SINNSÄTZE
des großen Themenbereichs
AUSDRUCK – SPRACHE – LITERATUR.
Ali, Muhammad (Cassius Marcellus Clay jr., 1942-1920), US-amerikanische Boxlegende,
verweigerte den Wehrdienst und unterstützte die afroamerikanische
Emanzipationsbewegung: „Die Leute können ein Großmaul nicht ausstehen, aber
zuhören werden sie immer.“
Altenberg, Peter (1859-1919), österreichischer Schriftsteller und Kulturkritiker, in: Prodomos:
„Ein Dichter ist ein Mensch, der in der
Selbst-Hypnose seiner Seele dahinlebt. Falls man ihn rüttelt, auferweckt, sieht
er die Dinge wie die anderen, die Vorgänge des Tages und der Stunde. Aber laßt
ihn! Daß er im lichten Traume verkünde, was da kommen wird!“
Altenberg, Peter (1859-1919), österreichischer Schriftsteller und Kulturkritiker, in: Prodomos:
„Gott denkt in den Genies, träumt in den Dichtern und schläft in den übrigen Menschen.“
Altenberg, Peter (1859-1919), österreichischer Schriftsteller und Kulturkritiker, in: Prodomos:
„Im Menschenleben selbst liegt, erblüht
alle Poesie, wenn er danach lebt! Jeder wird zum Dichter, wenn er seine
überschüssigen Kräfte in sich anhäuft, die zu ‚Symphonien des eigenen Lebens‘
werden! [...] Seine Melancholien drängender Kräfte ertragen können, heißt
Mensch sein! Trauern-können um seine Gott-Unähnlichkeiten! Sich davon jederzeit
erlösen können im ‚geschlechtlichen Rausche‘ ist Feigheit! Es ist: ‚Sich
betrügen um Ideale‘, aus einem tragischen Ideal-Dasein ein bequemes
Hausierer-Leben konstruieren. [...] Wehe denen, die ‚gesund‘ bleiben und ‚friedevoll‘
auf Kosten ihrer Ideale! Satan in uns ist nichts als der verleugnete Gott.“
Arnim, Bettina von (Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena
Brentano, auch: Bettine Brentano, 1785-1859), deutsche
Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik, Schwester
von Clemens Brentano, in: Frühlingskranz: „Auf meiner Seele klarem Grund die Fischchen herumspielen sehen, das
freut dich? – Nun so guck! Wie sie da fahren wie der Blitz hin und her, sie
prallen ans Ufer der allbekannten todbringenden Langeweile, sie stoßen sich den
Kopf ein; und soll ich keine Leuchte anzünden, zwischen diesem klippigten Grund
einen Ausweg zu finden aus der Pfütze – ins Weltenmeer? – Wohin sonst?“
Arnim, Bettina von (Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena
Brentano, auch: Bettine Brentano, 1785-1859), deutsche
Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik, Schwester
von Clemens Brentano, in: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde: „Was soll ich Dir denn schreiben, da ich
traurig bin und nichts neues Freundliches zu sagen weiß? Lieber möcht’ ich Dir
gleich das weiße Blatt schicken, statt daß ich’s erst mit Buchstaben
beschreibe, die doch immer nicht sagen, was ich will.“
AT, Sprüche Salomos, 15, 1 bzw. 15, 4: „Eine gelinde
Antwort stillet den Zorn; ein hartes Wort erregt Grimm. – Eine linde Zunge ist
ein Baum des Lebens; eine lügenhafte bringt Herzeleid.“
Atwood, Margaret Eleanor (*1939), kanadische Dichterin, Schriftstellerin Essayisten: „Die
Antworten, die wir von Literatur erhalten, hängen von den Fragen ab, die wir
stellen.“
Aus Arabien: „Der gute Redner bewirkt, daß die Menschen mit
den Ohren sehen.“
Aus China: „In einem guten Buch ist jeder Buchstabe aus
Gold.“
Aus der Mongolei: „In einem guten Wort steckt Wärme für
drei Winter.“
Aus Israel: „Worte, die von Herzen kommen, gehen zu
Herzen.“
Ausonius, Decimius Magnus (um 310-393/394), spätantiker gallorömischer Staatsbeamter, Prinzenerzieher und
Dichter: „Niemand gefiel durch Schweigen, viele aber durch die Kürze ihres
Ausdrucks.“
Aus Rußland: „Auch
wenn du nur scherzt, mußt du bedenken, was du sagst.“
Aus Rußland: „Ich
preise laut, ich tadle leise.“
Aus Spanien: „Die Zunge ist ein Dolch aus
Fleisch.“
Autor
unbekannt: „Möge deine Zunge nur Worte formen, die du nicht zu bereuen
brauchst.“
Autor unbekannt: „Nimm
dir Zeit zu lesen, das ist die Grundlage der Weisheit.“
Baba, Sathya Sai (Sathya Narayana Raju Ratnakaram, 1926-2011), indischer Guru: „Der Mensch kann
nur aus menschlicher Form Freude gewinnen; er kann Belehrung, Inspiration,
Erleuchtung nur durch menschliche Sprache und menschliche Kommunikation
erhalten!“
Baba, Sathya Sai (Sathya Narayana Raju Ratnakaram, 1926-2011), indischer Guru: „Stille ist die
einzige Sprache der Verwirklichten. Stille wird in euch Gottes- und
Menschenliebe entwickeln. Die meisten Mißverständnisse entstehen aus sorglos
dahin gesprochenen Worten. Ist einmal ein falsches Wort herausgerutscht,
schmerzt die Wunde, die es im Herzen eines anderen hinterließ, ein Leben lang.
Die Zunge ist für vier große Verwirrungen verantwortlich: Falschheit,
Skandalieren, Auffinden der Fehler anderer und zuviel Reden. Vermeidet all
dies, damit Frieden in euch und in der Gemeinschaft der Menschen sei.“
Bachmann, Ingeborg (gelegentliches Pseudonym: Ruth Keller, 1926-1973), gilt als eine der
bedeutendsten Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts in
Österreich: „Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die
Waffen nicht.“
Baggesen, Jens Emmanuel (1764-1826), dänischer Dichter,
Schriftsteller, Übersetzer, 1811-1813 Professor für dänische Sprache und
Literatur in Kiel, Anhänger der Aufklärung: „Die Alten sind uns Neuen überlegen
/ im Büchermachen. Wißt ihr auch warum? / Die Alten schrieben nicht des Geldes
wegen / und druckten nicht fürs Publikum.“
Baudelaire,
Charles-Pierre (1821-1867), einer der größten französischen Lyriker und
Schriftsteller des 19. Jahrhunderts: „Wenn ein schönes Gedicht Tränen in die
Augen drängt, so sind diese Tränen nicht ein Beweis eines freudigen
Überschwanges, sondern sie zeugen von einer Natur, die, in diese
Unvollkommenheit verbannt, sich gleich auf der Erde schon eines geoffenbarten
Paradieses bemächtigen möchte.“
Bengis, Ingrid: „Worte sind eine Form des Handelns, fähig,
Änderungen herbeizuführen.“
Benn, Gottfried (1886-1956), deutscher Arzt, Dichter, Essayist, Eure Etüden: „Eure Etüden, /
Arpeggios, Dankchoral / sind zum Ermüden / und bleiben rein lokal. // Das
Krächzen der Raben / ist auch ein Stück − / dumm sein und Arbeit haben: /
das ist das Glück. // Das Sakramentale − / schön, wer es hört und sieht, / doch
Hunde, Schakale / die haben auch ihr Lied. // Ach, eine Fanfare, / doch nicht
an Fleisches Mund, / daß ich erfahre, / wo aller Töne Grund.“
Benn, Gottfried (1886-1956), deutscher Arzt, Dichter,
Essayist, in: Doppelleben, 1950,
München, dtv 1967, S. 103: „Es ist heute tatsächlich so, es gibt nur zwei
verbale Transzendenzen: die mathematischen Lehrsätze und das Wort als Kunst.
Alles andere ist Geschäftssprache, Bierbestellung.“
Benn, Gottfried (1886-1956),
deutscher Arzt, Dichter, Essayist: „Ein Gedicht entsteht nicht, ein Gedicht
wird gemacht.“
Bonald, Louis-Gabriel-Ambroise de (Vicomte de Ambroise de
Bonald, 1754-1840), französischer Staatsmann, Philosoph, Schriftsteller: „Die
Literatur ist der Ausdruck der Gesellschaft, wie das Wort der Ausdruck des
Menschen ist.“
Bonsels, Jakob Ernst Waldemar (1880-1952), in den 20er Jahren
des 20. Jh. einer der bekanntesten und meistgelesenen deutschen Schriftsteller;
sein in 40 Sprachen übersetztes Buch ‚Die Biene Maja und ihre Abenteuer‘ machte
ihn weltberühmt: „Das eine Buch lehrt
uns das Leben, das andere schönt es.“
Borges, Jorge Luis (1899-1986), argentinischer Schriftsteller
und Bibliothekar: „Die klangvollste Sprache der Welt ist mir die deutsche
Sprache.“
Bruno, Giordano (Filippo Bruno, 1548-1600), italienischer
Priester, Dichter, Philosoph und Astronom, der von der Inquisition zum Tod auf
dem Scheiterhaufen verurteilt wurde, in: Il candelajo: „Der Tropfen höhlt den
Stein nicht durch zweimaligen, sondern durch öfteren Fall: So wird auch der
Mensch weise, nicht durch zweimaliges sondern durch öfteres Lesen.“
Butler, Samuel (1835-1902), englischer Schriftsteller, in: The Note-Books: „Worte behindern oder töten sogar den
vollkommenen Gedanken, oder sie werden von ihm getötet; aber sie sind, wie ein
Gerüst, nützlich, wenn nicht gar unverzichtbar, um ein vollkommenes
Gedankengebäude zu errichten und zu seiner Vervollkommnung beizutragen.“
Böll, Heinrich Theodor (1917-1985), einer der bedeutendsten
deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, Literaturnobelpreis 1972: „Ich
glaube, daß der Schriftsteller, der sogenannte freie Schriftsteller, eine der
letzten Bastionen der Freiheit ist.“
Carlyle, Thomas (1795-1881),
schottischer Essayist und Historiker: „Ein Bücherschatz ist wie ein geistiger
Baum, der Bestand hat und seine Früchte spendet von Jahr zu Jahr, von
Geschlecht zu Geschlecht.“
Chinesische Weisheit: „Worte schneiden manchmal tiefer als
Messer.“
Cicero, Marcus
Tullius (106-43 v. Chr.), römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller und
Philosoph, dessen Werk bedeutendsten Einfluß auf das Denken der christlichen
Spätantike hatte: „Der Vortrag ist gewissermaßen die Beredsamkeit des Körpers.“
Cicero, Marcus Tullius (106-43 v. Chr.), römischer
Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, dessen Werk bedeutendsten
Einfluß auf das Denken der christlichen Spätantike hatte: „Ein Raum ohne Bücher
ist ein Körper ohne Seele.“
Delacroix, Eugène (Ferdinand
Viktor Eugène Delacroix, 1798-1863), einer der bedeutendsten französischen
Maler, gilt als Wegbereiter des Impressionismus, in seinem Tagebuch 1857: „Man hat gesagt, die Flüsse seien Wege, die
gehen. Man könnte von den Büchern sagen, sie seien in Bewegung befindliche
Teile von Bildern, von denen einer auf den anderen folgt, ohne daß es möglich
wäre, sie auf einmal zu übersehen. Um das Band zu erfassen, das sie
zusammenhält, ist bei dem Leser fast ebenso viel Intelligenz erforderlich wie
beim Autor.“
Demosthenes (384-322
v. Chr.), einer der bedeutendsten griechischen Redner und Staatsmänner Athens,
starb nach Gefängnisflucht und drohender Verhaftung durch Freitod: „Jede Rede
erscheint eitel und nichtig, wenn die Tat ihr nicht Nachdruck gibt.“
Diderot, Denis (1713-1784), französischer
Schriftsteller, Philosoph und Aufklärer, einer der wichtigsten Autoren der
Encyclopédie, in einem Brief an Sophie Volland am 10. Juli 1759: „Es ist das erste Mal, daß ich im Dunkeln schreibe. [...] und ich
spreche weiter zu Ihnen, ohne zu wissen, ob ich Buchstaben bilde. Überall, wo
nichts auf dem Blatt steht, sollten sie lesen, daß ich Sie liebe.“
Dostojewski, Fjodor Michailowitsch (1821-1881), einer der
bedeutendsten russischen Schriftsteller: „Einen neuen Schritt zu machen, ein
neues Wort zu äußern, das ist es, was die Menschen am meisten fürchten.“
Dostojewski, Fjodor
Michailowitsch (1821-1881), einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller:
„Niemals läßt sich aus Büchern lernen, was man nicht mit eigenen Augen sieht.“
Droste-Hülshoff, Annette von (1797-1848), deutsche Dichterin:
„Nichts ist kläglicher als Humor in zu
engen Schuhen.“
D’Alembert (Jean
Baptiste le Rond D’Alembert, 1717-1783), einer der bedeutendsten Mathematiker
und Physiker des 18. Jahrhunderts und Philosoph der Aufklärung, zusammen mit
Diderot der Herausgeber der Encyclopédie: „Es haben so viele mittelmäßige Leute und auch so viele Toren
geschrieben, daß man im Allgemeinen eine große Büchersammlung, von welcher Art
sie auch immer sein mag, als eine Sammlung von Denkschriften über die
Geschichte der Verblendung und Torheit der Menschen betrachten kann, und so
könnte man über den Eingang aller großen Bibliotheken die folgende
philosophische Inschrift anbringen: Narrenhäuser des menschlichen Geschlechts.“
Ebner-Eschenbach,
Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin,
Aphoristikerin, aus ihren Aphorismen: „Der Geist einer Sprache offenbart sich
am deutlichsten in ihren unübersetzbaren Worten.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘
findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von ihr.)
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von (1830-1916),
österreichische Schriftstellerin, Philosophin, Aphoristikerin, aus ihren
Aphorismen: „Ein Aphorismus ist der
letzte Ring einer langen Gedankenkette.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘
findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von ihr.)
Ebner-Eschenbach,
Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin,
Aphoristikerin, aus ihren Aphorismen: „Manuskripte vermodern im Schranke oder
reifen darin.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit
gesammelten Aphorismen von ihr.)
Ebner-Eschenbach,
Marie Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin, Philosophin,
Aphoristikerin, aus ihren Aphorismen: „Solange man selbst redet, erfährt man
nichts.“ (Im Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit gesammelten
Aphorismen von ihr.)
Ebner-Eschenbach, Marie
Freifrau von (1830-1916), österreichische Schriftstellerin,
Philosophin, Aphoristikerin, in: Aphorismen: „Jeder Dichter und alle ehrlichen Dilettanten schreiben mit ihrem
Herzblute, aber wie diese Flüssigkeit beschaffen ist, darauf kommt es an.“ (Im
Ordner ‚Weltliteratur‘ findet sich ein Büchlein mit gesammelten Aphorismen von
ihr.)
Eilers, Alexander, in Aber-Witz: „Lyrik ist Logopädie im Zeitalter der Sprachlosigkeit.“
Es war die
evolutionäre Idee des Humanums, zu :normal">fühlen
– und über dieses Fühlen Bewußtheit zu erlangen. Doch die Tragik des
Empfindsamen ist seine Empfindlichkeit: je mehr es wahrnimmt, desto unsagbarer
wird es ihm. Diese Unaussprechlichkeit – „ein Stammeln, das mehr mitzuteilen
weiß, als jedes Reden“, wie der österreichische Religionsphilosoph Martin Buber
(1878-1965) sagte…
Euripides (480 v. Chr.-406 v. Chr.), klassischer griechischer Tragödiendichter; von
seinen 90 Dramen sind lediglich 18 erhalten, in: Hekabe, 1238, Chor: „Die gute
Sache gibt auch Stoff und Kraft / zu guten Reden allezeit den Sterblichen.“
Feuchtersleben, Ernst von (Ernst Maria Johann
Karl Freiherr von Feuchtersleben, 1806-1849), österreichischer
Popularphilosoph, Arzt, Lyriker und Essayist, in: Blätter aus dem Tagebuch eines Einsamen: „Je tiefer man in ein
lebendig Ganzes, sei es nun ein Mensch, Kunstwerk oder Buch, einzugehen das
Glück hat, desto tiefer fühlt man die Unzulänglichkeit des Redens. Die Worte
geben nicht den Sinn, sie umgeben ihn nur.“
Feuchtersleben, Ernst von (Ernst Maria Johann
Karl Freiherr von Feuchtersleben, 1806-1849), österreichischer
Popularphilosoph, Arzt, Lyriker und Essayist, in: Sämtliche Werke, Bd. 3: „Bücher sind Brillen, durch welche die
Welt betrachtet wird; schwachen Augen freilich nötig, zur Stütze, zur
Erhaltung. Aber der freie Blick ins Leben erhält das Auge gesünder.“
Feuchtersleben, Ernst von (Ernst Maria Johann
Karl Freiherr von Feuchtersleben, 1806-1849), österreichischer
Popularphilosoph, Arzt, Lyriker und Essayist, in: Sämtliche Werke, Bd. 5: „Jeder lernt nur, was er im Tiefsten
schon weiß; sodaß man, im unmutigen Momente, alles Schreiben für eitel erklären
möchte: Denn wer Dich versteht, braucht dich nicht, und wer dich brauchte,
versteht dich nicht.“
Feuerbach, Ludwig (1804-1872), deutscher Philosoph, Schüler Georg Friedrich Wilhelm
Hegels, in: Grundsätze
der Philosophie: „Das Sein,
gegründet auf lauter Unsagbarkeiten, ist darum selbst etwas Unsagbares. Jawohl,
das Unsagbare. Wo die Worte aufhören, da fängt erst das Leben an, erschließt
sich erst das Geheimnis des Seins.“
Feuerbach, Ludwig (1804-1872), deutscher Philosoph, Schüler Georg Friedrich Wilhelm Hegels, in
Abälard und Heloise 2: „Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern
vergrößert, desto geringer wird der Kreis von Menschen, an deren Umgang wir
Geschmack finden.“
Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814), deutscher Philosoph,
in: Reden an die deutsche Nation, 12: „Das heiligste Amt eines Schriftstellers
ist dies, seine Nation zu versammeln und mit ihr über ihre wichtigsten
Angelegenheiten zu beratschlagen.“ (Unter Beiwerke/Schriften-Archiv/Philosophie – Fichtes
‚Reden an die deutsche Nation‘ in Vollständigkeit.)
Fichte, Johann
Gottlieb (1762-1814), deutscher Philosoph, in: Von der Sprachfähigkeit und dem Ursprunge
der Sprache: „Bei allem, was
Sprache heißen soll, wird schlechterdings nichts weiter beabsichtigt, als die
Bezeichnung des Gedankens, und die Sprache hat außer dieser Bezeichnung ganz
und gar keinen Zweck.“
Filmzitat, aus dem Film von 1985 „Wetherby – Die Gewalt
vergessener Träume“, Buch und Regie: Sir David Hare, ‚John Morgan‘ alias Tim
McInnerny: „… naja, ich weiß auch nicht … Ich kenne nur Goethe – und Zorn – und
auch Rache – und das Böse – und Begierde. Für mich sind das viel bessere Wörter
als Neurose und Psychologie und Paranoia. Diese alten Wörter – diese guten
alten Wörter haben noch so etwas wie Überzeugungskraft – woran es dem modernen
Sprachsystem heute völlig mangelt. Wir vergraben diese Wörter, diese einfachen
Gefühle, wir vergaben sie immer tiefer und dieser ganze Überbau, aus dem unser
Jahrhundert besteht, wird diese Gefühle nicht ausmerzen können.“
Flaubert, Gustave (1821-1880), französischer Schriftsteller
und Romancier, an Louise Colet am 09.12.1852: „Der Verfasser soll in seinem
Werke sein wie Gott im Weltall: Überall gegenwärtig und nirgends sichtbar.“
Flaubert, Gustave (1821-1880), französischer Schriftsteller und Romancier,
in: Madame Bovary: „Aber ist es
nicht oft so, daß ein übervolles Herz mit den banalsten Worten nach Ausdruck
sucht? Und vermag denn jemand genau zu sagen, wie groß sein Wünschen und
Wollen, seine Innenwelt, seine Schmerzen sind? Des Menschen Wort ist wie eine
gesprungene Pauke, auf der wir eine Melodie heraustrommeln, nach der kaum ein
Bär tanzt, während wir die Sterne bewegen möchten.“
Forrester, Viviane (1925-2013), französische Schriftstellerin, Essayistin, Literaturkritikerin,
in: Der Terror der Ökonomie, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1989, S. 206:
„Das Risiko der Klarheit einzugehen, das Risiko einzugehen, die Dinge zunächst
einmal nur festzustellen, ist … das einzige Verhalten, das unsere Zukunft
schützt, indem es sich der Gegenwart stellt.“
France, Anatole (1844-1924),
französischer Schriftsteller, Literaturnobelpreis 1921, in: Die rote Lilie: „Bücher sind immer langweilig. Aber die
Menschen sind noch langweiliger – und dabei viel anspruchsvoller.“
Friedell, Egon (eigentlich: Egon Friedmann, 1878-1938), österreichisches Universalgenie:
Journalist, Schriftsteller, Dramatiker, Kulturphilosoph, Theaterkritiker,
Schauspieler, Kabarettist, Conférencier; sein bedeutendstes Werk: ‚Kulturgeschichte
der Neuzeit‘: „Die Aufgabe des großen Philosophen besteht nicht darin, korrekt
zu schließen, sondern die Stimme seiner Zeit zu sein, das Weltgefühl seiner
Epoche in ein System zu bringen.“
Friedell, Egon (eigentlich: Egon Friedmann, 1878-1938), österreichisches Universalgenie:
Journalist, Schriftsteller, Dramatiker, Kulturphilosoph, Theaterkritiker,
Schauspieler, Kabarettist, Conférencier; sein bedeutendstes Werk: ‚Kulturgeschichte
der Neuzeit‘: „Eine Dichtung ist nichts anderes als eine Aufforderung an das
Publikum, zu dichten. Je mehr Spielraum sie gewährt, je mehr Stellen sie offen
läßt, desto bedeutender ist sie. In jedem Verstehen erwächst ihr ein neuer
Dichter. Tausend Auffassungen sind möglich, und alle sind sie richtig.“
Friedell, Egon (eigentlich:
Egon Friedmann, 1878-1938), österreichisches Universalgenie: Journalist,
Schriftsteller, Dramatiker, Kulturphilosoph, Theaterkritiker, Schauspieler,
Kabarettist, Conférencier; sein bedeutendstes Werk: ‚Kulturgeschichte der
Neuzeit‘: „Wir sind schließlich alle nur Plagiatoren des Weltgeistes,
Sekretäre, die sein Diktat niederschreiben; die einen passen besser auf, die
anderen schlechter: Das ist vielleicht der ganze Unterschied.“
Geißler, Horst Wolfram (1893-1983), deutscher
Schriftsteller, in: Ein schwarzes und ein weißes: „Sie werden stets bemerken,
daß auch das Leben für seine Geschichten nur selten einen ordentlichen Schluß
zustande bringt. Mir scheint, es ist sich dieses Mangels an Talent bewußt und
hat deshalb die Dichter erfunden, damit sie es besser machen und einen Sinn
hineinbringen.“
Gibran, Khalil (1883-1931), libanesisch-amerikanischer Maler, Dichter und Philosoph,
in: Sand und Schaum: „Bäume sind
Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt. Wir fällen sie und verwandeln
sie in Papier, um unsere Leere darauf auszudrücken.“
Gibran, Khalil (1883-1931), libanesisch-amerikanischer Maler, Dichter und Philosoph,
in: Sand und Schaum: „Dichtung ist
Anteil an Freude und Schmerz und Wunder, mit ein paar Zutaten aus dem
Wörterbuch.“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33
Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in: Maximen und Reflexionen: „Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein,
nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, daß der Verfasser etwas
gewußt hat.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher
Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, an
Friedrich Heinrich Jacobi, am 05.05.1786: „Ich habe eine solche Abneigung von
allen literarischen Händeln, daß Raphael mir einen malen und Shakespeare ihn
dramatisieren könnte, und ich würde mich kaum dran ergötzen.“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von
Kaiser Joseph II. geadelt, an Wilhelm Freiherr von Humboldt, 29.11.1801: „Nur
leidet er gar zu sehr an den affectionibus juventutis, indem er sich ein
äußerst heftig absprechendes Urteil erlaubt, das denn doch oft eine große
Beschränktheit andeutet. Dieses schadet ihm nicht allein innerlich, indem es
ihn für guten, fördernden Rat unempfänglich macht, wie ich bei verschiedenen
Gelegenheiten bemerken können, teils äußerlich, in bezug auf die Gesellschaft,
indem er sich, ganz ohne Not und Zweck, Widersacher, Feinde und strenge Richter
aufregt.“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von
Kaiser Joseph II. geadelt, in: Faust, Nacht, Faust zu Wagner, 1808: „Wenn ihr’s
nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen, / Wenn es nicht aus der Seele dringt /
Und mit urkräftigem Behagen / Die Herzen aller Hörer zwingt.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832),
deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II.
geadelt, in: Faust, Vorspiel, Dichter: „Wenn die Natur des Fadens ewge Länge, /
gleichgültig drehend, auf die Spindel zwingt, / wenn aller Wesen unharmonsche
Menge / verdrießlich durcheinanderklingt: / Wer teilt die fließend immer
gleiche Reihe / belebend ab, daß sie sich rhythmisch regt? / Wer ruft das
Einzelne zur allgemeinen Weihe, / wo es in herrlichen Akkorden schlägt? / Wer
läßt den Sturm zu Leidenschaften wüten? / Das Abendrot in ernstem Sinne glühn?
/ Wer schüttet alle schönen Frühlingsblüten / auf der Geliebten Pfade hin? /
Wer flicht die unbedeutend-grünen Blätter / zum Ehrenkranz Verdiensten jeder
Art? / Wer sichert den Olymp? Vereinet die Götter? / Des Menschen Kraft, im
Dichter offenbart!“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von
Kaiser Joseph II. geadelt, in: Faust I, Nacht, Wagner: „Allein der Vortrag
macht des Redners Glück.“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von
Kaiser Joseph II. geadelt, in: Maximen und Reflexionen, Aus Kunst und Altertum,
1821: „Geschichte schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu
schaffen.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher
Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, in:
Maximen und Reflexionen, Nachlaß, Über Literatur und Leben: „Was man mündlich
ausspricht, muß der Gegenwart, dem Augenblick gewidmet sein; was man schreibt,
widme man der Ferne, der Folge.“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von
Kaiser Joseph II. geadelt, in: Vermächtnis: „Edlen Seelen vorzufühlen ist
wünschenswertester Beruf.“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von
Kaiser Joseph II. geadelt, in: Zahme Xenien: „Die alten Sprachen sind die
Scheiden, / darin das Messer des Geistes steckt.“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von
Kaiser Joseph II. geadelt, zu Eckermann 13.02.1831: „Wenn man eine Weile in der
Welt gesehen hat, wie die gescheitesten Dinge mißlingen und das Absurdeste oft
zu einem glücklichen Ziele führt, so kommt man wohl davon zurück, jemandem
einen Rat erteilen zu wollen. Im Grunde ist es auch von dem, der einen Rat
verlangt, eine Beschränktheit und von dem, der ihn gibt, eine Anmaßung. Man
sollte nur Rat geben in Dingen, in denen man selber mitwirken will.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher
Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, zu
Eckermann am 01.04.1827: „Ein Schauspieler sollte eigentlich auch bei einem
Bildhauer in die Lehre gehen. So ist ihm, um einen griechischen Helden
darzustellen, durchaus nötig, daß er die auf uns gekommenen antiken Bildwerke
wohl studiert und sich die ungesuchte Grazie ihres Sitzens, Stehens und Gehens
wohl eingeprägt habe.“
Goethe, Johann
Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von
Kaiser Joseph II. geadelt, zu Eckermann am 29.01.1826: „Wenn einer singen
lernen will, sind ihm alle diejenigen Töne, die in seiner Kehle liegen,
natürlich und leicht. Die anderen aber, die nicht in seiner Kehle liegen, sind
ihm anfänglich äußerst schwer. Um aber ein Sänger zu werden, muß er sie
überwinden; denn sie müssen ihm alle zu Gebote stehen. Ebenso ist es mit einem
Dichter. Solange er bloß seine wenigen subjektiven Empfindungen ausspricht, ist
er noch keiner zu nennen; aber sobald er die Welt sich anzueignen und
auszusprechen weiß, ist er ein Poet. Und dann ist er unerschöpflich und kann
immer neu sein.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher
Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt, zu
Johann Daniel Falk am 14.06.1809: „Es ist etwas so Unnützes, so Müßiges, ich
möchte fast sagen Geckenhaftes im Reden, daß man vor dem stillen Ernste der
Natur und ihrem Schweigen erschrickt, sobald man sich ihr vor einer einsamen
Felsenwand oder in der Einöde eines alten Berges gesammelt entgegenstellt.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher
Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „>Du
hast nicht recht!< Das mag wohl
sein; / Doch das zu sagen ist klein; / Habe mehr
recht als ich! das wird was sein.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher Nationaldichter,
im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Hab nur den Mut, die Meinung frei zu sagen
und ungestört! / Es wird den Zweifel in die Seele tragen, dem, der es hört. /
Und vor der Luft des Zweifels flieht der Wahn. / Du glaubst nicht, was ein Wort
oft wirken kann.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher
Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Leider
läßt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken.“
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832), deutscher
Nationaldichter, im Alter von 33 Jahren von Kaiser Joseph II. geadelt: „Wäre
die Sprache nicht unstreitig das Höchste was wir haben, so würde ich Musik noch
höher als Sprache und ganz zuoberst setzen.“
Graff, Sigmund (1898-1979), deutscher Schriftsteller,
Dramatiker und Aphoristiker: „Eine der schönsten Wendungen unserer Sprache
lautet: >Werde mir nicht krank ...< Egoismus und rührendste Fürsorge ist
untrennbar darin verschmolzen.“
Grillparzer, Franz (1791-1872), österreichischer Nationaldichter, in: Ein treuer Diener seines
Herrn IV, Königin: „Ein lebend Wort gilt hundert tote Zeilen.“
Grillparzer, Franz (1791-1872), österreichischer
Nationaldichter, in: Ästhetische Studien, 1838: „Der Geist der Poesie ist
zusammengesetzt aus dem Tiefsinn des Philosophen und der Freude des Kindes an
bunten Bildern.“
Grillparzer, Franz (1791-1872), österreichischer
Nationaldichter: „Das ist das Unglück der Deutschen als Schriftsteller, daß
keiner sich mit seiner eigenen Natur hervorwagt. Jeder glaubt, er müsse mehr
sein, als er ist.“
Grillparzer, Franz (1791-1872), österreichischer
Nationaldichter: „Die Kraft des Stils liegt in der Überzeugung, und oft werden
Unbehilflichkeiten des Ausdrucks zu Schönheiten, weil man merkt, daß der
Verfasser den Inhalt lebhaft gefühlt.“
Günderode, Karoline von (Karoline Friederike Louise Maximiliane von
Günderode, 1780-1806), deutsche Dichterin der Romantik, in: Briefe zweier
Freunde: „Denn abgeschlossen
sind wir durch enge Verhältnisse von der Natur, durch engere Begriffe vom
wahren Lebensgenuß, durch unsere Staatsformen von aller Tätigkeit im Großen. So
fest umschlossen ringsum bleibt uns nur übrig, den Blick hinauf zu richten zum
Himmel oder brütend in uns selbst zu wenden. Sind nicht beinahe alle Arten der
neuern Poesie durch diese unsere Stellung bestimmt? Liniengestalten entweder,
die körperlos hinaufstreben, im unendlichen Raum zu zerfließen, oder bleiche,
lichtscheue Erdgeister, die wir grübelnd aus der Tiefe unsers Wesens
heraufbeschwören; aber nirgends kräftige, markige Gestalten.“
Hablé, Elfriede (*1934), österreichische Aphoristikerin und
Instrumentalsolistin: „Fehlender Humor
ist oft der einzige Witz.“
Haug, Johann Christoph Friedrich (1761-1829),
deutscher Beamter, Lyriker und Epigrammatiker, in: Epigrammatische Spiele 4,
11: „Ein gutes Buch ist mir ein wahrer Schatz. / In Nöten dient es als
Versatz.“
Hayes, Helen (Helen
Hayes Brown, 1900-1993), US-amerikanische Film- und Bühnenschauspielerin: „Von
seinen Eltern lernt man laufen. Doch erst beim Lesen entdeckt man, daß man
Flügel hat.“
Hebbel, Christian
Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den
Tagebüchern, 1843-1847, Nr. 3306: „Alles Sprechen und
Schreiben heißt würfeln um den Gedanken. Wie oft fällt nur ein Auge, wenn alle
sechs fallen sollten.“
Hebbel, Christian
Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern
1835-1843, Nr. 1459: „Die Poesie soll
alle Strahlen des Menschen, dieser Nebelsonne, auffangen, sie verdichtet auf
ihn zurückleiten und ihn so durch sich selbst erwärmen.“
Hebbel, Christian
Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern
1843-1847, Nr. 3140: „Ahnung und alles,
was damit zusammenhängt, existiert nur in der Poesie, deren eigentliche Aufgabe
darin besteht, das verknöcherte All wieder flüssigzumachen, und die
vereinzelten Wesen, die in sich selbst erfrieren, durch geheime Fäden wieder
zusammenzuknüpfen, um so die Wärme von dem einen zum anderen hinüberzuleiten.“
Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863), deutscher Dichter
und Lyriker, in seinen Tagebüchern: „Das Drama schildert den Gedanken, der Tat
werden will durch Handeln und Dulden.“
Hebbel, Christian
Friedrich (1848-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern
1835-1843, Nr. 111: „Gefühl ist das
unmittelbar von innen herauswirkende Leben. Die Kraft, es zu begrenzen und
darzustellen, macht den lyrischen Dichter.“
Hebbel, Christian
Friedrich (1848-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern
1843-1847, Nr. 5432: „Man kann sich
aufs Dichten so wenig vorbereiten, wie aufs Träumen.“
Hebbel, Christian
Friedrich (1848-1863), deutscher Dichter und Lyriker, in den Tagebüchern
1843-1847, Nr. 5494: „Schreiben heißt
Bleigießen.“
Heidegger, Martin (1889-1976), deutscher Philosoph, Begründer
der Fundamentalontologie, hat in seiner Philosophie auch auf den Sprachverlust
in der technisch-wissenschaftlichen Welt von heute verwiesen...
Heine, Heinrich (1797-1856), deutscher Nationaldichter, Schriftsteller und Journalist, in seinen
Memoiren: „Die Neger am Senegal versichern steif und fest, die Affen seien
Menschen ganz wie wir, jedoch klüger, indem sie sich des Sprechens enthalten,
um nicht als Menschen erkannt und zum Arbeiten gezwungen zu werden.“
Helvétius, Claude Adrien (nicht latinisiert: Claude Adrien Schweitzer, 1715-1771), französischer
Philosoph des Sensualismus und des Materialismus in der Entwicklungsepoche der
Aufklärung, in: Vom Menschen: „Die
originellen Bücher sind in der Nacht der Zeiten verstreut wie die Sonnen in den
Einöden des Weltenraums, um ihre Dunkelheit zu erhellen.“
Herder,
Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter, Theologe, Kultur- und
Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung, in: Abhandlung über den
Ursprung der Sprache: „Ein
stummer Mensch, in dem Verstande, wie es die Tiere sind, der auch nicht in
seiner Seele Worte denken könnte, wäre das traurigste, sinnloseste,
verlassenste Geschöpf der Schöpfung und der größeste Widerspruch mit sich
selbst! Im ganzen Universum gleichsam allein, an nichts geheftet und für alles
da, durch nichts gesichert, und durch sich selbst noch minder, muß der Mensch
entweder unterliegen oder über alles herrschen, mit Plan einer Weisheit, deren
kein Tier fähig ist, von allem deutlichen Besitz nehmen oder umkommen! Sei
nichts oder Monarch der Schöpfung durch Verstand! Zertrümmere oder schaffe dir
Sprache! Und wenn sich nun in diesem andringenden Kreise von Bedürfnissen alle
Seelenkräfte sammeln, wenn die ganze Menschheit, Mensch zu sein, kämpfet – wie viel
kann erfunden, getan, geordnet werden!“
Herder,
Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter, Theologe, Kultur- und
Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung, in: Abhandlung über den
Ursprung der Sprache: „Was sich
bloß durchs dunkle Gefühl empfinden läßt, ist keines Worts für uns fähig, weil
es keines deutlichen Merkmals fähig ist. Die Basis der Menschheit ist also,
wenn wir von willkürlicher Sprache reden, unaussprechlich. Aber ist denn Basis
die ganze Figur? Fußgestelle die ganze Bildsäule? Ist der Mensch seiner ganzen
Natur nach denn eine bloß dunkel fühlende Auster? Lasset uns also den ganzen
Faden seiner Gedanken nehmen: Da er von Besonnenheit gewebt ist, da sich in ihm
kein Zustand findet, der im ganzen genommen nicht selbst Besinnung sei oder
doch in Besinnung aufgeklärt werden könne, da bei ihm das Gefühl nicht
herrschet, sondern die ganze Mitte seiner Natur auf feinere Sinne, Gesicht und
Gehör fällt und diese ihm immerfort Sprache geben: so folgt, daß im ganzen
genommen auch kein Zustand in der menschlichen Seele sei, der nicht wortfähig
oder wirklich durch Worte der Seele bestimmt werde. Es müßte der dunkelste
Schwärmer oder ein Vieh, der abstrakteste Götterseher oder eine träumende
Monade sein, der ganz ohne Worte dächte. Und in der menschlichen Seele ist, wie
wir selbst in Träumen und bei Verrückten sehen, kein solcher Zustand möglich.
So kühn es klinge, so ist’s wahr: Der Mensch empfindet mit dem Verstande und
spricht, indem er denket.“
Herder, Johann Gottfried von (1744-1803), deutscher Dichter,
Theologe, Kultur- und Geschichtsphilosoph, einer der bedeutendsten Denker der
Aufklärung: „Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn
man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheit ihres Geistes und ihrer Sprache
raubt.“
Herrigel, Eugen Victor (1884-1955), deutscher
Philosoph, Theologe, Autor, Anhänger des japanischen Bogenschießens,
Praktizierender des Zen, in Vorrede der Sammlung seiner Schriften: Der Zen-Weg:
„An und für sich ist das Wort weniger als der Gedanke, der Gedanke weniger als
die Erfahrung. Das Wort ist Filtrat, und was sich darin niederschlägt, ist des
Besten beraubt. Platon im 7. Brief: Ein ernsthafter Mann, der sich mit
ernsthaften Dingen beschäftigt, sollte nicht schreiben.“
Hesse, Hermann Karl (1877-1962), deutschsprachiger Schriftsteller, Dichter, Maler, Literaturnobelpreis
1946: „Erinnerung ist eine Form der Begegnung.“
Heyking, Elisabeth von (1861-1925), deutsche Schriftstellerin und
Diplomatenfrau, in ihrem anonym erschienenen Bestseller: Briefe, die ihn nicht
erreichten: „Warum habe ich
Ihnen so lange nicht geschrieben? Ich könnte sagen, daß es mir an Zeit gefehlt.
Das wäre aber nicht wahr. Ein dunkles Gefühl hat mich davon zurückgehalten, das
ich mir selbst kaum zu erklären vermag. Eine Scheu. Eine letzte Loyalität, die
Schweigen heißt. [...] Denn es gibt Anlässe, wo man sich unwillkürlich ins
Banale rettet, weil es eine Hülle ist, eine breite wohl ausgetretene Straße, an
deren Richtigkeit von anderen nie gezweifelt wird. Man bleibt damit dicht an
der gehärteten Oberfläche des eigenen Wesens, enthüllt nichts, was zum inneren
Ich gehört. Um aber zu den eigentlichen wahren Empfindungen zu gelangen, muß
man in die Tiefen des Herzens greifen, und davor graut uns, wissen wir doch
nie, was wir in ihnen finden werden.“
Heyse, Paul Johann
Ludwig von (1830-1914), deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer,
gehörte zum Münchner Dichterkreis, erhielt 1910 den Nobelpreis für Literatur,
in seinem Spruchbüchlein: „Erdachtes mag zu denken geben, / doch nur Erlebtes
wird beleben.“
Hilty, Carl (1833-1909), Schweizer Staatsrechtler, Mitglied
des Schweizer Nationalrates, Laientheologe: „Namentlich die ganz guten Bücher,
die unbestritten zum unsterblichen Geisteserbe der Menschheit gehören, wo immer
möglich, selbst zu besitzen, sollte man sich zur Pflicht und Ehre rechnen, wie
man es sich zur Ehre rechnen würde, die besten Menschen seiner Zeit persönlich
gekannt zu haben.“
Hobbes, Thomas (1588-1679),
englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph, neben John Locke und
Jean-Jacques Rousseau einer der bedeutendsten Theoretiker des
Gesellschaftsvertrages und Begründer des ‚aufgeklärten Absolutismus‘, in: Grundzüge
der Philosophie, Teil II, Lehre vom Menschen: „Eine dritte, und zwar die größte Wohltat der Sprache ist, daß wir
befehlen und Befehle verstehen können. Denn ohne diese gäbe es keine Gemeinschaft
zwischen den Menschen, keinen Frieden und folglich auch keine Zucht, sondern
Wildheit; ohne Sprache würden die Menschen einsam leben und in Schlupfwinkeln
jeder für sich hausen, nicht aber gesellig wohnen.“
Hobbes, Thomas (1588-1679),
englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph, neben John Locke und
Jean-Jacques Rousseau einer der bedeutendsten Theoretiker des
Gesellschaftsvertrages und Begründer des ‚aufgeklärten Absolutismus‘, in: Grundzüge
der Philosophie, Teil II, Lehre vom Menschen: „Endlich verführt die Fähigkeit zu sprechen den Menschen auch dazu, zu
reden, wenn er überhaupt nichts denkt, und indem er, was er redet, für wahr
hält, sich selbst zu täuschen. Das Tier kann sich nicht selbst täuschen. So
wird der Mensch durch die Sprache nicht an sich besser, sondern nur mächtiger.“
Hofmannsthal, Hugo
von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929),
österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer
der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen
Fin de Siècle und der Wiener Moderne, im Brief an Josephine von Wertheimstein am 06. Juli 1893: „[...] ein
ordentlicher Dichter ist doch nur der, der das Leben in seinen Büchern neu
erschafft und besser als es ist, nicht moralisch besser, aber leuchtender,
wärmer, lebendiger. An solchen Büchern kann man sich wärmen, wenn einen friert,
die erfüllen den einen einzigen wirklichen Zweck der Kunst.“
Hofmannsthal, Hugo
von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929),
österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer
der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen
Fin de Siècle und der Wiener Moderne, in: Brief des Lords Chandos an Francis Bacon: „Die einzelnen Worte
schwammen um mich; sie gerannen zu Augen, die mich anstarrten und in die ich
wieder hineinstarren muß: Wirbel sind sie, in die hinabzusehen mich schwindelt,
die sich unaufhaltsam drehen und durch die hindurch man ins Leere kommt.“
Hofmannsthal, Hugo
von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929),
österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer
der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen
Fin de Siècle und der Wiener Moderne, in: Das Gespräch über Gedichte: „Wenn die Poesie etwas tut, so ist es
das: daß sie aus jedem Gebilde der Welt und des Traumes mit durstiger Gier sein
Eigenstes, sein Wesenhaftestes herausschlürft, so wie jene Irrlichter in dem
Märchen, die überall das Gold herauslecken. Und sie tut es aus dem gleichen
Grunde: weil sie sich von dem Mark der Dinge nährt, weil sie elend verlöschen
würde, wenn sie dies nährende Gold nicht aus allen Fugen, allen Spalten in sich
zöge.“
Hofmannsthal, Hugo
von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929),
österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer
der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen
Fin de Siècle und der Wiener Moderne: „Dichter und Nichtdichter scheiden ist
gerade so unmöglich, wie die sieben Regenbogenfarben trennen, oder sagen: Hier
hört das Tier auf und hier fängt die Pflanze an. Was wir ‚Dichter‘ nennen, ist
etwas willkürlich Abgegrenztes, wie gut und böse, warm und kalt.“
Hofmannsthal, Hugo
von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929),
österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer
der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen
Fin de Siècle und der Wiener Moderne: „Die Worte haben sich vor die Dinge
gestellt; sie spinnen alles Leben vom Menschen ab, und wenn wir den Mund
aufmachen, reden immer zehntausend Tote mit.“
Hofmannsthal, Hugo
von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929),
österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer
der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen
Fin de Siècle und der Wiener Moderne: „Für gewöhnlich stehen nicht die Worte in
der Gewalt der Menschen, sondern die Menschen in der Gewalt der Worte.“
Hofmannsthal, Hugo
von (Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, 1874-1929),
österreichischer Dramatiker, Schriftsteller, Lyriker, Librettist, Mitbegründer
der Salzburger Festspiele, einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen
Fin de Siècle und der Wiener Moderne: „Und in dem WIE, / da liegt der ganze
Unterschied.“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die
Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Alles, was nicht Eigenes ist, ist gestohlen. / Was ist Eigenes? Das
voll, das in jedem Teil Verantwortete. / Denn die Worte, und sogar die Wörter,
sind eben keineswegs jedermanns Sache wie die Luft; sie sind von jemand
geschaffen worden und dem gehören sie, gehören sie allein, so lange, bis ein
anderer sie erkauft. Das Lösegeld ist: volle Notwendigkeit. Wenn du, ohne
diesen Preis gezahlt zu haben, Worte gebrauchst, hast du sie gestohlen. ... Die
ganze Kunst des Schreibens besteht darin, daß man kein Wort verwendet ohne
volle Verantwortung.“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die
Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Das gut Geschriebene. / Nicht nachgeben vor dem Buchstaben, sondern
sich durchsetzen –, bis zum Leben. ... Was ist >das Leben<? Das
Zubehör-lose; das, was genau das ist, was es will. / An diesem Ort das Leben haben – statt wie die andern an andern Orten,
in >Beruf<, Geld, Beischlafen usw. –, kein anderes Leben als die
Millionen alle Tage haben, nur statt außen im Geschriebenen es haben: das ist
das ganze Geheimnis, alles, worauf es ankommt, mehr gibt es nicht.“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die
Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Wenn du nie gefühlt hast, daß du nie stirbst, dann hast du freilich
nicht mitzureden. – Das ist die äußerste und innerste, die strengste und
zugleich allgemeinste Norm für alles Schreiben. Wer nie gesehen hat, daß er
ewig ist, hat nichts zu reden. – ... Wer
aber nie erkannte, daß er sterben wird, auch nicht.“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die
Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Alles übertreffend Goethes
>Sprüche in Prosa<. Dieses unsäglich weite
(weit strahlende), milde Licht! –
Raum, Schärfe und Liebe gleicherweise da. – Sonst, bei ähnlichen Arbeiten, muß
man froh sein, wenn sie Schärfe haben. Oder Raum haben. Liebe allein können sie
nicht haben. / Diejenigen Bücher, die man immer um sich haben sollte sind
(fünf): Ethik von Spinoza; Faust von Goethe; Sprüche und Diwan von Goethe;
Essays von Montaigne; Lichtenberg (kleine Stücke).“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die
Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Arbeit ist immer ein Inneres;
und immer muß sie nach einem Außen gerichtet sein. Tätigkeit, die nicht nach
einem Außen gerichtet ist, ist keine Arbeit; Tätigkeit, die nicht ein inneres
Geschehen ist, ist keine Arbeit. / Alles Arbeiten muß sich dem Außen zuwenden:
Wenn es sich aber um innere Stoffe, innere Gebiete der Arbeit handelt? Dann
immer dem relativen Außen, in diesem Innern wieder dem Außen. (So ist das Klare
dem Unklaren gegenüber ein Außen, der Gedanke der Ahnung gegenüber, das gesprochene Wort dem Gedanken gegenüber,
das geschriebene dem gesprochenen gegenüber).“
Hohl, Ludwig (1904-1980), Schweizer Schriftsteller, in: Die
Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung: „Die mancherlei Einteilungen der
Wortkunst – wie: in ‚Roman‘, ‚Novelle‘, ‚Erzählung‘, ‚Essay‘, usf. – und die
damit zusammenhängenden Untersuchungen und Wertsetzungen haben mich seit Jahren
immer weniger zu interessieren vermocht; ihre Fruchtbarkeit, die geistige
Folge, die sie haben können, schien mir mehr und mehr infrage zu stehen. Mögen
diese gelehrten Untersuchungen und Abgrenzungen an manchen Orten und zu manchen
Zeiten eine gewisse, vielleicht nur rein praktische Bedeutung gehabt haben oder
haben –: Was sind sie vor der Tiefe, der lebendigen Wirklichkeit der
Goetheschen Unterscheidung und Gegenüberstellung dieser drei Elemente des
Kunstwerks: Stoff; Gehalt; Form! / – Wo
Form ist, ist immer auch Gehalt, ist immer auch Stoff. Der Dichter braucht sich
also durchaus nicht um Stoff, ja nicht einmal um Gehalt zu kümmern; er wende
sich allein der Form zu; durch das, was
er hier erreicht, erreicht er alles. ...“
Humboldt, Wilhelm
Freiherr von (1767-1835), Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann,
Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von
Humboldt, Briefe an eine Freundin, 21.08.1827: „Die wahre Heimat ist eigentlich
die Sprache. Sie bestimmt die Sehnsucht danach, und die Entfernung vom
Heimischen geht immer durch die Sprache am schnellsten.“
Humboldt, Wilhelm Freiherr von (1767-1835),
Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann, Mitbegründer der
Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von Humboldt, in: Briefe
an eine Freundin, 02.02.1835: „Selbstbiographien sind nur dann wahrhaft
lehrreich, wenn sie eine große Anzahl von Tatsachen enthalten.“
Humboldt, Wilhelm
Freiherr von (1767-1835), Philologe, preußischer Gelehrter, Staatsmann,
Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin, Bruder von Alexander von
Humboldt, in: Briefe an eine Freundin, 04.12.1830: „Ich finde und habe
immer gefunden, daß sich ein Buch gerade vorzugsweise zu einem
freundschaftlichen Geschenk eignet. Man liest es oft, man kehrt oft dazu
zurück, man naht sich ihm aber nur in ausgewählten Momenten, braucht es nicht
wie eine Tasse, ein Glas, einen Hausrat in jedem gleichgültigen Augenblick des
Lebens und erinnert sich so immer des Freundes im Augenblick eines würdigen
Genusses.“
Huxley, Aldous Leonard (1894-1963), britischer
Schriftsteller (1932: „Schöne neue Welt“), in: Geblendet in Gaza: „Es sollte
ein Verfahren geben zum Chemischreinigen und Desinfizieren von Wörtern: Liebe,
Reinheit, Güte, Geist – ein Haufen Schmutzwäsche, der auf die Wäscherin
wartet.“
Joubert, Joseph (1754-1824), französischer Moralist:
„Zeichnung ist Sprache für die Augen, Sprache Malerei für das Ohr.“
Jüdische
Spruchweisheit: „Des Menschen Denk- und Ausdrucksweise verrät dir seine
Herkunft.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, im Brief an Oskar
Pollak am 27. Januar 1904: „Ich
glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und
stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den
Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie
Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher
hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber
schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück,
das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie
wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein
Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Das glaube
ich.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in:
Betrachtung über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg: „Die Sprache kann für alles außerhalb der
sinnlichen Welt nur andeutungsweise, aber niemals auch nur annähernd
vergleichsweise gebraucht werden, da sie, entsprechend der sinnlichen Welt, nur
vom Besitz und seinen Beziehungen handelt.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in: Brief an Felice
Bauer, 18/19. Februar 1913: „Ich
bin nicht der Meinung, daß einem jemals die Kraft fehlen kann, das, was man
sagen oder schreiben will, auch vollkommen auszudrücken. Hinweise auf Schwäche
der Sprache oder Vergleiche zwischen der Begrenztheit der Worte und der
Unendlichkeit des Gefühls sind ganz verfehlt. Das unendliche Gefühl bleibt in
den Worten genau so unendlich, wie es im Herzen war. Das, was im Innern klar
ist, wird es auch unweigerlich in Worten. Deshalb muß man niemals um die
Sprache Sorge haben, aber im Anblick der Worte oft Sorge um sich selbst. Wer
weiß denn aus sich selbst heraus, wie es um einen steht. Dieses stürmische oder
sich wälzende oder sumpfige Innere sind ja wir selbst, aber auf dem im geheimen
sich vollziehenden Weg, auf dem die Worte aus uns hervorgetrieben werden, wird
die Selbsterkenntnis an den Tag gebracht, und wenn sie auch noch immer verhüllt
ist, so ist sie doch vor uns und ein herrlicher oder schrecklicher Anblick.“
Kafka, Franz (1883-1924),
deutschsprachiger Schriftsteller, in einem Brief an Felice Bauer, am 14./15. Januar 1913:
„Einmal schriebst Du, Du
wolltest bei mir sitzen, während ich schreibe; denke nur, da könnte ich nicht
schreiben [...]. Schreiben heißt ja sich öffnen bis zum Übermaß; die äußerste
Offenherzigkeit und Hingabe, in der sich ein Mensch im menschlichen Verkehr
schon zu verlieren glaubt und vor der er also, solange er bei Sinnen ist, immer
zurückscheuen wird – denn leben will jeder, solange er lebt – diese Offenherzigkeit
und Hingabe genügt im Schreiben bei Weitem nicht. Was von dieser Oberfläche ins
Schreiben hinübergenommen wird [...] ist nichts und fällt in dem Augenblick
zusammen, in dem ein wahres Gefühl diesen obern Boden zum Schwanken bringt.
Deshalb kann man nicht genug allein sein, wenn man schreibt, deshalb kann es
nicht genug still um einen sein, wenn man schreibt, die Nacht ist noch zu wenig
Nacht. Deshalb kann nicht genug Zeit einem zur Verfügung stehn, denn die Wege
sind lang, und man irrt leicht ab, man bekommt sogar manchmal Angst und hat
schon ohne Zwang und Lockung Lust zurückzulaufen [...], wie erst, wenn man
unversehens einen Kuß vom liebsten Mund bekäme!“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in
einem Brief
an Felice Bauer, am 26. Juni 1913: „Ich brauche zu meinem Schreiben Abgeschiedenheit, nicht ‚wie ein
Einsiedler‘, das wäre nicht genug, sondern wie ein Toter. Schreiben in diesem
Sinne ist ein tieferer Schlaf, also Tod, und so wie man einen Toten nicht aus
seinem Grabe ziehen wird und kann, so auch mich nicht vom Schreibtisch in der
Nacht.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller, in
einem Brief
an Milena Jesenská, Ende März 1922: „Die leichte Möglichkeit des Briefeschreibens muß – bloß theoretisch
angesehn – eine schreckliche Zerrüttung der Seelen in die Welt gebracht haben.
Es ist ja ein Verkehr mit Gespenstern, und zwar nicht nur mit dem Gespenst des
Adressaten, sondern auch mit dem eigenen Gespenst, das sich einem unter der
Hand in dem Brief, den man schreibt, entwickelt oder gar in einer Folge von
Briefen, wo ein Brief den andern erhärtet und sich auf ihn als Zeugen berufen
kann. Wie kam man nur auf den Gedanken, daß Menschen durch Briefe miteinander
verkehren können! Man kann an einen fernen Menschen denken und man kann einen
nahen Menschen fassen, alles andere geht über Menschenkraft. Briefe schreiben
aber heißt, sich vor den Gespenstern entblößen, worauf sie gierig warten.
Geschriebene Küsse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den
Gespenstern auf dem Wege ausgetrunken. Durch diese reichliche Nahrung vermehren
sie sich ja so unerhört. Die Menschheit fühlt das und kämpft dagegen, sie hat,
um möglichst das Gespenstische zwischen den Menschen auszuschalten, und den
natürlichen Verkehr, den Frieden der Seelen zu erreichen, die Eisenbahn, das
Auto, den Aeroplan erfunden, aber es hilft nichts mehr, es sind offenbar
Erfindungen, die schon im Absturz gemacht werden, die Gegenseite ist soviel
ruhiger und stärker, sie hat nach der Post den Telegrafen erfunden, das
Telefon, die Funkentelegrafie. Die Geister werden nicht verhungern, aber wir
werden zugrunde gehn.“
Kafka, Franz (1883-1924), deutschsprachiger Schriftsteller: „Ein Buch muß uns als Axt dienen für das
zugefrorene Meer in unserem Inneren.“
Kaléko, Mascha (1907-1975), jüdische, in Galizien geborene deutschsprachige Lyrikerin: „Mein
schönstes Gedicht? / Ich schrieb es nicht. / Aus tiefsten Tiefen stieg es. /
Ich schwieg es.“
Kant, Immanuel (1724-1804), deutscher Philosoph, in: Anthropologie: „Dichtkunst ist ein Spiel
der Sinnlichkeit, durch den Verstand geordnet.“
Kant,
Immanuel (1724-1804), deutscher Philosoph der Aufklärung: „Dichtkunst: ein Spiel der Sinnlichkeit, durch
den Verstand geordnet.“
Kempen, Thomas von (lat. Thomas a Kempis, 1379/1380-1471), Augustiner-Chorherr, Mystiker,
geistlicher Schriftsteller, in: Nachfolge Christi I, 20: „Es ist leichter zu schweigen, als sich im
Reden zu mäßigen.“
Kierkegaard, Søren (Søren Aabye Kierkegaard, 1813-1855), dänischer Philosoph,
Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller, gilt als Wegbereiter des Existentialismus, in: Entweder-oder: „Der ausgebildeten Sprache liegt die Reflexion
zugrunde; deshalb vermag die Sprache nicht, das Unmittelbare auszusagen. Die
Reflexion tötet das Unmittelbare; [...]. Das Unmittelbare ist nämlich das
Unbestimmbare; darum kann die Sprache es nicht in sich aufnehmen.“
Kierkegaard, Søren (Søren Aabye Kierkegaard, 1813-1855), dänischer Philosoph,
Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller, gilt als Wegbereiter des Existentialismus, in: Entweder-Oder: „Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher
Mensch, der heiße Schmerzen in seinem Herzen trägt, dessen Lippen aber so
geartet sind, daß, während Seufzer und Geschrei ihnen entströmen, diese dem
fremden Ohr wie schöne Musik ertönen.“
Kierkegaard, Søren (Søren Aabye Kierkegaard, 1813-1855), dänischer Philosoph,
Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller, gilt als Wegbereiter des Existentialismus: „Die Menschen scheinen die Sprache nicht
empfangen zu haben, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, daß
sie keine Gedanken haben.“
Klemperer, Victor (1881-1960), deutscher Romanist und
Politiker jüdischer Herkunft, bedeutender Chronist der Zeit vor, während und
nach der nationalsozialistischen Diktatur, in: LTI (lat. Lingua Tertii Imperii
= Sprache des Dritten Reiches): „Die Aussagen eines Menschen mögen verlogen
sein – im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen.“
Konfuzius (551-479), chinesischer Philosoph: „Die ganze
Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.“
Konfuzius (551-479), chinesischer Philosoph: „Wenn die Namen
nicht stimmen, sind die Worte nicht wahr.“ – Oder auch in dieser vollständigen Fassung: „Wenn die Sprache nicht stimmt,
so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist; / ist das, was gesagt
wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande; / kommen
die Werke nicht zustande, so gedeihen Moral und Kunst nicht; / gedeihen Moral
und Kunst nicht, so trifft das Recht nicht; / trifft das Recht nicht, so weiß
die Nation nicht, wohin Hand und Fuß setzen; / also dulde man keine
Willkürlichkeit in den Worten; / das ist es, worauf alles ankommt.“
Kraus,
Karl (1874-1936), einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des
beginnenden 20. Jahrhunderts; er trat als Dramatiker, Satiriker, Lyriker,
Aphoristiker hervor, als Sprach- und Kulturkritiker, Publizist, Förderer junger
Autoren und war zudem ein exzellenter und scharfer Kritiker des
Hetzjournalismus bzw. der Journaille, wie er es nannte, in: Ich bin der Vogel,
der sein Nest beschmutzt, Aphorismen, Sprüche und Widersprüche: „Der Philosoph denkt aus der Ewigkeit in den
Tag, der Dichter aus dem Tag in die Ewigkeit.“
Kraus,
Karl (1874-1936), einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des
beginnenden 20. Jahrhunderts; er trat als Dramatiker, Satiriker, Lyriker,
Aphoristiker hervor, als Sprach- und Kulturkritiker, Publizist, Förderer junger
Autoren und war zudem ein exzellenter und scharfer Kritiker des
Hetzjournalismus bzw. der Journaille, wie er es nannte, in: Ich bin der Vogel,
der sein Nest beschmutzt, Aphorismen, Sprüche und Widersprüche: „Die Sprache tastet wie die Liebe im Dunkel
der Welt einem verlorenen Urbild nach. Man macht nicht, man ahnt ein Gedicht.“
Kraus,
Karl (1874-1936), einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des
beginnenden 20. Jahrhunderts; er trat als Dramatiker, Satiriker, Lyriker,
Aphoristiker hervor, als Sprach- und Kulturkritiker, Publizist, Förderer junger
Autoren und war zudem ein exzellenter und scharfer Kritiker des
Hetzjournalismus bzw. der Journaille, wie er es nannte, in: Ich bin der Vogel,
der sein Nest beschmutzt, Aphorismen, Sprüche und Widersprüche: „Man muß jedes Mal so schreiben, als ob man
zum ersten und zum letzten Male schriebe. So viel sagen, als ob’s ein Abschied
wäre, und so gut, als bestünde man ein Debüt.“
Kraus, Karl (1874-1936), einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des
beginnenden 20. Jahrhunderts; er trat als Dramatiker, Satiriker, Lyriker,
Aphoristiker hervor, als Sprach- und Kulturkritiker, Publizist, Förderer junger
Autoren und war zudem ein exzellenter und scharfer Kritiker des
Hetzjournalismus bzw. der Journaille, wie er es nannte: „Bildung ist das, was
die meisten empfangen, viele weitergeben und wenige haben.“
Kraze, Hanna-Heide (1920-2008), deutsche Schriftstellerin,
Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, in: Im Regentropfen spiegelt sich
die Welt, An der Hand der Mutter: „Es gibt kein menschenwürdiges Leben ohne
innere Erneuerung und Bereicherung – es wird
kein Mensch ohne LESEN.“
Kraze, Hanna-Heide (1920-2008), deutsche Schriftstellerin,
Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, in: Im Regentropfen spiegelt sich
die Welt, Ein Jubiläum: „Später erst, viele Jahre und Bitternisse später,
lernte ich wissen um die Priorität des Inhalts und die erschöpfende Mühe des
Schreibens; ohne Inhalt und ohne Verantwortung tragende Mühe ist das
herrlichste Wort und das schönste Satzbild eine taube Nuß: ob sie auch
kunstvoll vergoldet sein mag – sie mundet keinem.“
Lamartine, Alphonse de (1790-1869), französischer
Schriftsteller und Politiker, in: Girondisten, Vorwort: „Die Dichtkunst ist die
Erinnerung und die Ahnung der Dinge:
Was sie feiert, ist noch nicht tot, was sie singt, lebt schon.“
Lenau, Nikolaus (N. Franz Niembsch, Edler von Strehlenau, 1802-1850), österreichischer
Lyriker: „So tönt kein Lied in kummervollen Stunden, als wenn der Freund das
rechte Wort gefunden.“
Leopardi, Giacomo
Graf (1798-1837), italienischer Dichter, in: Das Gedankenbuch: „In die Worte schließen, schmelzen gleichsam
die Ideen sich ein, wie Edelsteine in Ringe; ja, sie werden Fleisch in ihnen
wie die Seele im Leib und machen sie sich zu eigen wie eine Person.“
Lichtenberg, Georg
Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der
Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus: „Die größten Denker, die mir
vorgekommen sind, waren gerade unter allen Gelehrten die, welche am wenigsten
gelesen hatten.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher
Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’, in:
Aphorismen: „Mich dünkt immer, die ganz schlechten
Schriftsteller sollte man immer in den gelehrten Zeitungen ungeahndet lassen;
die gelehrten Zeitungsschreiber verfallen in den Fehler der Indianer, die den Orang-Utan
für ihresgleichen und seine natürliche Stummheit für einen Eigensinn halten,
von welchem sie ihn durch häufige Prügel vergeblich abzubringen suchen.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher
Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’, in: Schriften und Briefe, in einem Brief an
Marija W. Kisseljowa am 14. Januar 1887: „[...] ein Schriftsteller ist doch kein Konditor, kein Kosmetiker, kein
Spaßmacher; er ist ein Mensch mit Pflichten, der sich dem Bewußtsein seiner
Verpflichtung und seinem Gewissen gegenübergestellt sieht; [...] er ist
verpflichtet, seinen Widerwillen zu bezwingen, seine Phantasie mit dem Schmutz des
Lebens zu besudeln ... [...] Für die Chemiker gibt es auf Erden nichts
Unsauberes. Der Schriftsteller muß genauso objektiv sein wir der Chemiker; er
muß auf die Subjektivität des Alltags verzichten und muß wissen, daß die
Misthaufen in der Landschaft eine sehr achtbare Rolle spielen und daß die bösen
Leidenschaften dem Leben genauso eigen sind wie die guten.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher
Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’, in: Schriften und Briefe: „Eine seltsamere Ware als Bücher gibt es wohl
schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von
Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von
Leuten, die sie nicht verstehen, und nun gar geschrieben von Leuten, die sie
nicht verstehen.“
Lichtenberg, Georg
Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der
Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’: „Die meisten Poeten kommen erst
nach ihrem Tode zur Welt.“
Lichtenberg, Georg Christoph (1742-1799), deutscher
Mathematiker, Professor der Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’: „Es ist keine Kunst, etwas kurz zu sagen, wenn
man etwas zu sagen hat.“
Lichtenberg, Georg
Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der
Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’: „Unsere meisten Ausdrücke sind
metaphorisch. Es steckt in denselben die Philosophie unserer Vorfahren.“
Lichtenberg, Georg
Christoph (1742-1799), deutscher Mathematiker, Professor der
Naturwissenschaften, Begründer des Aphorismus’: „Viele Spötter meinen reich an
Geist zu sein und sind nur arm an Takt.“
Lindbergh, Anne Morrow (1906-2001), Flugpionierin, Schriftstellerin, Ehefrau, Kopilotin und
Navigatorin des US-amerikanischen Piloten Charles A. Lindbergh: „Während wir
sprechen, ändern sich die Dinge und entgleiten uns.“
Locke,
John (1632-1704), englischer Arzt und Philosoph, Vordenker der Aufklärung, in:
Versuch über
den menschlichen Verstand: „Viele
Kinder schieben die in der Schule erlittenen Strafen auf die Bücher, wegen
deren sie die Strafen bekommen hatten; es verbinden sich beide Vorstellungen so
miteinander, daß jedes Buch sie anekelt und sie sich ihr ganzes Leben lang
nicht zum Studium und Gebrauch der Bücher entschließen können.“
Locke,
John (1632-1704), englischer Arzt und Philosoph, Vordenker der Aufklärung:
Versuch über
den menschlichen Verstand, Drittes Buch, Über die Worte: „Da Gott den Menschen zu einem geselligen
Wesen bestimmt hatte, so gab er ihm nicht bloß eine Neigung, ja Notwendigkeit,
mit seinesgleichen zu verkehren, sondern versah ihn auch mit einer Sprache,
welche das große Werkzeug und gemeinsame Band der Gesellschaft werden sollte.
Der Mensch hat deshalb von Natur so eingerichtete Organe, daß er artikulierte
Laute bilden kann, die Worte heißen. Doch reicht dies zur Sprache nicht hin; denn
auch Papageien und anderen Vögeln kann das Bilden von artikulierten Lauten
angelernt werden, obgleich sie auf keine Weise der Sprache fähig sind. [...] Es
war also außerdem noch die Fähigkeit erforderlich, die Laute als Zeichen
innerer Auffassungen zu gebrauchen und sie zu Zeichen von Vorstellungen zu
machen, die anderen dadurch erkennbar würden, damit die Menschen ihre Gedanken
einander mitteilen konnten.“
Lowell, James Russel (1819-1891), US-amerikanischer Dichter
und Kritiker: „Habt ihr euch jemals überlegt, was die bloße Fähigkeit des
Lesens bedeutet?“
Ludwig, Emil (1881-1948),
deutsch-schweizerischer Schriftsteller und psychologischer Biograph: „Jeder, der
redet, verschweigt etwas und meistens das Beste.“
Luxemburg,
Rosa (1871-1919), bedeutende Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung, des
Marxismus, Antimilitarismus und des Proletarischen Internationalismus, in
einem Brief an
Hans Diefenbach am 12. Mai 1917: „Kann
man ‚erklären‘, worin der Zauber des Lebens besteht, wenn es jemand nicht
selbst aus den kleinsten und alltäglichen Dingen heraushört oder richtiger: in
sich selbst trägt? Ich [...] bin der Meinung, daß schon viel zu viel Bücher
geschrieben sind; vor lauter Literatur vergessen die Menschen auf die schöne
Welt zu schauen.“
Luxemburg,
Rosa (1871-1919), bedeutende Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung, des
Marxismus, Antimilitarismus und des Proletarischen Internationalismus, in
einem Brief an
Robert Seidel am 23. November 1898: „Ich weiß – die Welt ist ja eine andere, und andere Zeiten wollen andere
Lieder haben. Aber eben ‚Lieder‘, unser Geschreibsel ist ja meistens kein Lied,
sondern ein farbloses und klangloses Gesurr, wie der Ton eines Maschinenrades.
Ich glaube, die Ursache liegt darin, daß die Leute beim Schreiben meistenteils
vergessen, in sich tiefer zu greifen und die ganze Wichtigkeit und Wahrheit des
Geschriebenen zu empfinden. Ich glaube, daß man jedes Mal, jeden Tag, bei jedem
Artikel wieder die Sache durchleben, durchfühlen muß.“
Majakowski, Wladimir Wladimirowitsch (1893-1930), sowjetischer Dichter und führender Vertreter des
russischen Zweigs des Futurismus: „Dichten
ist wie Uran gewinnen: Arbeit ein Jahr, Ausbeute ein Gramm.“
Mann, Thomas (1875-1955), deutscher Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1929: „Das
Wort, selbst das widersprechendste, ist so verbindend. Aber die Wortlosigkeit
vereinsamt.“
Mann, Thomas (1875-1955), deutscher Schriftsteller,
Romancier, Essayist, Nobelpreis 1929: „Ausdruck macht Eindruck.“
Marcuse, Ludwig (1894-1971), Philosoph, Literaturkritiker und Schriftsteller: „Manche
Rezensenten können schreiben, aber nicht lesen.“
Maurier, Daphne du (1907-1989), britische Schriftstellerin: „Ein freundliches Wort kostet nichts
und ist doch das schönste aller Geschenke.“
Metternich, Klemens
Wenzel Lothar von (1773-1859), führender Diplomat und Staatsmann im Dienste
Österreichs, Außenminister: „In meinem ganzen Leben habe ich nur zehn oder
zwölf Menschen gekannt, mit denen zu sprechen eine Freude war. Sie hielten sich
an das Thema, wiederholten sich nicht, sprachen nicht von sich selbst, hörten
nicht auf die eigenen Worte, waren zu gebildet, um sich in Gemeinplätze zu
verlieren, und hatten genügend Takt und guten Geschmack, nicht die eigene
Person über das Thema zu stellen.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher
Dichter, Lyriker, Übersetzer, in: Sprüche, Epigramme, Aphorismen, Notizen: „Ein Dichter muß 77mal als Mensch gestorben
sein, ehe er als Dichter etwas wert ist.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter, Lyriker, Übersetzer, in: Sprüche, Epigramme,
Aphorismen, Notizen: „Erst das
Wort reißt Klüfte auf, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Sprache ist in unsere
Termini zerklüftete Wirklichkeit.“
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter,
Lyriker, Übersetzer, in: Stufen, Ethisches, 1907: „Es können nur einigermaßen
gleiche Naturen in ihrem ganzen Umfang einander erklären und abschätzen. Heut
aber will jedermann interpretieren, wenn er nur schreiben gelernt hat.“ („Stufen“
– siehe hier.)
Morgenstern, Christian (1871-1914), deutscher Dichter,
Lyriker, Übersetzer: „Gespräch ist
gegenseitige distanzierte Berührung.“
Morus, Thomas (engl.
Thomas More, 1478-1535), englischer Staatsmann, humanistischer Autor, wird von
der römisch-katholischen Kirche als Märtyrer und Heiliger verehrt, in: Utopia,
Vorrede: „Man trifft auf so schiefe Urteile, daß derjenige sicher das bessere
Teil erwählt, der lustig und heiter draufloslebt, als wer sich müht und quält,
um etwas zu veröffentlichen, das andern entweder Nutzen oder Vergnügen spenden
könnte. Sie rümpfen ja doch nur die Nase.“
Muller, Robert (1925-1998), deutscher Autor, Journalist,
Philosoph, Pazifist, zuletzt stellvertretender Generalsekretär der Vereinten
Nationen, in: Planet der Hoffnung: „Wenn ich am frühen Morgen meine Gedanken zu
Papier bringe, erfüllt mich ein Gefühl von immenser Freude und Liebe. Das
Schreiben kann eine Form des Gebets sein, eine Möglichkeit, Gott für das
wunderbare Geschenk des Lebens zu danken.“
Muller, Robert (1925-1998), deutscher Autor, Journalist, Philosoph,
Pazifist, zuletzt stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen, in:
Planet der Hoffnung: „Zu schreiben bedeutet, sich selbst gegenüber absolut
ehrlich zu sein. Dies ist die reinste Form des Lebens.“
Mörike, Eduard (1804-1874), deutscher lyrischer Dichter; seine Liebes- und Naturgedichte
gehören zu den schönsten der deutschen Literatur, das Gedicht: Septembermorgen:
„Im Nebel ruhet noch die Welt, / noch träumen Wald und Wiesen. / Bald siehst
Du, wenn der Schleier fällt, / den blauen Himmel unverstellt, / herbstkräftig
die gedämpfte Welt, / in warmem Golde fließen.“
Nietzsche,
Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph,
Dichter, Komponist, im Nachlaß: Fragmente Ende 1874: „Sprechen- und Schreibenkönnen heißt frei
werden: zugegeben, daß nicht immer das Beste dabei herauskommt; aber es ist
gut, daß es sichtbar wird, daß es Wort und Farbe findet.“
Nietzsche, Friedrich
Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter, Komponist, in: Also sprach Zarathustra, I., Vom Lesen und Schreiben: „Schreibe
mit Blut, und du wirst erfahren, daß Blut Geist ist.“
Nietzsche, Friedrich
Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter, Komponist, in: Jenseits von Gut und Böse, 170: „Im Lobe ist mehr
Zudringlichkeit als im Tadel.“
Nietzsche,
Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph,
Dichter, Komponist, in: Jenseits von Gut und Böse, Neuntes Hauptstück, Was ist vornehm?: „Welche Sachen schreiben und malen wir denn
ab, wir [...] Verewiger der Dinge, welche sich schreiben lassen. Was vermögen
wir denn allein abzumalen? Ach, immer nur Das, was eben welk werden will und
anfängt, sich zu verriechen! Ach, immer nur abziehende und erschöpfte Gewitter
und gelbe späte Gefühle! Ach, immer nur Vögel, die sich müde flogen und
verflogen und sich nun mit der Hand haschen lassen – mit unserer Hand! Wir
verewigen, was nicht mehr lange leben und fliegen kann, müde und mürbe Dinge
allein!“
Nietzsche,
Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph,
Dichter, Komponist, in: Menschliches Allzumenschliches: Erstes Hauptstück, Von den ersten und
letzten Dingen: „Die Bedeutung
der Sprache für die Entwicklung der Kultur liegt darin, daß in ihr der Mensch
eine eigene Welt neben die andere stellte, einen Ort, welchen er für so fest
hielt, um von ihm aus die übrige Welt aus den Angeln zu heben und sich zum
Herrn derselben zu machen.“
Nietzsche,
Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph,
Dichter, Komponist, in: Menschliches Allzumenschliches: Viertes Hauptstück, Aus der Seele der
Künstler und Schriftsteller: „Jeden
Schriftsteller überrascht es von Neuem, wie das Buch, sobald es sich von ihm
gelöst hat, ein eigenes Leben für sich weiterlebt; es ist ihm zu Muthe, als
wäre der eine Theil eines Insectes losgetrennt und ginge nun seinen eigenen Weg
weiter. Vielleicht vergißt er es fast ganz, vielleicht erhebt er sich über die
darin niedergelegten Ansichten, vielleicht selbst versteht er es nicht mehr und
hat jene Schwingen verloren, auf denen er damals flog, als er jenes Buch
aussann: währenddem sucht es sich seine Leser, entzündet Leben, beglückt,
erschreckt, erzeugt neue Werke, wird die Seele von Vorsätzen und Handlungen –
kurz: es lebt wie ein mit Geist und Seele ausgestattetes Wesen und ist doch
kein Mensch.“
Nietzsche, Friedrich
Wilhelm (1844-1900), klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter, Komponist, in: Menschliches Allzumenschliches II, Der Wanderer und sein
Schatten: „Bei einem längeren Gespräch wird auch der Weiseste einmal zum Narren
und dreimal zum Tropf.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900),
klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter, Komponist, in: Unzeitgemäße Betrachtungen,
IV, Richard Wagner in Bayreuth: „Überall
ist hier die Sprache erkrankt, und auf der ganzen menschlichen Entwickelung
lastet der Druck dieser ungeheuerlichen Krankheit. Indem die Sprache
fortwährend auf die letzten Sprossen des ihr Erreichbaren steigen mußte, um
[...] das dem Gefühl Entgegengesetzte, das Reich des Gedankens zu erfassen, ist
ihre Kraft durch dieses übermäßige Sich-Ausrecken in dem kurzen Zeitraume der
neueren Zivilisation erschöpft worden: so daß sie nun gerade Das nicht mehr zu
leisten vermag, wessentwegen sie allein da ist: um über die einfachsten
Lebensnöte die Leidenden miteinander zu verständigen./ Der Mensch kann sich in
seiner Not vermöge der Sprache nicht mehr zu erkennen geben, also sich nicht
wahrhaft mitteilen: Bei diesem dunkel gefühlten Zustande ist die Sprache
überall eine Gewalt für sich geworden, welche nun wie mit Gespensterarmen die
Menschen faßt und schiebt, wohin sie eigentlich nicht wollen; sobald sie mit
einander sich zu verständigen und zu einem Werke zu vereinigen suchen, erfaßt
sie der Wahnsinn der allgemeinen Begriffe, ja der reinen Wortklänge, und in
Folge dieser Unfähigkeit, sich mitzuteilen, tragen dann wieder die Schöpfungen
ihres Gemeinsinns das Zeichen des Sich-nicht-Verstehens, insofern sie nicht den
wirklichen Nöten entsprechen, sondern eben nur der Hohlheit jener
gewaltherrischen Worte und Begriffe: so nimmt die Menschheit zu allen ihren
Leiden auch noch das Leiden der Konvention hinzu, das heißt des Übereinkommens
in Worten und Handlungen ohne ein Übereinkommen des Gefühls.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer
deutscher Philologe, Philosoph, Dichter, Komponist: „Jedes Wort ist ein
Vorurteil.“
Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900), klassischer
deutscher Philologe, Philosoph, Dichter, Komponist: „Wer sich tief weiß,
bemüht sich um Klarheit. Wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um
Dunkelheit.“
Novalis (Georg
Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher
frühromantischer Dichter, Schriftsteller, Essayist, Philosoph, Jurist, Bergbauingenieur,
in: Blüthenstaub, Vermischte Bemerkungen: „Die Kunst Bücher zu schreiben ist noch nicht erfunden. Sie ist aber auf
dem Punkt, erfunden zu werden. Fragmente dieser Art sind literarische
Sämereien. Es mag freilich manches taube Körnchen darunter sein – indes wenn
nur einiges aufgeht.“
Novalis (Georg Friedrich Philipp Freiherr von
Hardenberg, 1772-1801), deutscher frühromantischer Dichter, Schriftsteller, Essayist,
Philosoph, Jurist, Bergbauingenieur, in: Blüthenstaub, Vermischte
Bemerkungen: „Unsre Sprache ist
entweder – mechanisch – atomistisch – oder dynamisch. Die echt poetische
Sprache soll aber organisch lebendig sein. Wie oft fühlt man die Armut an
Worten – um mehrere Ideen mit Einem Schlage zu treffen.“
Novalis (Georg
Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher
frühromantischer Dichter, Schriftsteller, Essayist, Philosoph, Jurist, Bergbauingenieur,
in: Blüthenstaub, Vermischte Bemerkungen: „Vielen wahren Büchern geht es wie den Goldklumpen in Irland. Sie dienen
lange Jahre nur als Gewichte.“
Novalis (Georg
Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher
frühromantischer Dichter, Schriftsteller, Essayist, Philosoph, Jurist, Bergbauingenieur,
in: Blüthenstaub: „Die Bezeichnung
durch Töne und Striche ist eine bewundernswürdige Abstraktion. Vier Buchstaben
bezeichnen mir Gott; einige Striche eine Million Dinge. Wie leicht wird hier
die Handhabung des Universums, wie anschaulich die Konzentrizität des
Geisterreichs. Ein Kommandowort bewegt Armeen; das Wort Freiheit Nationen.“
Novalis (Georg
Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher
frühromantischer Dichter, Schriftsteller, Essayist, Philosoph, Jurist, Bergbauingenieur: „Man sucht mit der Poesie, die
gleichsam nur das mechanistische Instrument dazu ist, innere Stimmungen und
Gemälde oder Anschauungen hervorzubringen – vielleicht auch geistige Tänze.“
Novalis (Georg
Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher
frühromantischer Dichter, Schriftsteller, Essayist, Philosoph, Jurist, Bergbauingenieur: „Poesie = Gemütserregungskunst.“
Novalis (Georg
Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher frühromantischer
Dichter, Schriftsteller, Essayist, Philosoph, Jurist, Bergbauingenieur: „Poesie ist die Darstellung des
Gemüts – der inneren Welt in ihrer Gesamtheit.“
Novalis (Georg
Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, 1772-1801), deutscher
frühromantischer Dichter, Schriftsteller, Essayist, Philosoph, Jurist, Bergbauingenieur: „Poesie ist die große Kunst der
Konstruktion der transzendentalen Gesundheit. … Die Poesie mischt alles
zu ihrem großen Zweck der Zwecke – der Erhebung des Menschen über sich selbst.
Der Sinn für Poesie hat viel mit dem Sinn für Mystizismus gemein. Er ist der
Sinn für das Unbekannte, Geheimnisvolle, zu Offenbarende, das notwendig
Zufällige. Er stellt das Undarstellbare dar. Er sieht das Unsichtbare, fühlt
das Unfühlbare. Der Poet ist der transzendentale Arzt.“
Pascal, Blaise (1623-1662), französischer Religionsphilosoph, Mathematiker und
Naturwissenschaftler: „Das Letzte, was man
findet, wenn man ein Werk schreibt, ist, zu wissen, was man an den Anfang
stellen soll.“
Pascal, Blaise (1623-1662), französischer
Religionsphilosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler: „Kalte Worte lassen
Menschen erstarren, hitzige Worte schmerzen sie. Bittere Worte machen sie
bitter, und zornige Worte machen sie zornig. Freundliche Worte bringen
gleichfalls ihr Abbild im Gemüt des Menschen hervor: Sie erheitern, besänftigen
und trösten ihn.“
Paul,
Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher
Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte
Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Clavis Fichtiana: „Da nicht in der Sprache, wie in der
Mathematik, Identität des Zeichens und Objektes stattfindet, ja da die Worte
nicht einmal Schattenbilder, [...] sondern willkürliche, nichts malende
Schnupftuchsknoten der Besinnung sind: so ist für den Philosophen, der immer
das Ei früher ausbläset als ausbrütet, die Sprache gerade ein unentbehrliches
Werkzeug.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher
Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte
Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung, in: Levana I, 1, 2:
„Ungleich dem Süden ist der Deutsche weniger ein redseliges als ein
schreibseliges Volk, wie seine Registraturen und Bücherschränke ansagen.“
Paul,
Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher
Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte
Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Alles wahre Wunderbare ist für sich poetisch.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher
Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte
Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Bücher sind nur dickere
Briefe an Freunde.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher
Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte
Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Das Lesen nimmt so gut wie
das Reisen die Einseitigkeit aus dem Kopf.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter,
1763-1825), deutscher Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik
und Romantik, verehrte Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung:
„Solange ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglücklich sein.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher
Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte
Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Was man übersetzen
kann, ist des Übersetzens nicht wert.“
Paul, Jean (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825), deutscher
Schriftsteller, literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik, verehrte
Jean-Jacques Rousseau, daher seine Namensänderung: „Wer nicht zuweilen zuviel
und zu weich empfindet, der empfindet gewiß immer zuwenig.“
Petrarca, Francesco (1304-1374), italienischer Dichter und Gelehrter: „Sagen zu können, wie man
liebt, heißt wenig lieben.“
Platon (latinisiert: Plato, 428-348 v. Chr.), griechischer
Philosoph, in: Protagoras 15, Protagoras:
„Ein ähnliches Ziel verfolgen auch die Lehrer des Saitenspiels; denn ihre
Absicht ist auf Maß und Sittsamkeit gerichtet, sowie darauf, daß die Knaben
nicht auf falsche Wege geraten. Zudem legen sie ihnen, wenn sie das
Zitherspielen erlernt haben, auch Werke von Dichtern vor, und zwar von
lyrischen Dichtern, sie der Melodie anpassend. Die Lehrer versäumen nichts, um
den Seelen der Knaben den Sinn für Takt und Harmonie fest einzuprägen, auf daß
sie sanfter, taktvoller, und harmonischer werden und dadurch tauglicher zum
Reden und Handeln.“
Pulitzer, Joseph (1847-1911), ungarisch-amerikanischer Journalist, Herausgeber und
Zeitungsverleger, Stifter des nach ihm benannten Pulitzer-Preises: „Was immer Du schreibst: / Schreibe kurz, und
sie werden es lesen. / Schreibe klar, und sie werden es verstehen. / Schreibe
bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.“
Rathenau, Walther (1867-1922), als deutscher Außenminister ermordet: „Das Lachen, dem vitalen
Menschen ein reiner Naturlaut der Freude, ist dem Klugen nur eine Reaktion auf
Witzempfindung. Das heißt: Auf schnell erkannte Inkongruenz in der Maske der
Identität: Eine halbe Schadenfreude.“
Rathenau, Walther (1867-1922), als deutscher Außenminister ermordet: „Eleganz ist gemeisterte
Verschwendung.“
Reiners, Ludwig (1896-1957), deutscher Kaufmann und Schriftsteller, in Stilkunst, Die Bedeutung
der Sprache: „Mit dem Zauberstab des Wortes bildet der Mensch aus der
Formlosigkeit und Bewegtheit der Welt die ordnenden Gestalten der Begriffe.“
Reiners, Ludwig (1896-1957), deutscher Kaufmann und
Schriftsteller, in Stilkunst I, 5: „Durch bloßes Lesen erwirbt man kein
Stilgefühl, sowenig wie man durch Spazierengehen in Bildergalerien das Malen
lernt.“
Reiners, Ludwig (1896-1957), deutscher Kaufmann und Schriftsteller, in Stilkunst II, Satzbau:
„Das Indogermanische kannte nur die Beiordnung, also die Anreihung von
Hauptsätzen; ähnlich steht es im Altgriechischen und im Latein der
Zwölftafelgesetze. Die ältesten isländischen Sagas – die einzige germanische
Prosa, die vom Lateinischen unbeeinflußt ist – enthalten kaum Nebensätze. Auch
im Althochdeutschen sind Nebensätze selten. Noch um 1500 überwiegt der
Hauptsatz.“
Reiners, Ludwig (1896-1957), deutscher Kaufmann und
Schriftsteller: „Niemand lernt schreiben, der nicht sehen gelernt hat.“
Renard, Jules (1864-1910),
französischer linksorientierter Schriftsteller, in seinem Tagebuch vom 17.
Oktober 1899: „Die Worte bilden
so etwas wie ein Gewölbe über unseren unterirdischen Gedanken.“
Rich, Adrienne Cecile (1929-2012), US-amerikanische Feministin, Dichterin, Dozentin, Autorin: „Gelogen
wird mit Worten und auch mit Stille.“
Richards, M. C.: „Poesie tritt oft durch das Fenster der
Unwesentlichkeit ein.“
Rivarol, Antoine de (1753-1801), französischer Schriftsteller und Satiriker: „Die Sprache ist
äußeres Denken, das Denken innere Sprache.“
Rivarol, Antoine de (1753-1801), französischer
Schriftsteller und Satiriker: „In den Wörterbüchern gibt es abgebrauchte
Wörter, die auf den großen Schriftsteller warten, der ihnen ihre Energie
zurückerstattet.“
Rivarol, Antoine de (1753-1801), französischer
Schriftsteller und Satiriker: „Unter zehn Personen, die über uns sprechen,
sagen uns neun Böses nach, und die einzige, die Gutes sagt, sagt es schlecht.“
Rochefoucauld,
Francois La (1613-1680), französischer Moralist, in: Reflexionen: „Das
Vertrauen gibt dem Gespräch mehr Stoff als der Geist.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller: „Die antiken
Geschichtsschreiber haben uns wundervolle Dichtungen als Tatsachen überliefert.
Die modernen Erzähler langweilen uns mit Tatsachen, welche sie als Dichtung
ausgeben.“
Rotterdam, Erasmus von (1469-1536), bedeutender
niederländischer Gelehrter des europäischen Humanismus, Philosoph, Theologe,
Philologe und Autor zahlreicher Bücher: „Dort ist meine Heimat, wo ich meine
Bibliothek habe.“
Roux,
Joseph (1834-1905), französischer römisch-katholischer Geistlicher,
Schriftsteller, Okzitanist, Grammatiker, Lexikograph: „Die
Wissenschaft ist für jene, die lernen; die Dichtkunst für jene, die wissen.“
Rumpf, Michael (*1948), deutscher Germanist, Philosoph, Autor, Herausgeber, Aphoristiker:
„Gedanken ordnen sich um eine Erfahrung wie Eisenspäne um den Magneten.“
Rupkalwis, Bruno (1942-2012), deutscher politischer Aktivist
im Kampf gegen verantwortungslose Politiker und Ärzte: „Behutsames Reden ist
der Anfang aller Weisheit. Schweigen kann töten!“
Rückert, Friedrich (Pseudonym: Freimund Raimar oder Raimer, 1788-1866), deutscher Dichter,
Übersetzer, Begründer der deutschen Orientalistik: „Mit jeder Sprache, die du
erlernst, befreist / du einen bis daher in dir gebundenen Geist.“
Saint-Exupéry, Antoine de (1900-1944), französischer
Schriftsteller und Pilot: „Die Sprache
ist die Quelle aller Mißverständnisse.“
Schiller, Friedrich von (1759-1805), deutscher Nationaldichter, Historiker,
Philosoph, in: Die Jungfrau von Orleans I, 2, Karl: „Edle Sänger dürfen / nicht
ungeehrt von meinem Hofe ziehn. / Sie machen uns den dürren Zepter blühn, / sie
flechten den unsterblich grünen Zweig / des Lebens in die unfruchtbare Krone, /
sie stellen herrschend sich den Herrschern gleich, / aus leichten Wünschen
bauen sie sich Throne, / und nicht im Raume liegt ihr harmlos Reich. / Drum
soll der Sänger mit dem König gehen, / sie beide wohnen auf der Menschheit
Höhen.“
Schiller, Friedrich von (1759-1805), deutscher Nationaldichter,
Historiker, Philosoph, in: Wallensteins Tod II, 2, Wallenstein: „Schnell fertig
ist die Jugend mit dem Wort, / das schwer sich handhabt, wie des Messers
Schneide. / Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck / der Dinge Maß, die nur sich
selber richten.“
Schiller, Friedrich
von (1759-1805), deutscher Nationaldichter, Historiker, Philosoph, in: Über Matthissons
Gedichte: „Nur in Wegwerfung des Zufälligen und in dem reinen Ausdruck des
Notwendigen liegt der großer Stil.“
Schlegel, August Wilhelm von (1767-1845), deutscher Literaturhistoriker, Übersetzer,
Schriftsteller, Indologe und Philosoph, gilt zusammen mit seinem Bruder Karl
Wilhelm Friedrich von Schlegel als
Begründer der Romantik: „Literatur ist Unsterblichkeit der Sprache.“
Schlegel, Karl
Wilhelm Friedrich von (1772-1829), deutscher Kulturphilosoph, Schriftsteller,
Literatur- und Kunstkritiker, Historiker und Altphilologe, gilt zusammen mit
seinem Bruder August Wilhelm von Schlegel als Begründer der Romantik, in:
Kritische Fragmente: „Folgendes sind
allgemeingültige Grundgesetze der schriftstellerischen Mitteilung: 1) Man muß
etwas haben, was mitgeteilt werden soll; 2) man muß jemand haben, dem man’s mitteilen
wollen darf; 3) man muß es wirklich mitteilen, mit ihm teilen können, nicht
bloß sich äußern, allein; sonst wäre es treffender, zu schweigen.“
Schlegel, Karl Wilhelm Friedrich von (1772-1829), deutscher
Kulturphilosoph, Schriftsteller, Literatur- und Kunstkritiker, Historiker und
Altphilologe, gilt zusammen mit seinem Bruder August Wilhelm von Schlegel als
Begründer der Romantik: „Die
romantische Poesie ist eine progressive Universalphilosophie. Ihre Bestimmung
ist nicht bloß, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und
die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will
und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und
Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig
und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen.“
Schnitzler, Arthur (1862-1931), österreichischer
Erzähler und Dramatiker, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener
Moderne, in: Aphorismen: „Wir reden um
unsere Gedanken herum, weil wir keine Gedanken in Worten völlig auszudrücken
vermögen, sonst wäre die Verständigung – mindestens zwischen Verständigen –längst
erfolgt. Aber wir denken auch um die Worte herum, und das ist das Bedenkliche.
Hätten wir die Kraft oder den Mut oder die Möglichkeit, von den Worten
vollständig wegzudenken, wir wären weiter als wir sind.“
Schnitzler, Arthur (1862-1931), österreichischer Erzähler und
Dramatiker, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne, in:
Aphorismen: „Worte sind gewiß nicht alles, es gibt immer noch etwas zwischen
den Worten, hinter den Worten – aber all dies Unaussprechliche bekommt ja erst
einen Sinn dadurch, daß die Worte da sind, und durch die verschiedene Distanz,
das verschiedene Verhältnis, das es eben zu den Worten hat.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher
Philosoph, in: Parerga und Paralipomena II: „Alles wirkliche Dichten und Denken ist gewissermaßen ein Versuch, den
kleinen Leuten einen großen Kopf aufzusetzen: kein Wunder, daß er nicht gleich gelingt.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph, in: Die Welt als Wille und
Vorstellung, § 51: „Denn die Stimmung des Augenblickes zu ergreifen und im
Liede zu verkörpern ist die ganze Leistung dieser poetischen Gattung [der
Dichtkunst]. Dennoch bildet in der lyrischen Poesie ächter Dichter sich das
Innere der ganzen Menschheit ab, und Alles, was Millionen gewesener, seiender,
künftiger Menschen, in den selben, weil stets wiederkehrenden, Lagen, empfunden
haben und empfinden werden, findet darin seinen entsprechenden Ausdruck. Weil
jene Lagen, durch die beständige Wiederkehr, eben wie die Menschheit selbst,
als bleibende dastehen und stets die selben Empfindungen hervorrufen, bleiben
die lyrischen Produkte ächter Dichter Jahrtausende hindurch richtig, wirksam
und frisch. Ist doch überhaupt der Dichter der allgemeine Mensch: Alles, was
irgend eines Menschen Herz bewegt hat, und was die menschliche Natur, in irgend
einer Lage, aus sich hervortreibt, was irgendwo in einer
Menschenbrust wohnt und brütet, – ist sein Thema und sein Stoff; wie daneben
auch die ganze übrige Natur. Daher kann der Dichter so gut die Wollust, wie die
Mystik besingen, Anakreon, oder Angelus Silesius seyn, Tragödien, oder Komödien
schreiben, die erhabene, oder die gemeine Gesinnung darstellen, – nach Laune
und Beruf. Demnach darf Niemand dem Dichter vorschreiben, daß er edel und
erhaben, moralisch, fromm, christlich, oder Dies oder Das seyn soll, noch
weniger ihm vorwerfen, daß er Dies und nicht Jenes sei. Er ist der Spiegel der
Menschheit, und bringt ihr was sie fühlt und treibt zum Bewußtseyn.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph, in: Paregra und Palimomena: „Es
gibt keine andere Offenbarung als die Gedanken der Weisen.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph, in: Parerga und Paralipomena II,
23: „Zunächst ist die Wirkung eines Schriftstellers dadurch bedingt, daß er den
Ruf erlangt, man müsse ihn lesen.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher
Philosoph, in: Parerga und Paralipomena II, 24, 295: „Neun Zehntel unserer
ganzen jetzigen Literatur haben keinen anderen Zweck, als dem Publiko einige
Taler aus der Tasche zu spielen. Dazu haben sich Autor, Verleger und Rezensent
fest verschworen.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher
Philosoph, in: Parerga und Paralipomena II, Kapitel XXII, § 259: „Im Grunde
haben nur die eigenen Grundgedanken Wahrheit und Leben: Denn nur sie versteht
man recht eigentlich und ganz. Fremde, gelesene Gedanken sind die Überbleibsel
eines fremden Mahles, die abgelegten Kleider eines fremden Gastes. Zum eigenen,
in uns aufsteigenden Gedanken verhält der fremde, gelesene, sich wie der
Abdruck einer Pflanze der Vorwelt im Stein zur blühenden Pflanze des
Frühlings.“
Schopenhauer,
Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph, in Aphorismen zur Lebensweisheit: „Man bestreite keines Menschen Meinung;
sondern bedenke, daß wenn man alle Absurditäten, die er glaubt, ihm ausreden
wollte, man Methusalems Alter erreichen könnte, ohne damit fertig zu werden.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph: „Als die einfachste und
richtigste Definition der Poesie möchte ich diese aufstellen: Daß sie die Kunst
ist, durch Worte die Einbildungskraft ins Spiel zu versetzen.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher
Philosoph: „Lesen heißt, mit einem fremden Kopf statt dem eigenen zu denken.
Nun ist aber dem eigenen Denken, aus welchem allemal ein zusammenhängendes
Ganzes, ein, wenn auch nicht streng abgeschlossenes System sich zu entwickeln
trachtet, nichts nachteiliger als ein vermöge beständigen Lesens zu starker
Zustrom von Gedanken.“
Schopenhauer,
Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph: „Schreibt
ihr Plattheiten und Unsinn in die Welt, so viel es euch beliebt, das schadet
nicht, denn es wird mit euch zu Grabe getragen; ja, schon vorher. Aber die
Sprache laßt ungehudelt und unbesudelt: Denn die bleibt.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph: „Wenige schreiben, wie ein Architekt
baut, der zuvor seinen Plan entworfen und bis ins einzelne durchdacht hat,
vielmehr die meisten nur so, wie man Domino spielt.“
Schopenhauer,
Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher Philosoph: „Wer
etwas Sagenswertes zu sagen hat, braucht es nicht in preziöse Ausdrücke,
schwierige Phrasen und dunkle Anspielungen zu verhüllen; sondern er kann es
einfach, deutlich und naiv aussprechen, und dabei sicher sein, daß es seine
Wirkung nicht verfehlen wird.“
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher
Philosoph in: Parerga und Paralipomena II, Kapitel XXII, § 260: „Lesen ist ein
bloßes Surrogat des eigenen Denkens. Man läßt dabei seine Gedanken von einem
Andern am Gängelbande führen. Zudem taugen viele Bücher bloß, zu zeigen, wie
viel Irrwege es gibt und wie arg man sich verlaufen könnte, wenn man von ihnen
sich leiten ließe. Den aber der Genius leitet, d.h. der selbst denkt,
freiwillig denkt, richtig denkt, – der hat die Bussole, den rechten Weg zu
finden. – Lesen soll man also nur dann, wann die Quelle der eigenen Gedanken
stockt; was auch beim besten Kopfe oft genug der Fall sein wird. Hingegen die
eigenen, urkräftigen Gedanken verscheuchen, um ein Buch zur Hand zu nehmen, ist
Sünde wider den heiligen Geist. Man gleicht alsdann dem, der aus der freien
Natur flieht, um ein Herbarium zu besehen, oder um schöne Gegenden im
Kupferstiche zu betrachten.“
Schuy, Eberhard (*1955),
deutscher Werbe- und Industriephotograph: „Schreiben ist wie reden, nur bleibt
dabei mehr Zeit zum Denken.“
Schweitzer, Ludwig Philipp Albert (1875-1965),
deutsch-französischer Arzt, evangelischer Theologe, Organist, Musiker,
Schriftsteller, Philosoph und Pazifist, erhielt 1952 den Friedensnobelpreis,
in: Aus meinem Leben und Denken 7: „Den Unterschied zwischen den beiden
Sprachen empfinde ich derart, als ob ich mich in der französischen auf den
wohlgepflegten Wegen eines schönen Parkes erginge, in der deutschen mich aber
in einem herrlichen Walde herumtriebe.“
Seneca (Lucius Annaeus Seneca, um 04 v. Chr.-Freitod 65 n.
Chr.), römischer Staatsmann, Naturforscher, Dramatiker, Philosoph und Stoiker,
an Lucilius (2), des Empfängers der „Epistulae morales“: „Du wirst selber
zugeben, daß das Lesen vieler Schriftsteller und der verschiedenartigsten Bücher
vage und unstet macht.“
Seneca (Lucius Annaeus Seneca, um 4 v. Chr. - Freitod 65 n. Chr.), römischer
Staatsmann, Naturforscher, Dramatiker, Philosoph und Stoiker, in: Vom
glückseligen Leben: „Wozu unzählige
Bücher und Büchersammlungen, von denen der Besitzer in seinem ganzen Leben kaum
die Titelverzeichnisse liest? Die Masse ist für’s Lernen lästig, nicht
fördernd; viel nützlicher ist es, mit wenigen Schriftstellern sich eingehend zu
beschäftigen, als viele durchzublättern.“
Shakespeare, Hamlet
III, 2, Hamlet: „Alles, was so übertrieben wird, ist dem Vorhaben des
Schauspiels entgegen, dessen Zweck sowohl anfangs als jetzt war und ist, der
Natur gleichsam den Spiegel vorzuhalten: Der Tugend ihre eignen Züge, der
Schmach ihr eignes Bild und dem Jahrhundert und Körper der Zeit den Abdruck
seiner Gestalt zu zeigen. Wird dies nun übertrieben oder zu schwach
vorgestellt, so kann es zwar den Unwissenden zum Lachen bringen, aber den Einsichtsvollen
muß es verdrießen.“
Shakespeare, William (1564-1616), englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler, in: Wie es euch
gefällt, VI, 1, Jacques: „Es ist doch hübsch, traurig zu sein und nichts zu
sagen.“
Sirius, Peter: „Witz
ist glitzernder Schaum der Oberfläche. Humor ist die Perle aus der Tiefe.“
Sloterdijk, Peter (*1947), deutscher Philosoph, Kulturwissenschaftler, Buchautor, in: Zeilen und Tage – Notizen 2008-2011:
„Von der Volkskrankheit Depression
spricht das Feuilleton jede Woche, während man über die Volkskrankheiten
Bedeutungslosigkeit und Erfolglosigkeit wenig hört – vermutlich deswegen, weil
diejenigen, die kompetent darüber schreiben könnten, selbst zu sehr daran
leiden, als daß sie das Thema aufbringen wollten. Von dem depressiven Dreieck
sieht man darum nur die Spitze, die durch die klinische Bezeichnung einen
offiziellen Status erhalten hat. Von dem unterirdischen Teil erfährt man nur
indirekt durch das Verhalten der Betroffenen im Umgang mit allem, was nicht
bedeutungslos und erfolglos ist.“
Sokrates (469-399 v. Chr.), griechischer Philosoph, der das abendländische Denken
bestimmend mitprägte: „Wenn du etwas
weitersagen willst, so seihe es zuvor durch drei Siebe: Das erste läßt nur das Wahre
hindurch. Das zweite läßt nur das Gute hindurch und das dritte läßt nur das
Notwendigste hindurch. Was durch alle drei Siebe hindurchging, das magst du
weitersagen.“
Sprichwort, Armenisches: „Auch die Tiere verstehen zärtliche Worte.“
Stifter, Adalbert (Pseudonym: Ostade, 1805-1868),
österreichischer Schriftsteller, Maler und Pädagoge, zählt zu den bedeutendsten
Autoren des Biedermeier, in: Der Waldbrunnen: „Und der
Wald, wenn ihr in ihm herumgehen werdet, hat köstliche Dinge in sich. Da ist
der ganze Boden, auf dem er steht, ein ungeheurer zerklüfteter Stein, ein
Stein, der Hunderte von Meilen lang ist, viele Meilen breit und manche Meile
tief. Er hat Risse und Spalten und Gänge und Öffnungen, in welche die Wurzeln
der Bäume eindringen, und über welchen der schwarze Boden liegt, auf dem die
Gräser und Blumen und Beeren des Waldes wachsen. Und das Wasser, welches von
den Wolken des Himmels niederregnet, sinkt hinein und sinkt immer tiefer, und
sinkt tiefer, und reinigt sich und sammelt sich in dem Steine wie in einem
blanken Kruge, weil der Stein fest ist wie eine glatte Schale. Und dann quillt
es irgendwo hervor und macht ein kleines Bächlein oder in der Steinmulde ein
Brünnlein, so hellen Wassers, daß du nicht weißt, wo die Luft aufhört und das
Wasser anfängt, und ein Wasserfädlein rinnt von der Mulde fort, und tausend
Wasserfädlein rinnen, und überall rieselt es emsig und still, und das Rieselnde
findet sich zusammen, und es rauscht dann in der Tiefe, und die vielen, vielen
Bächlein gehen in die Länder hinab...“
Stifter, Adalbert (Pseudonym: Ostade, 1805-1868),
österreichischer Schriftsteller, Maler und Pädagoge, zählt zu den bedeutendsten
Autoren des Biedermeier: „Dichter gibt es sehr wenige auf der Welt; sie sind
die hohen Priester, sie sind die Wohltäter des menschlichen Geschlechts;
falsche Propheten aber gibt es sehr viele.“
Talleyrand-Périgord, Charles-Maurice de (1754-1838), französischer Staatsmann und Diplomat zurzeit
der Französischen Revolution, der Napoleonischen Kriege und auf dem Wiener
Kongreß: „Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu
verbergen.“
Tolstoi, Lew
Nikolajewitsch Graf (1828-1910, nach gregorianischem Kalender),
russischer Nationaldichter und Schriftsteller: „Jeder kommt auf seinem Wege zur
Wahrheit, eins aber muß ich sagen: Was ich schreibe, sind nicht nur Worte,
sondern ich lebe danach, darin ist mein Glück und damit werde ich sterben.“
Tschopp, Charles (1899-1982), Schweizer Schriftsteller: „Diskussion ist der Übungsplatz des
Geistes.“
Tucholsky, Kurt (1890-1935),
deutscher Journalist und Schriftsteller, schrieb auch unter den Pseudonymen
Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignatz Wrobel, in: Gesammelte
Werke, Bd. 9: „Was ein richtiges
Buch ist, das muß den ganzen Haushalt durcheinanderbringen: die Familie prügelt
sich, wer es weiterlesen darf, die Temperatur ist beängstigend, und Mittag wird
überhaupt nicht mehr gekocht.“
Tucholsky, Kurt (1890-1935), deutscher Journalist und Schriftsteller, schrieb auch unter den
Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignatz Wrobel, in:
Ratschläge für einen guten Redner, 1930: „Hauptsätze. Hauptsätze. Hauptsätze. /
Klare Disposition im Kopf – möglichst wenig auf dem Papier. / Tatsachen oder
Appell an das Gefühl. Schleuder oder Harfe. Ein Redner sei kein Lexikon. Das
haben die Leute zu Hause. / Der Ton einer einzelnen Sprechstimme ermüdet.
Sprich nie länger als vierzig Minuten. Suche keine Effekte zu erzielen, die nicht
in deinem Wesen liegen. Ein Podium ist eine unbarmherzige Sache – da steht der
Mensch nackter als im Sonnenbad.“
Tucholsky, Kurt (1890-1935), deutscher Journalist und Schriftsteller, schrieb auch unter den
Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignatz Wrobel: „Die
Seele jeder Ordnung ist ein großer Papierkorb.“
Twain, Mark (1835-1910), US-amerikanischer Schriftsteller: „Der Unterschied zwischen dem
richtigen Wort und dem beinahe richtigen Wort ist derselbe, wie zwischen einem
Blitz und einem Glühwürmchen.“
Twain,
Mark (Samuel Langhorne Clemens, 1835-1910), US-amerikanischer Schriftsteller: „Schreiben ist leicht. Man muß nur die
falschen Wörter weglassen.“
Unger, Joseph (1828-1913), österreichischer Jurist, Schriftsteller, Politiker,
Reichsgerichtspräsident: „Zu größerer Klarheit über seine Gedanken gelangt man,
indem man sie anderen klar zu machen sucht.“
Valéry, Paul (Ambroise Paul Toussaint Jules Valéry,
1871-1945), französischer Lyriker, Philosoph und Essayist: „Daß ich Grab oder
Schatz sei, / Ob ich spreche oder schweige, / Dies hängt von dir ab, / Der du
vorbeigehst. / Freund, tritt nicht wunschlos ein.“
Vauvenargues, Luc de
Clapier Marquis (1715-1747), französischer Philosoph, Moralist und
Schriftsteller, in: Reflexionen und Maximen: „Beredsam ist, wer, selbst ohne es
zu wollen, mit seiner Überzeugung oder Leidenschaft, Geist und Herz anderer
erfüllt.“
Vauvenargues, Luc de
Clapier Marquis (1715-1747), französischer Philosoph, Moralist und
Schriftsteller: „Die Welt ist mit kalten Geistern bevölkert, die, selbst
unproduktiv, sich damit trösten, zu verwerfen, was andere gedacht haben, und
sich durch eine zur Schau getragene Verachtung fremder Werke interessant zu
machen glauben.“
Vauvenargues, Luc de Clapier Marquis (1715-1747),
französischer Philosoph, Moralist und Schriftsteller: „Ein Gedanke, der zu
schwach ist, einen einfachen Ausdruck zu ertragen, zeigt damit, daß er nichts
taugt. – Klarheit ist Schmuck der Tiefe; Dunkelheit das Reich des Irrtums.“
Voltaire (François-Marie Arouet, 1694-1778), einer der bedeutendsten Autoren der
französischen und europäischen Aufklärung: „Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige.“
Voltaire (François-Marie Arouet, 1694-1778), einer der bedeutendsten Autoren der
französischen und europäischen Aufklärung: „Verwendet nie ein neues Wort, sofern es nicht drei Eigenschaften
besitzt: Es muß notwendig, es muß verständlich und es muß wohlklingend sein.“
Waggerl, Karl
Heinrich (Karl Waggerl, 1897-1973), gehört als österreichischer Schriftsteller
mit Übersetzungen seiner Werke in mehr als ein Dutzend Sprachen zu den
meistgelesenen Autoren des 20. Jahrhunderts: „Ein Fremdwort ist wie ein
unscharfes Photo.“
Wallas, Graham (1858-1932), englischer Schriftsteller,
Sozialist, Sozialpsychologe, Pädagoge, Führer der Fabian Society und
Mitbegründer der London School of Economics: „Wie kann ich wissen, was ich
denke, bevor ich höre, was ich sage?“
Walser, Martin Johannes (1927-2023), deutscher Schriftsteller:
„Bücher sind auch Lebensmittel.“
Walser, Martin Johannes (1927-2023), deutscher Schriftsteller: „Ein Buch ist für mich eine Art Schaufel, mit
der ich mich umgrabe.“
We, Lü Bu (auch: Lü
Buwei, um 300 v. Ch.-235 v. Ch.), chinesischer Kaufmann, Politiker und
Philosoph, in seinem Werk: Frühling und Herbst des Lü Bu We: „Die Feststellung
der Begriffe und die Begrenztheit der Befugnisse sind die Zügel der
Herrschaft.“
Weber, Karl Julius (auch Carl Julius Weber, 1767-1832), deutscher Schriftsteller und bedeutender
Satiriker, Jurist, Privatgelehrter, in: Demokritos, Über Bücher: „Die zwei
Weisesten der Menschen, Sokrates und Christus, schrieben keine Zeile.“
Whitman, Walt (Walter
Whitman, 1819-1892) bedeutender US-amerikanischer Schriftsteller und Lyriker,
in seinem berühmtesten Werk ‚Grashalme‘: „Das ganze bekannte Universum hat einen wahrhaft Liebenden, und das ist
der größte Dichter. Er verschwendet sich in ewiger Leidenschaft und ist
unbekümmert darum, was ihm das Schicksal bringt, welch mögliche Zufälligkeiten
an Glück oder Unheil, er erringt täglich und stündlich seinen köstlichen Lohn.
Was andere hemmt oder zerbricht – ihm es ist Nahrung nur für das Feuer seines
Verlangens [...] Sein Erleben, seine Schauer und Erschütterungen sind nicht
umsonst. Nichts kann ihn abschrecken – leiden nicht noch Finsternis – nicht Tod
noch Furcht.“
Whitman, Walt (Walter
Whitman, 1819-1892) bedeutender US-amerikanischer Schriftsteller und Lyriker,
in seinem berühmtesten Werk ‚Grashalme‘: „Die Botschaft großer Dichtungen an alle Menschen lautet: Kommt als
Gleichberechtigte zu uns, dann nur könnt ihr uns verstehen. Wir sind nicht
besser als ihr; was in uns ist, das ist auch in euch, woran wir uns erfreuen,
daran könnt ihr euch auch erfreuen.“
Whitman, Walt (Walter
Whitman, 1819-1892) bedeutender US-amerikanischer Schriftsteller und Lyriker,
in seinem berühmtesten Werk ‚Grashalme‘: „Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft sind nicht getrennt
voneinander, sondern vereint. Der größte Dichter gestaltet, was sein wird,
folgerichtig aus dem, was ist und war. Er zieht die Toten aus ihren Särgen und
stellt sie wieder auf die Füße. Er sagt zur Vergangenheit: Stehe auf vor mir
und wandle, auf daß ich dich erkenne!“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller, in: Aphorismen: „Alle schlechte Dichtung entspringt echtem
Gefühl. Natürlich sein, heißt verständlich sein, und verständlich sein, heißt
unkünstlerisch sein.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller, in: Das Bildnis des Dorian Gray IV, Lord
Wotton: Die einzigen persönlich erfreulichen Künstler, die ich jemals
kennenlernte, sind schlechte Künstler. Gute Künstler leben nur in dem, was sie
schaffen, und sind infolgedessen völlig uninteressant an dem, was sie sind. Ein
großer Dichter, ein wirklich großer Dichter, ist das unpoetischste aller
Geschöpfe. Geringere Dichter dagegen sind absolut
faszinierend. Je schlechter ihre Gedichte sind, um so malerischer sehen sie
aus. Die bloße Tatsache, ein Buch mit zweitklassigen Sonetten veröffentlicht zu
haben, macht einen Mann ganz unwiderstehlich. Er lebt die Poesie, die er nicht
schreiben kann. Die anderen schreiben die Poesie, die sie nicht zu
verwirklichen wagen.“
Wilde, Oscar (1854-1900),
irischer Schriftsteller, in: Ein idealer Gatte II, Lady Markby: „Nichts ist so
gefährlich wie das Allzumodernsein. Man gerät in Gefahr, plötzlich aus der Mode
zu kommen.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller: „Die
meisten Menschen gehen bankrott, weil sie zuviel in die Prosa des Lebens
investiert haben. Sich für die Poesie zu ruinieren ist eine Ehre.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller: „Es gibt
Bücher, die uns in einer einzigen Stunde mehr erleben lassen, als das Leben uns
in zwanzig Jahren gewährt.“
Wilde, Oscar (1854-1900), irischer Schriftsteller: „Gesegnet jene, die nichts zu sagen haben
und den Mund halten.“
Wilder, Thornten (1897-1975), amerikanischer Romancier, gehört zu den bedeutendsten
amerikanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts: „Wer eine fremde Sprache
lernt, zieht vor einer anderen Nation den Hut.“
Wittgenstein, Ludwig (1889-1951), österreichisch-britischer Philosoph, in: Tractatus
logico-philosophicus: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt. Die Logik
erfüllt die Welt; die Grenzen der Welt sind auch ihre Grenzen. [...] Was wir
nicht denken können, das können wir nicht denken; wir können also auch nicht
sagen, was wir nicht denken können.“ (Vieles ist mit Worten nicht auszudrücken,
deshalb ist auf Gesten zu achten, das Verhalten im Schweigen. Vielleicht
versteht man einander.)
Wolf, Christa (1929-2011), deutsche Schriftstellerin, die zu
den bedeutendsten ihrer Zeit zählt: „Jeder
Leser arbeitet auch an dem Buch mit, das er liest.“
Zen-Weisheit: „Nur liebevolle Worte überzeugen.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller,
hier in ‚Zitaten‘ aus den Nachbemerkungen seines Herausgebers Knut Beck, in:
Stefan Zweig, Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S.
240: „Um den Ansatz seiner Kritik besser verständlich zu machen, schaltete er
in seine Besprechungen gelegentlich theoretische Erörterungen ein. >Jede
echte Novelle ist ebenso wie ein technischer Bau, ein Haus, eine Brücke, eine
Maschine<, konstatierte er beispielsweise 1913 in einer Rezension von Raoul
Auernheimers ‚Laurenz Hallers Praterfahrt‘, >im letzten doch nur
Materialisierung einer Schwergewichtsberechnung, einer geometrischen
Gesetzmäßigkeit, wo Druck gegen Spannung, Gewicht gegen Gegengewicht gestellt,
ein Schicksal mit der stärksten Tragfähigkeit belastet werden muß, um jenes
ästhetische Wohlbehagen zu erzeugen, das immer nur eine Harmonie zwischen
Anstrengung und Erfolg verspricht. Jedes Schicksal hat seine natürliche Weite,
über die es nicht hinausgetrieben werden darf, ohne innen brüchig zu werden,
und dieses richtige Maß der Bedeutung dem Geschehnis und seiner Erörterung
abzugrenzen, erfordert nicht nur reproduktives, sondern auch konstruktives Talent.<
… >Wilde Häufung von Geschehnissen, die flüchtiger Blick für Reichtum halten
könnte, die aber [der von Stefan Zweig seit seinen Anfängen so sehr verehrte]
Balzac, der weiseste Kenner künstlerischer Ökonomie, als das sicherste Zeichen
schöpferischer Ohnmacht gebrandmarkt hat<, lehnte auch er entschieden ab –
so 1908 gelegentlich einer Besprechung von Gabriele d’Annunzio’s ‚La Nave‘.
>Grazie des Stils< bewunderte er.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller,
in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 90, Elemente
der Menschengröße, (über Rudolf Kaßners Werk ‚Von den Elementen der
menschlichen Größe‘, Leipzig, Insel-Verlag): „Bei den großen Meistern der Lyrik
ist vor allem ein Phänomen so wunderbar typisch für die ursprüngliche Gewalt
ihrer Anschauung, ein seltsamer Vorgang, der noch unendlich bedeutsamer ist als
ihre neubildnerische Kraft, nämlich die Fähigkeit, ein gänzlich verbrauchtes
und durch allzu häufige, schon automatisch gewordene Benutzung unsinnlich und
falsch gewordenes Attribut, ein kaltes gewöhnliches Wort also, plötzlich durch
eine unerwartete und vor allem richtige Anwendung wieder sinnlich, neu packend
zu gestalten, es gleichsam von dem Mißverständnis seiner grob prosaischen
Verfälschung wieder in die poetisch reine, kristallklare Form der dichterischen
Sinnlichkeit zu erlösen. Ein Phänomen, das jedem Liebhaber der Lyrik hundert
jähe Entzückungen geschenkt hat und das in unseren Tagen bei Stefan George und
Rilke am eindringlichsten und lautesten zu finden ist. Unversucht hingegen ist
bis auf wenige Ausnahmen in unserer Zeit das Bestreben, nicht nur das Wort,
sondern auch die Begriffe von der Abgegriffenheit journalistischer und
rhetorischer Verwendung zu befreien, sie wieder zurückzuführen in die rein
lautere, hier aber gänzlich unsinnliche Atmosphäre, ihre elementare
Isoliertheit wieder herzustellen. Und unter den vielen Gesichtspunkten, von
denen die Bedeutung Rudolf Kaßners für unsere Zeit aus betrachtet werden
könnte, scheint mir diese für sein Werk eine der bedeutendsten.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller,
in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 160, Einleitung
zu einer zusammengefaßten Ausgabe von Jean-Jacques Rousseau’s ‚Emil oder Über
die Erziehung‘: „Mit wohlverständiger Neugier suchen wir heute die
Explosivstoffe in diesem Kunstwerk. Und finden sie nicht. Für uns ist ‚Emile‘ in
seiner ungekürzten Form ein sehr langwieriges, umständliches,
pädagogisch-philosophisches Werk, das oft entzückt, oft erstaunt, aber niemals
revoltiert. Paradox schon durch die Tatsache, daß ein Mensch, der selbst nie
Ordnung in sein Leben bringen konnte, nie in einen Beruf sich fand, die
erstaunlichsten Theorien der Erziehung mit verführerischer Logik predigt, daß
ein Vater, der seine fünf Kinder im Pariser Findelhaus ablegte und dem Zufall für
immer überließ, die Sorgfalt für die Jugend als wesentlichste Pflicht des
Menschen statuiert. Paradox auch im einzelnen Argument, aber doch blendend in
seiner Verwegenheit und ein Meisterwerk der Pädagogie.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller,
in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 164,
Stendhals deutsche Wiederkehr: „Erst um 1880 herum hat er wieder einen guten
Leser in Deutschland. Friedrich Nietzsche, der, wie er erzählt, die beiden
Romane [Rot und Schwarz, Die Kartause von Parma] 60 oder 70mal gelesen hätte
und der ihm nur Dostojewski in der Psychologie überlegen hält.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller,
in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 170,
Anmerkungen zu Balzac: „Wie immer im Talente tränkt die Quelle der größten
Vorzüge auch die geheime Kraft der Fehler. Bei Balzac war es das Temperament,
dieser Vulkan von Glut, der Licht und Feuer über den erschreckten Himmel
gießend mit wunderbarer Schönheit die Gegend erhellt, um sie im nächsten
Augenblicke unter starrer Lavaflut zu begraben.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller,
in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 184, Balzacs
Codices vom eleganten Leben: „Und da erkennt man wieder die unendliche
Verwandlungsfähigkeit Balzacs, sich selbst mit dem Stoffe zu verändern, leicht
zu werden an den leichten Dingen, tragisch an den verworrenen, bedeutsam in
seinen philosophischen Erörterungen, jene geheimnisvolle Seelenlosigkeit der
ganz Großen, die, wie bei Shakespeare, das Göttliche und Unbegreifliche des
vollendeten Künstlers darstellt.“
Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller,
in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 204, Triumph
der Kathedrale, Anmerkungen zu Paul Claudels ‚Verkündigung‘: „Diese isolierte
Stellung und dies exemplarische Leben sollten genügen, Paul Claudel die Achtung
zu erzwingen, die sein neuartiges Werk verdient – ein Werk, das sich jeder
raschen Erörterung versagt, weil es überall die Grundfesten der sogenannten
dramatischen Gesetze erschüttert (die immer nur Geltung für den haben, dem
nicht die Kraft zuteilward, sie zu zertrümmern).“