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Archiv Stiftung Werkvermächtnisse
„Der bestirnte Himmel
über mir …“ ist der Mikrokosmos.
Ihr versucht, Ihn unter Euere Mikroskope zu legen: ... und ‚Gott‘ lächelt sanft über solche Einfalt! - Alles ist Geist.
[*]Jens Peter Jacobsen
(1847-1885), dänischer Schriftsteller, in: Niels Lyhne: „Aber wie süß war es, zu lieben, einmal die
wirkliche Liebe des Lebens zu lieben! Denn was er bis jetzt für Liebe gehalten
hatte, war ja keine Liebe gewesen, weder das schwer wogende Sehnen des
Vereinsamten, noch das brennende Entbehren des Phantasten oder die ahnungsvolle
Nervosität des Kindes; das waren Ströme in dem großen Ozean der Liebe, einzelne
Reflexe ihres vollen Lichtes, Splitter der Liebe, gleichwie die Meteore, die
die Luft durchsausen, Splitter eines Weltenkörpers sind, dies war die Liebe:
eine Welt, die ganz war, etwas Vollendetes, Großes, Geordnetes. Es war keine
verwilderte, zwecklose Jagd von Gefühlen und Stimmungen, die Liebe war wie eine
Natur, ewig wechselnd, ewig erzeugend, und es erstarb keine Stimmung, es welkte
kein Gefühl, ohne einem Keim, der die Anlagen zu etwas Vollkommenerem enthielt,
neues Leben zu geben. Ruhig, gesund, mit tiefen Atemzügen, so war es herrlich
zu lieben. Und die Tage fielen jetzt neu und glänzend vom Himmel selber herab,
sie kamen nicht schleppend, selbstverständlich hintereinander wie die
abgegriffenen Bilder in einem Guckkasten, jeder von ihnen war eine Offenbarung,
denn an einem jeden fand er sich größer und stärker und gehobener. Noch nie
hatte er eine solche Innigkeit, eine solche Macht des Gefühls gekannt, und es
gab Augenblicke, in denen er sich selber titanenhaft deuchte, in weit höherem
Maße, als er sich Mensch fühlte, eine solche Unerschöpflichkeit empfand er in
seinem Innern, eine flügelbreite Zärtlichkeit entströmte seinem Herzen, so weit
war sein Blick, so großartig mild sein Urteil.“
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