde Dir auch darüber klar, was geschieht, wenn Du betest. Gewöhne Dir an, Deine Gebete in eigene Worte zu kleiden, denn sie geben Deine eigene und momentane Schwingung wieder und können Dich eher in die von Dir gewünschte und verwandte Energie-Form einbringen als auswendig Gelerntes. Außerdem erleichtert das eigene Formulieren von Gebeten das innere Sammeln und das Darstellen von Bitten und Danksagungen. Das Herunterleiern von Gebeten ist absolut wirkungslos. Ein Gebet ist nur von Nutzen, wenn es tief empfunden ist. Das gewaltigste Gebet, das es gibt, ist das „Vater Unser“. Werde Dir bei jedem Satz bewusst, was der tiefere Sinn dessen ist, was Du aussprichst.

„Vater Unser, Herrscher aller Himmel.“
Mit diesem Satz erklärst Du Dich einer hohen energetischen Macht zugehörig, die Du als Deinen Vater, als Deinen Schöpfer bezeichnest. Er hat nicht nur Dich geschaffen, sondern er ist Erschaffer und Herr des ganzen Universums. Und Du bist nach dem Plan dieses Universums erschaffen, das sich in Deiner kleinsten Zelle widerspiegelt.
„Dessen Name von allen in Ehrfurcht genannt wird.“
Jeder, der sich bewusst ist, dass er dieses Ursprungs ist, wird den Namen dieser vollkommenen Energie nur mit Ehrfurcht und Demut nennen. Der Name ist Gott. Nicht nur Menschen nennen diesen Namen, sondern alles, was er erschaffen hat, alles, was existiert, trägt Sein Wort, Seinen Namen in sich, jedes Tier, jede Pflanze, jeder Stein ist eine Lobpreisung der Vollkommenheit und somit eine Verkörperung, eine Nennung Seines Namens.
„Lasse Deine Vollkommenheit in uns erstrahlen.“
Der Plan seiner Vollkommenheit existiert in uns, und durch ihn existieren wir. Du hast die Pflicht, in jeder Form die Vollkommenheit anzustreben. Zeige dich immer bereit, im Plan mitzuwirken, den Plan durch Dich wirken lassen zu wollen, das heißt, erlebe Dein Schicksal mit wachem Bewusstsein und mit Dankbarkeit, denn es ist Dein selbst gewählter Weg zur Vervollkommnung. Je mehr Dir die Gnade der Erkenntnis dieser Vollkommenheit gewährt wird, desto leichter wird Dein Weg sein.
„Lasse uns reifen durch Deinen göttlichen Willen, der in allem und durch alles wirkt.“
Dein Weg der Reife vollzieht sich nach einem universellen Plan, der Dir nach dem Gesetz des freien Willens individuelle Möglichkeiten offenlässt. Je mehr es Dir gelingt, Dich durch innere Harmonie anzuschließen, desto leichter wirst Du auch mit Deiner Umgebung umgehen können. Damit sind nicht nur Menschen gemeint. Auch die Materie fügt sich dem Gesetz der Harmonie. Spirituelle Wesenheiten bestehen ganz aus ihr. Fühle Dich immer als Teil eines Ganzen, fühle Dich mit allen und allem verbunden - das ist der Grundgedanke der Liebe.
„Lass unsere Arbeit gute Früchte tragen.“
Suchen, reifen heißt arbeiten. Hadere nicht mit Deinem Schöpfer wegen Rückschritten, Rückschlägen und schmerzlichen Erfahrungen. Sie sind notwendig Meilensteine auf Deinem Weg. Vergiss nie, nur das Ergebnis zählt. Du bist doch sonst auch gerne bereit, für Qualität mehr als gewöhnlich zu zahlen, tiefer in die Tasche zu greifen, finanzielle Opfer zu bringen. Warum verhältst Du Dich nicht genauso, wenn es um Deine Lebenserfahrung und Reife geht? Bewahre immer die Hoffnung und den Glauben, dass Du Hilfe auf Deinem Weg bekommst und dass die Früchte Deiner Arbeit gut sein werden.
„Und lasse uns nicht schuldig werden.“
Du fragst mich, was das Wort „Schuld“ in diesem Zusammenhang meint: Schuldig werden heißt, gegen die universellen Gesetze zu verstoßen. Natürlich haben auch die zehn Gebote mit den universellen Gesetzen zu tun. Moses bekam sie einst von entwickelten, erfahreneren Wesenheiten mitgeteilt, und sie stellen die Grundlagen einer funktionierenden Gemeinschaft dar. Bei Euch gibt es Gesetzbücher, die beinhalten, wie Verstöße gegen die Gesellschaftsordnung geahndet werden müssen. Es gibt auch ungeschriebene Gesetzbücher. Du trägst ihre Weisungen in Deinem Gewissen. Wenn Du gegen Dein Gewissen handelst, wirst Du schuldig.
„Noch anderen ihre Schuld zur Last legen.“
Ihr habt einen schönen Spruch, der besagt, dass ihr zuerst vor Eurer eigenen Türe kehren sollt. Man läuft oft als Richter Gefahr, sich über den stellen zu wollen, dessen Vergehen man zu richten hat. Auch ein Richter ist ein Diener des Nächsten. Ein Diener ist ein Helfer. Seine erste Pflicht ist, dem Angeklagten seine Schuld bewusst zu machen und ihn zu empfundener Reue zu führen. Ein jeder trage des anderen Last und stehe ihm in Liebe bei. Gerade dann, wenn er schuldig geworden ist.
„Gib uns die Kraft, der Versuchung zu widerstehen.“
Die Versuchung ist eine Prüfung der Willensfestigkeit und zeigt auch, wie reif ein Mensch ist. Sie ist wichtig und notwendig. In dem „Vater Unser“, das ihr betet, heißt es: Und führe uns nicht in Versuchung. Das ist nicht richtig wiedergegeben. Es ist nicht der Vater, der Euch in Versuchung führt, sondern die Versuchung tritt an Euch heran, damit Ihr Klarheit über Euch selbst erlangt und lernt, mit dem freien Willen verantwortungsvoll umzugehen. Im Moment der Versuchung, die immer verlockend und schön erscheint, braucht Ihr die Kraft, alles, was ihr gelernt habt, zugleich zu verwenden. Um die Gnade dieser Kraft bittet den Vater, und er wird Euch beistehen, denn er liebt Euch.
„Und die Kraft, das Böse zu überwinden.“
Mit dem Erkennen des Bösen ist es noch nicht getan. Es genügt nicht, sich dagegen zu entscheiden, sondern Ihr müsst auch den Kampf dagegen aufnehmen. Dadurch könnt Ihr Euch selbst vom Bösen erlösen. Ihr seid keine abhängigen Kinder, sondern Mitstreiter, keine Ausgelieferten, sondern in die Gemeinschaft des Lichts Wachsende und Reifende.
„Um Deiner würdig zu werden in Ewigkeit."
Durch die Kraft der Überwindung, des Wachsens und der Erkenntnis, sowie durch die Kraft der Liebe werdet Ihr auf dem Weg zur Vollkommenheit, zu Gott, immer weiter kommen. Dieser Weg ist steinig, aber notwendig, um ans Ziel zu gelangen. Nur wenn Eure eigene Schwingung der Schwingung der Vollkommenheit entspricht, könnt Ihr von ihr aufgenommen werden. Dann seid Ihr würdig, in der Nähe Gottes zu verweilen.
AMEN.

Vater unser, Herrscher aller Himmel,
Dessen Name von allen in Ehrfurcht genannt wird.
Lasse Deine Vollkommenheit in uns erstrahlen,
Lasse uns reifen durch Deinen göttlichen Willen,
Der in allem und durch alles wirkt.
Lass unsere Arbeit gute Früchte tragen,
Und lasse uns nicht schuldig werden,
Noch anderen ihre Schuld zur Last legen.
Gib uns die Kraft, der Versuchung zu widerstehen,
Und die Kraft das Böse zu überwinden,
Um Deiner würdig zu werden in Ewigkeit.
AMEN

Bibelvers und Kommentar, NT, Römerbrief 12: Das Leben als Gottesdienst:

Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst./ Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene./ Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat./ Denn, wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder die selbe Aufgabe haben,/ so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied,/ und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß./ Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er./ Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er’s gern./ Die Liebe sei ohne Falsch. Wendet euch vom Bösen ab, hängt dem Guten an./ Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor./ Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet./ Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft./ Segnet, die euch verfolgen; segnet und flucht nicht./ Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden./ Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug./ Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann./ Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden./Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): >Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.wenn Deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn Du das tust, so wirst Du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.< (Sprüche 25, 21.22)/ Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Die Handlungen eines Bodhisattvas:

Die sechs Vollkommenheiten im allgemeinen:

Die Vollkommenheit des Gebens
Die Vollkommenheit der moralischen Disziplin

Die Vollkommenheit der Geduld
Die Vollkommenheit des Bemühens

Die Vollkommenheit der geistigen Stabilisierung
Die Vollkommenheit der Weisheit
 

Die sechs Kräfte, um die neun Ebenen des geistigen Verweilens zu erreichen:

Die Kraft des Zuhörens
Die Kraft der Kontemplation
Die Kraft der Achtsamkeit
Die Kraft der Wachsamkeit

Die Kraft des Bemühens
Die Kraft vollkommener Vertrautheit

Die zehn tugendhaften Handlungen und die Faktoren ihrer Vollendung:

Aufgeben von Töten
Aufgeben von Stehlen

Aufgeben von sexuellem Fehlverhalten
Aufgeben von Lügen
Aufgeben von trennender Rede
Aufgeben von verletzender Rede
Aufgeben von leerem Geschwätz
Aufgeben von Habsucht
Aufgeben von Böswilligkeit
Aufgeben von falschen Sichtweisen

Die sechs Ursprungsverblendungen:

Begehrende Anhaftung
Wut
Verblendeter Stolz

Unwissenheit
Verblendeter Zweifel
Verblendete Sichtweisen

Kurzes Gebet der Zufluchtnahme:

Bis wir Erleuchtung erlangen, nehmen ich und alle fühlenden Wesen Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha.

Die vier Unermesslichen erzeugen:

Mögen alle glücklich sein.
Mögen alle frei von Leiden sein.
Möge niemand je von Glück getrennt sein.
Mögen alle Gleichmut besitzen, frei von Hass und Anhaftung.

Widmungsgebet:

Mögen alle Wesen das Glück
Von Menschen und Göttern erfahren
Und schnell Erleuchtung erlangen,
Damit Samsara schließlich endet.

Dschuang Dsi: Alle folgenden fünf Betrachtungen stammen vom chinesischen Philosophen und Dichter Dschuang Dsi (auch: Tschuang-tse bzw. Zhuangzi, um 370 bis 280 v. Chr.). Sein Werk "Das wahre Buch vom südlichen Blütenland" gilt als eines der schönsten und bedeutendsten der chinesischen Geistesgeschichte und des Daoismus.

Yän Hue sagte zu seinem Meister Kung Fu-Dse: Ich habe etwas dazugelernt.
Und was ist es? fragte Kung Fu-Dse.
Ich habe vergessen, daß es Güte und Rechtschaffenheit gibt.
Das ist schon etwas, erwiderte Kung Fu-Dse, doch es genügt noch nicht.
Nach einigen Tagen sagte Yän Hue wieder zum Meister: Ich habe etwas dazugelernt.
Was ist es? fragte Kung Fu-Dse.
Ich habe vergessen, daß es Riten und Ritualmusik gibt.
Das ist schon etwas, erwiderte Kung Fu-Dse, doch es genügt noch nicht.
Einige Tage danach sagte Yän Hue wieder zum Meister: Ich habe etwas dazugelernt.
Was ist es? fragte Kung Fu-Dse.
Ich habe unversehens mich selbst vergessen.
Kung Fu-Dse stutzte. Was soll das heißen? fragte er betroffen.
Die Glieder abwerfen, die Klugheit abtun, Körperlichkeit und Wissen abstreifen und mit dem großen Allesdurchdringenden eins werden.
Das ist es, was ich mit Sich-selbst-vergessen meine.
Eins werden mit dem Allesdurchdringenden bedeutet Verlust aller Wünsche und Neigungen, sagte Kung Fu-Dse, und sich mit dem Allesdurchdringenden wandeln bedeutet Verlust der Bestimmtheit und Erstarrung. Fürwahr ein Weiser bist du geworden. Ich möchte darum bitten, dir als Schüler folgen zu dürfen.

Wer da zu sehen vermag die Leere in allen Dingen, dessen Herz ist wie eine schmucklos leere Kammer, die in ihrem eigenen Licht unbefleckt weiß erstrahlt. Das Heil liegt nur im stillen Verharren. Wer nicht in Stille zu verharren vermag, den könnte man einen im Sitzen Dahinrasenden nennen.

Des rechten Weges tiefster Geist
Dunkelheit und Schweigen heißt.
Des rechten Wegs Gipfel ist
Stille, Stummheit, Finsternis.
Dem Ohr gebietet: Hör nicht hin –
dem Auge: Verschließe deinen Sinn –
der Seele, dass sie ruhig bleib;
dann rückt sich selbst zurecht der Leib.
Bleibt immer ruhig, immer rein.
Setzt eure Kraft nicht nutzlos ein.
Erschüttert nie den Geist, so seid
teilhaftig ihr der Ewigkeit.

Des Weisen Herz ist wie ein Spiegel,
der nichts heranholt und nichts fortschickt.
So manches drückt ihm auf sein Siegel,
doch nichts bleibt in ihn eingedrückt.
Und was an ihm vorüberhetzt
und sich in ihm sein Bild sucht, findet
ʼs.
Er gibt
ʼs zurück, bleibt unverletzt
und unzerstückt und überwindets.

Wenn nichts mehr euer Auge stört,
das Ohr auch keinen Laut mehr hört,
kein Wissen mehr den Sinn entstellt,
der Geist sich in Gewahrsam hält,
so lebt ihr Jahre ungezählt.
Hütet, was in euch ist!
Nach außen verschließt
fest Herz und Mund.
Wenn ihr zu viel wisst,
geht ihr zugrund.

Geschenk:

frei werden,
frei werden von allem,
wie ein weißes Blatt,
ein weißer Strand,
eine weiße Wand,
wie ein Spiegel,
der alles aufnehmen
und alles wieder
vollkommen abgeben kann,
ein Sein, von allem frei,
nichts kann dort sein,
was beunruhigt und stört...

bitte, bitte,
nun ist es gut -
bitte -
lass es einfach sein,
hör einfach auf -
mach dir dieses Geschenk...

Albert Bartsch:

Geborgen  - ganz geborgen
bin ich - so wie ein Kind,
weil alle meine Sorgen
in Gottes Händen sind.

Geborgen - ganz geborgen
bin ich in Gottes Hut,
weil alles - heut und morgen -
in seinen Händen ruht.

Hermann Traub (1944-2013), deutscher evangelikaler Theologe und leitender Pfarrer in der missionarischen Bewegung:

sei gesegnet
ohne die Sorge zu haben
dass nicht genügt
was du tust

sei gesegnet
ohne die Angst zu haben
dass nicht ausreicht
was du bewegst

sei gesegnet
ohne die Furcht zu haben
dass nicht zählt
was du tust

du bist gesegnet
vor Gott
genügt
zählt
und reicht immer aus
seine Gnade

Verheißung, AutorIn unbekannt:

Ein Suchender
möchte ich sein,
nicht einer,
der schon alles weiß.
Eine Suchende
möchte ich bleiben,
denn den Suchenden
ist verheißen,
dass sie finden,
dass sie entdecken
immer wieder neu
im Geringen das Große,
im Kind in der Krippe - Gott.

Franz von Assisi (Franziskus von Assisi, gebürtig: Giovanni Battista Bernardone, 1182-1226), Ordensgründer der Franziskaner, von der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt:

Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.

Kalidasa, indischer Dichter, vermutlich Ende 4. bis Anfang 5. Jahrhundert:

Gruß an die Morgendämmerung
Sieh diesen Tag!
Denn er ist Leben, ja das Leben selbst.
In seinem kurzen Lauf
Liegt alle Wahrheit, alles Wesen deines Seins:
Die Seligkeit zu wachsen,
Die Freude zu handeln,
Die Pracht der Schönheit,
Denn gestern ist nur noch ein Traum,
Und morgen ist nur ein Bild der Fantasie,
Doch heute, richtig gelebt, verwandelt jedes Gestern
In einen glückseligen Traum
Und jedes Morgen in ein Bild der Hoffnung.
So sieh den diesen Tag genau!
Das ist der Gruß der Morgendämmerung.

Das Hohelied der Liebe, aus dem Neuen Testament, 1. Korintherbrief 13:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.
Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.
Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.
Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.
Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.
Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Alt-gälischer Reisesegen:

Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen,
mögest du den Wind im Rücken haben,
und bis wir uns wiedersehen, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Möge warm die Sonne auch dein Gesicht bescheinen,
Regen sanft auf deine Felder fallen,
und bis wir uns wiedersehen, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.