WERKE IN PRIVATBESITZ






Selbstporträt, 74 x 100 cm, Öl auf Leinwand, rückseitig auf dem Rahmen notiert ‚J. Rappl‘, vermutlich um 1960 gemalt.
Eigentümer: H. D.


























Herr D. hatte das Bild etwa 2002 auf einem Antikmarkt in Oberhessen erstanden; der Händler kam in dessen Besitz durch eine Nachlassauflösung. Das Porträt übte auf den heutigen Eigentümer eine ungewöhnlich starke Anziehungskraft aus, obwohl er eigentlich nie nach Bildern suchte. Sein erster Gedanke war: ‚Diese Frau kann malen! Ihr Blick: intelligent, souverän, selbstbewusst; eine individuelle bis schwierige Persönlichkeit, gewiss aber alles andere als ein langweiliger Gesprächspartner, eine Person, mit der sich der Kontakt lohne.‘ Er kaufte das Bild, ohne mehr zu wissen, als dass es mit großer Wahrscheinlichkeit von der Malerin selbst stammt, da es weder signiert noch datiert ist. Leider hatte das Bild seiner Frau nicht gefallen - sie fand es ‚stilistisch zu schwer‘ -, sodass es nie aufgehängt wurde. Erst 2013 entdeckte er auf dem rückseitigen Holzrahmen mit Bleistift den Namen ‚J. Rappl‘.

Herr D. ließ mir Anfang 2014 diese Informationen zukommen. Da er dieses wunderbare Gemälde seiner Bedeutung gemäß einzuordnen wusste, fügte er hinzu: „Ich selbst halte es für eine Art Schlüsselwerk.“ - Tatsächlich ist es das vollständigste und bedeutendste Selbstporträt, das wir von der Künstlerin besitzen (soweit uns bekannt). - Im Werkarchiv-Ordner ‚Porträts‘ ist es, wie alle anderen Bilder auch, vergrößert anzusehen. - Weiter schrieb Herr D. mir:

„Sehr geehrter Herr Just,
Sie waren über den hohen Preis erstaunt, den das Bild auf dem Antikmarkt erzielt hat? - Die Preisvorstellung hatte der Verkäufer ja nicht von Frau Rappl übernommen, ich denke, er hat sie nach freiem Gutdünken entwickelt, vielleicht um zu testen, was man bereit ist, dafür zu bezahlen. Immerhin ist er dann ja auch deutlich von seiner Vorstellung abgerückt. Sicher hatte er auch erkannt, dass das Bild ausdrucksstark und gut gemalt ist, also nicht ‚billig‘ sein kann. Wurden dort von den Händlern doch alle handgemalten Unikate nicht unter 250 DM - heute ziemlich das gleiche in Euro - angeboten.
Es wundert mich nicht, dass Aquarelle da preislich günstiger bewertet werden. Für viele Laien bzw. das Gros der Bürger haben Aquarelle etwas von Kunstunterricht in der Schule und Amateurmalerei, während Ölbilder immer als ‚echte Kunst‘ angesehen werden. Das gilt ja auch für Bilder auf Hartpappe oder Ähnliches. Für den Normalbürger gelten nur Bilder auf Leinwand als ‚echte Gemälde‘. Ich habe kürzlich hier auf einen Flohmarkt ein impressionistisches (sehr gutes) Ölgemälde eines bekannten lokalen Künstlers (Horst Sebulke) für 3,- Euro erstanden. Gemalt auf Hartpappe und mit Passepartout versehen. Auch da wurde der Haushalt aufgelöst. Skulpturen von ihm wurden zu 5,- Euro angeboten. Holzschnitte wurden für 1,- Euro feilgeboten. Ich hatte mich sehr gewundert, dass der örtliche Kunstverein, der ihn jahrelang hofiert hatte, den Bestand nicht übernommen hatte, denn offenbar gab es keine Erben.
Ich denke, dieses Denken hatte zur Preisgestaltung des Verkäufers beigetragen. Zumal es noch einen anderen Aspekt gibt: Diese ‚Messehändler‘ neigen dazu, ihre Preise sporadisch festzusetzen. Einerseits spielt ihr chronischer Geldmangel und das Bewusstsein, verkaufen zu müssen (um mit dem Geld vielleicht sogar überhaupt erst in der Lage zu sein, den Messestand zu bezahlen) eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Bereitschaft, Zugeständnis zu machen. Andererseits erkennen sie durch ihre Erfahrung, ob ein potenzieller Kunde echtes Interesse hat. Ein Händler hatte mir einmal gesagt, ‚ich muss die Augen des Interessenten sehen. Dann weiß ich, was das Objekt seines Interesses wert ist.‘
Diese Händler haben zwar Verkaufsdruck, können aber auch nichts verschenken. Sehen sie ‚Gier‘ in den Augen des Käufers, nennen sie einen hohen Preis, in der Bereitschaft, diesen sukzessive zurückzunehmen. Ist der Interessent ein eher wenig interessierter, der nur auf einen Kauf aus ist, bei dem er selbst noch etwas verdienen kann, so nennen sie gleich einen Preis, der unter Umständen nahe dem liegt, was sie selbst bezahlt hatten. Zwischen beidem liegen oft Welten: So ging ich mal mit einem Bekannten zu einem solchen Antikmarkt und wir trennten uns dabei. Ich kam mit einem Verkäufer antiquarischer Bücher ins Gerede und fragte ihn schließlich nach dem Preis einiger alten religiösen Bücher aus der Endzeit des 17. Jahrhunderts, die er anbot. Darunter hatte ich eines gesehen, in dem teilweise über den 30-jährigen Krieg in meiner Region geschrieben war. Sicher hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel verkauft und benötigte noch Geld, um die Standmiete zusammenzutragen. Er bot mir jedes dieser Bücher zu einem Spottpreis von 15 Euro an. Ich traf mich dann wieder mit meinem Bekannten und zeigte ihm das Buch, worauf er sofort entschied, sich wenigstens auch eines der Bücher zu kaufen. Ich ging mit ihm zu dem Händler, das war kaum zehn Minuten nach meinem Kauf. Obwohl ich dabei war und mich der Händler ja erkannte, kostete auf einmal jedes der Bücher 60,- Euro.
Es ist schon merkwürdig: Wenn ich mit meiner Frau in eine Bilderausstellung bekannter Künstler gehe, begeistert sie sich für ‚die alten Meister‘, aber wenn ich Vergleichbares zu Hause habe, gefällt es ihr nicht. Das Phänomen betrifft nicht nur alte Bilder. Da ich ja teilweise auch mit Museen zusammenarbeite, besuche ich auch gerne geschichtliche Ausstellungen. Meine Frau kann dann lange Zeit vor manchen Objekten stehen und begeistert davon erzählen, in welchem Zusammenhang ein vergleichbares oder identisches Teil zu ihrer Familie steht. Häufig habe ich selbst ein identisches Stück von ihr völlig unbeachtet in meiner Sammlung und würde ich es - wie im Museum - in einer Vitrine im Wohnbereich präsentieren, so müsste ich mir so lange Vorwürfe ‚wegen des alten Plunders, der nur Arbeit mache und abgestaubt werden müsse‘, anhören, bis ich es wieder wegstelle.“

Schade, dass den meisten Menschen ein ureigenes Sensorium für den authentischen künstlerischen Ausdruck fehlt; sie können nur ‚anerkennen‘, was ihnen die öffentliche Meinung als ‚groß‘ vorgestellt hat.


Ein elfenhaft-verwunschenes Blumenbild, gemalt 1979, 48 x 48 cm, ein Geschenk Violanthe Rappls an Emily, der Tochter Herrn H. Schindlers. - Seine Mutter (geb. 1930) ist eine Cousine Violanthe Rappls sowie eine Nichte Franz Rappls.






























Porträt Herrn H. Schindlers, gemalt 1992, 95 x 75 cm. Beide Gemälde befinden sich in Kassel.































Porträt von K. Schindler, in ihrem Besitz.




























5 Gemälde, deren Eigentümer und Aufenthaltsorte unbekannt sind - wir besitzen lediglich diese Foto- bzw. Diafotografien
:





Drei Werke im Besitz von TurnusGleicHolger Hirt, Bamberg.
(Auch das dritte Bild ist hier wiedergegeben, wenngleich die Widmungsverse vornehmlich von den beiden ersten Bildern inspiriert worden sind.)
TurnusGleich, 26.04.2017:

An Violanthe Rappl

zarte farben
sanft bewegt
decken narben
furcht sich legt

bilder hängen
an den wänden
schlägt um längen
edle spenden

zeit des übels
neigt zu end’ sich
wurm des grübels
speiet aus dich

zarte farben
hauchen wind
stehen garben
zärtlich lind…



Lieber Bruder,
anbei die Versicherungsbankerott-Erklärung gegenüber den Bildwerken von Violanthe Rappl. Bitte beachten Sie - und das ist wichtig: Der Text, den ich heute per Post-Brief erhalten habe ist eindeutig ausweichend formuliert! Man hat mir ja zuvor am Freitag telephonisch zu verstehen gegeben, daß die Bilder über den 'normalen' Hausrat nicht zu versichern seien - und zudem eine 'Kunstgegenstände-Versicherung' nicht zu haben sei! Infolgedessen ist der Text des Papierbriefes einfach nur hohles Verkaufsgehabe im Sinne einer von dieser Versicherung noch mühsam erhofften 'Kundenbindung'! Ich habe Ihnen die Versicherungsexpertise angekündigt: Hier ist sie! Meiner Einschätzung nach, würde sich das - irgendwo in der Nähe von Violanthes Bildern veröffentlicht - sehr deutlich auf den 'aktuellen Zeitwert' derselben auswirken...
h.
 
Gesendet: Freitag, 05. Mai 2017 um 12:05 Uhr
Von: "Holger Hirt" <turnus.gleich@gmx.de>
An: xxx
Betreff: laut Telephonat vom 05.Mai 2017
Holger Hirt
Winkelweg 3
96049 Bamberg
 
Versicherung xxx

Hausratversicherungsvertrag Nr.: 802 xxx
 
Sehr geehrte Frau K.,
 
in dem soeben mit Ihnen geführten Telephonat bestätigten Sie mir, es müsse davon ausgegangen werden,
daß mein Hausrat inclusive der nun dazugehörenden drei Bildwerke von Frau Violanthe Rappl in meinem Privatbesitz
nicht mehr versicherbar sei bzw. daß ich zu diesem Zwecke eine besondere Kunstgegenstände-Versicherung
abschließen müsse, eine Sparte, die Ihre Versicherungsgesellschaft jedoch nicht vorhalte!
Dies nehme ich mit großem Bedauern zur Kenntnis, da ich zuvor jahrelanger zufriedener Kunde gewesen
bin. Ich muß nun befürchten, daß mir die Versicherungsprämien entweder 'explodieren' oder ich
an zweifelhafte 'Kunstschätzer' gerate, die diesbezüglich unbedarfte Menschen allzu leicht 'übers Ohr hauen'.
Ich danke Ihnen nochmals für das lange fachkundige Gespräch - und kündige meinen Vertrag hiermit den
nötigenden Umständen entsprechend zum 02.08.2017 (= Ablauf der Prämien-Jahreszahlungsfrist).

Der Vollständigkeit wegen erlaube ich mir darauf hinzuweisen, daß mit "Privatbesitz" lediglich der Umstand gemeint ist,
daß die mittlerweile verstorbene Malerin sich nun aus ersichtlichen Gründen nicht mehr selber um ihr Vermächtnis
kümmern kann. Ich werde hinkünftig lediglich einer ihrer 'Sachwalter' sein, wobei auch dieses Wort
unpassend ist, denn hier handelt es sich ja wohl nicht um Sachen so wie z.B. Toilettenpapier oder 100-€uro-Scheine...
kurz: Eigentümerin der Werke ist und wird immer bleiben die Verstorbene selber!-
Mit anderen Worten: Die Wohnung des Herrn Hirt hat sich innerhalb kürzester Zeit
in die Zweigstelle eines Museums verwandelt! Auch geht es hiermit keinesfalls darum,
Ihr Versicherungsunternehmen in der Öffentlichkeit bloßstellen zu wollen, sondern einzig darum, diesen
jetzt den meisten subkulturell völlig verbildeten und medientechnisch völlig
abgestumpften Menschen noch unvorstellbar großen Kunstschatz zu erhalten!
Auch das Versicherungsunternehmen XXX ist zwar zu Dokumentationszwecken um eine Stellungnahme gebeten
worden - jedoch es ist zwecklos - denn etwas Unverkäufliches - so wie es in Museen nun einmal üblich ist,
kann wohl nicht mit finanziellen Werten aufgewogen werden! Wir werden in kürze auch die Stellungnahme dieses
Unternehmens veröffentlichen, wiederum nicht, um es bloßzustellen, sondern um die Malerin vor kapitalistischem Raubbau zu schützen und
damit ihr ehrendes Andenken zu wahren!
 
Wir bitten aufrichtig um Ihr Verständnis!
 
Mit freundlichen Grüßen, verbleibe ich auch hinkünftig
Ihr Holger Hirt
 
Nachschrift:
Kunstschätzer sind in vielen Fällen wohl leider nichts als 'Geldgeier', denen es nur um die Kohle, nicht aber um den Wert geht.
Wir, wiederum, legen keinerlei wert auf raubtierkapitalistisch-geldgierige €xp€rt€n. Wir stellen - stattde$$en - hiermit öffentlich die Frage: Wieviel kostet ein Mensch?
Und: Weshalb soll ein Fußballer 'mehr wert' sein?
Sodom und  Gomorrha!
Ethos
(Turnus Gleich, 19.05.2017)

0. Lindere Leiden in Deinem Raum der Liebe, so wird er alsbald sich ausdehnen.
1. Handlungen sind grundsätzlich Ausdruck höchstmöglicher Umsicht und Rücksicht.
2. Bist Du selbst ein Leidender, so frage Dich zuvorderst, inwiefern Dein Verhalten dem Geiste widersprochen hat.
3. Fehlst Du im Affekt gegen 1. so suche Deine Mißhandlung sobald als möglich selber zu korrigieren.
4. Das ist der Unterschied betreffs ‚selbst‘ und ‚selber‘.
5. Fußballspieler sind finanzstarke Menschen, zweifellos - Wer, aber, hat das Geld gemacht?
6. Wie sinnvoll ist es, sich die gravierende Unterscheidung von Geld und Guthaben klar zu machen?
7. Können diese materiellen Guthaben auch eine Aussage sein, über jeweilige Guthaben ‚im Himmel‘?
8. Was ist Fleiß? Wozu ist er im geringsten Nutze, wenn er permanent gegen den Geist sich wendet?
9. Ist es nicht so, daß es nur einen Geist gibt, den wir deshalb auch den ‚Heiligen‘ nennen?